Filip Kostic

Wird Eintracht Frankfurt noch Deutscher Meister? Die Chancen stehen gut. Zumindest, wenn man auf die richtigen Statistiken wert legt oder gleich selbst welche erfindet. Das weiß zumindest Reichs Resterampe.

Reichs Resterampe: Jeden Montag sinniert Eintracht-Experte Stephan Reich an dieser Stelle über Eintracht Frankfurt, den Fußball, das Leben und den ganzen restlichen Quatsch.

Bei Twitter folge ich einem Mann namens Duncan Alexander, der mein Leben sehr bereichert hat. Alexander ist Mitarbeiter des Daten-Dienstleisters Opta und macht sich einen Spaß daraus, aus den unendlichen Datentiefen völlig alberne Statistiken herauszufischen. So habe ich etwa erfahren, dass der Engländer Ashley Young seit dem Südkoreaner Choi Young-il 1998 der erste Spieler ist, der zwar "Jung" heißt, aber der älteste Spieler seines Nationalmannschaftskaders ist. Oder dass Cristiano Ronaldo zwischen 2007 und 2019 nur in jenen Jahren nicht mindestens das Champions-League-Halbfinale erreicht hat, in denen ein Toy-Story-Film in die Kinos kam.

Möglicherweise ist mein Hirnareal, in dem derlei Nicht-Wissen gespeichert wird, ausgeprägter als bei anderen Menschen, und ich hoffe inständig, dass für die Freude, die alberne Statistiken in mir und meinem Gehirn auslösen, nicht andere, nützliche Dinge daraus verdrängt werden, etwa Rechschtreibnug oder meine ImpulskontrollAAARGH!!!! Entschuldigung. Ich habe aber auch das Gefühl, dass Alexanders Statistiken und sein Umgang damit durchaus lehrreich sind. Im Hinblick auf Eintracht Frankfurt zumindest.

Flanken als Gefahr für den Flugverkehr

Denn die Eintracht ist in dieser Saison in diversen Statistiken führend, deren Sinn sich mir auch nicht unbedingt erschließt. So haben die Hessen etwa bereits 217 Flanken in den gegnerischen Strafraum geschlagen. Fast exakt die Hälfte davon gehen auf das Konto von Filip Kostic, nämlich 108, der damit immerhin sieben Tore vorbereitete, was eine Quote ist, die ich leider nicht ausrechnen kann, da krude Statistiken mein Hirnareal für mathematisches Denken längst geschluckt haben. Sie scheint mir aber ganz ok.

Nur: Ist die Statistik insgesamt gut? Also in dem Sinne, als dass sie etwas grundsätzlich Positives über die Spielweise der Eintracht aussagt? Wenn man in einem Spiel gegen Wolfsburg die 27. Flanke präsentiert bekommt, die eher den Flugverkehr des Flughafens vor Probleme stellt als die gegnerische Hintermannschaft, kommt man darüber ins Grübeln. Zuletzt las ich auch, dass Goncalo Paciencia und Filip Kostic die einzigen beiden Spieler der Liga seien, die in der laufenden Saison sowohl gegen RB als auch gegen die Bayern getroffen haben.

Wäre meine Oma ein Bus, könnte sie hupen

Statistiken, eh? Hätten sich Paciencia und Kostic ihre Tore beim 5:1 gegen die Bayern geklemmt und dafür zweimal zum Sieg getroffen, wäre die Eintracht Tabellensiebter. Wäre meine Oma ein Bus, könnte sie hupen, sagte einst Dieter Eilts. Hätte, hätte, Kausalitätskette, sag ich, und ist es nicht sinnvoller in Zeiten von Expected Goals, Packing und all dem anderen Gedöns, Duncan Alexanders Vorbild zu folgen und die Statistiken als das zu nehmen, was sie sind? Aneinanderreihungen von Zahlen und Daten, deren Bedeutung wir in sie hineinlesen und die wir nach unserem Gusto interpretieren können. Früher haben wir doch auch keine Statistiken gebraucht, als ja eh alles besser und Packing höchstens eine Kleinstadt in Bayern war.

In diesem Sinne, und das ist die gute Nachricht, war der Titelkampf nie spannender als in diesem Jahr. Die Bayern sind in der Deutschen Flankenmeisterschaft gerade um drei Hereingaben an der Eintracht vorbeigezogen, es ist also noch alles drin. Im von mir just erfundenen Expected-Makotos-Ranking sind die Hessen sogar bundesweit konkurrenzlos, der Titel ist quasi sicher. Gut möglich allerdings, dass demnächst auch wieder ein Toy-Story-Film in die Kinos kommt. Und der würde natürlich wieder alles durcheinanderwirbeln.