Daichi Kamada

Eintracht Frankfurt gewinnt souverän in Hoffenheim. Auch weil Daichi Kamada den schönsten Pass der Saison spielt. Unsere Eintracht-Kolumne.

Es war ja leider nie der Fall und wahrscheinlich wird es auch nicht mehr passieren, aber ich hätte Mesut Özil wahnsinnig gerne mal im Trikot von Eintracht Frankfurt gesehen. Wenige Spieler in den letzten Jahren, ja wahrscheinlich seit Uwe Bein nicht mehr, hatten ein so feines Füßchen, ein so wunderbares Gespür für den richtigen Pass wie Özil. Bei ihm wirkte immer alles leicht und locker und einfach, der Mann spielte stets so elegant, man hätte ihn eigentlich im Smoking aufs Feld schicken müssen.

Dabei war es bei Özil ja so: Was die einen als Eleganz ausmachten, war für die anderen eine viel zu lasche Körpersprache. Die hängenden und ohnehin zu schmalen Schultern. Die Sprints, die manchmal wirkten, als würde er mit seinem Hund im Park spazieren gehen. Und die Hymne singt er auch nicht mit?!?!? Kann man so überhaupt ein Spiel gewinnen?

Körperspannung wie Arnold Schwarzenegger 1967

Nun, Özil kann und konnte, und das sehr oft. Womit wir bei Daichi Kamada wären, der mich oft an Özil erinnert. Hängende, schmale Schultern, gerne mal im Trab unterwegs und eine Hymne habe ich ihn auch noch nicht singen sehen. Nun gab es ja in den letzten Wochen aus Frankfurter Sicht herzlich wenig zu meckern, und doch sah ich mich dann und wann mit Kommentaren zu Kamadas Körpersprache konfrontiert. Diese sei eine Katastrophe, und Spiele könne man so keine gewinnen.

Nun, Kamada kann und konnte, und das sehr oft. Und was bedeutet das eigentlich, Körpersprache? In die Zweikämpfe gehen wie ein Preisboxer? Mit der Körperspannung eines Arnold Schwarzenegger bei der Wahl zum Mr. Universe 1967 übers Feld rennen? Als jemand mit der Körpersprache eines Sitzsacks sage ich: Kamada könnte auch übers Feld robben oder einen Großteil des Spiels auf einem Klappstuhl im Mittelkreis sitzend verbringen. Solange er ab und an mal einen Pass wie am Sonntag vor dem 3:1 raushaut.

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Wie schön kann ein Pass sein? Ja!

Denn was für ein Pass war das denn bitte? Aus einem Zweikampf heraus, no look, gegen die eigene Laufrichtung, 50 Meter diagonal über den gesamten Platz, genau ins Fußgelenk von Filip Kostic und in einen Raum, der so frei war, dass man dort hätte Kartoffeln anbauen oder ein Haus bauen können. Kamada nahm mit einem Geniestreich die gesamte Hoffenheimer Mannschaft aus dem Spiel. Er hat das Packing durchgespielt, wenn man so will.

Wie schön kann ein Pass sein, will man fragen. Ja, will man antworten. Dabei war der Pass ja nicht einmal ein Assist, sondern der Assist zum Assist. Was direkte Torvorlagen angeht, steht Kamada bei erstaunlichen neun, das sind ligaweit die drittmeisten, hinter Thomas Müller und Joshua Kimmich. Gerade Kimmich ist ja einer, der quasi nur aus Körpersprache besteht und die Hymne mitschreit, als wäre sie ein Rammstein-Song. Aber ist es das, was ihn zu einem Top-Fußballer macht?

Lag es an der Körpersprache?

Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Mesut Özil hat mit seinem neuen Klub Fenerbahce übrigens am Wochenende das Derby gegen Galatasaray verloren. Ob es an der Körpersprache lag?