Guter Vorsatz für Fußballer generell: Weniger Eigentore schießen

Neues Jahr, neues Ich: Eintracht Frankfurt bringt eine knappe Führung souverän über die Zeit. Sind das etwa gute Neujahrsvorsätze? Reichs Resterampe weiß: In zwei Wochen sind wir schlauer.

Mit Neujahrsvorsätzen ist es es ja so eine Sache. Ich persönlich nehme mir eigentlich jedes Jahr vor, gesünder zu leben, mehr Sport zu machen und vor allem ein bisschen strukturierter und fokussierter zu sein und mich nicht mehr in einer Tour so einfach ablenken zu lassen und, oh, ein Eichhörnchen da drüben im Baum, wie süß, es hat eine Nuss, äh, wo war ich?

Achja, Neujahrsvorsätze. Auch in diesem Jahr habe ich mir also vorgenommen, gesünder zu leben, und es ist zwar erst der vierte Januar, aber immerhin schreibe ich diese Zeilen ohne Big Mac im Mund, also glaube ich weiter fest an mich. Noch. Und an Eintracht Frankfurt.

Warten auf das Kopf-auf-Tischplatte-schlagenswerte 2:2

Denn die Eintracht hat sich ganz offensichtlich vorgenommen, sich in 2021 nicht mehr unnötigerweise Führungen aus der Hand nehmen zu lassen, in Spielen, die sie dominiert, nur um dann nach 90 Minuten und dem, beispielsweise, welt-unnötigsten Dreierpack von Lars Stindl, bedröppelt auf dem Platz zu stehen, mit quasi leeren Händen, während man zuhause in die Fernbedienung beißt.

So zumindest wirkte das erste Spiel der Eintracht im neuen Jahr. Eine verdiente 2:1-Führung gegen Leverkusen, zig liegengelassene Chancen, eine unerklärlich lange Nachspielzeit, und das alles gegen eine mit Raketenfußballern gespickte Supertruppe: Es war ja alles fürs ärgerliche, unnötige, Kopf-auf-Tischplatte-schlagenswerte 2:2 angerichtet. Und dann: nichts. Nada. Abpfiff. Sieg. New year, new me, heißt es ja so schön. Die Eintracht 2021, sie ist fokussierter, macht auch in der Schlussphase mehr Sport und ernährt sich gesünder, frisst z.B. keine ekligen Last-Minute-Gegentore mehr.

"Zuhause nicht mehr den Fernseher anschreien"

Auch fürs Leben von Eintracht-Fans ist das gesünder, der Klub partizipert also aktiv an den Neujahrsvorsätzen einiger seiner Anhänger, schließlich dürfte "Zuhause nicht mehr den Fernseher anschreien" im weitesten Sinne unter "Weniger Stress" fallen, und das ist ja ebenfalls ein Klassiker der guten Vorsätze.

Ich habe übrigens immer noch keinen Big Mac im Mund. Nur: Wie lange werde ich das noch von mir behaupten können? Sehen Sie: Das Problem sind ja nicht die Vorsätze, es ist ja eher das Durchhaltevermögen. Studien besagen, dass zu Beginn des Jahres 52 Prozent überzeugt sind, ihre Vorsätze umzusetzen, es am Ende aber nur 12 Prozent schaffen. Eine andere Studie besagt, dass die Halbwertszeit guter Vorsätze bei gerade sechs bis acht Wochen liegt, und das macht ja auch Sinn. Oder warum nehmen wir uns Jahr für Jahr dieselben Dinge vor? Wahrscheinlich ja nicht, weil wir sie so konsequent umsetzen.

"Wirf-Deine-Neujahrsvorsätze-über-Bord-Tag"

Sechs bis acht Wochen, aber das wäre ja schonmal was und würde vielleicht – die Eintracht bestreitet in dieser Zeit noch sieben Spiele – reichen, um ein gewisses Grundvertrauen aufzubauen, dass die Hessen das Laster des späten Ausgleichs vielleicht doch ganz ablegen. Manche Menschen hören ja tatsächlich auf zu rauchen oder essen gesünder, zwölf Prozent eben. Andere Prognosen sind allerdings weit weniger optimistisch. In den USA gibt es den inoffiziellen "Wirf-Deine-Neujahrsvorsätze-über-Bord-Tag", er findet am 17. Januar statt. Die Eintracht spielt da gegen Schalke.