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Eintracht Frankfurt verliert in Köln. Reichs Resterampe weiß, was dem Klub aus der Krise helfen könnte: Fan-Banner mit Handlungsanweisungen.

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Highlights: 1.FC Köln - Eintracht Frankfurt

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Mit dem 1. FC Nürnberg verbindet mich eigentlich nichts, doch seit ein paar Tagen hege ich gewisse Sympathien für die Anhänger des Clubs. Ein Freund schickte mir am Wochenende nämlich ein Foto zu, das mich seither sehr belustigt. Darauf ist ein Banner eines FCN-Fans im Nürnberger Stadion zu sehen, mit der höflichen Aufforderung an die Spieler: "Konzentriert euch bitte".

Nun ist es mit Fan-Bannern ja so, dass sie als ganz eigene Textform auch ganz eigene stilistische und inhaltliche Normen haben. Früher wurden die Banner stets in Reimform geschrieben, das ist glücklicherweise vorbei. Inhaltlich ist es dabei geblieben, dass es meist um Protest geht, mitunter auch einfach um Klamauk, neu im Genre sind die leicht überhand nehmenden Gib-mir-dein-Trikot-Schnorrereien. Für den bedauernswerten Nürnberger Fan standen Klamauk oder Protest schon gar nicht mehr zur Debatte, ein Trikot hätte er wahrscheinlich direkt zurückgefeuert. Vielmehr muss die Leistung der Nürnberger so miserabel gewesen sein, dass er verzweifelt versuchte, die Spieler an die gottverdammten Basics zu erinnern: Dass sie sich bitte konzentrieren mögen, wenn sie ihrer Fußballarbeit nachgehen. Ist das denn zu viel verlangt?

Das "Nee, lieber nach links auf den Kostic"-Banner

Ich hätte mir dieses Banner sehr im Fanblock der Frankfurter Eintracht beim Spiel in Köln am Samstag gewünscht. Wer weiß schon, was die Spieler auf dem Platz von den Rängen mitbekommen, aber vielleicht hätte es ja etwa Jesper Lindström oder Daichi Kamada geholfen, wenn sie inmitten ihrer hundertprozentigen Kontersituationen kurz den Blick gen Tribüne gehoben und dann gedacht hätten: achja, konzentrieren. Hätten sie sich anschließend konzentriert, einen sehr konzentrierten Querpass gespielt, der nicht am letzten Kölner Verteidiger hängenbleibt, und der mitgelaufene Mitspieler hätte ebenso konzentriert eingeschoben? Hätte Eintracht-Trainer Oliver Glasner nach dem Spiel zufrieden von einer "konzentrierten Mannschaftsleistung" gesprochen? Hätte sich der Banner-Fan konzentriert auf die Schulter geklopft, weil er das 1:0 der Eintracht quasi schriftlich vorbereitet hätte?

Handlungsanweisende Fan-Banner, vielleicht ja das nächste große Ding. Gerade jetzt, wo die Eintracht aus der Krise finden muss, könnten sie durchaus hilfreich sein. "Konzentriert euch bitte"-, "Nee, lieber nach links auf den Kostic"-, "Ruhig mal den Kopf heben vor dem Pass in den Strafraum"-Banner. "Wir sind die in Schwarz"-, "Hohe Bälle auf den Borré bringen nix"- und "Man kann den Knauff ruhig einwechseln"-Infoplakate. Oder gleich die große, kurvenüberspannende "Anatomisch gesehen muss beim Torschuss die Spitze des ausholenden Fußes gen Boden zeigen, während das Knie des Standbeins angewinkelt und der Oberkörper leicht nach vorne geneigt ist, damit durch eine Schwungbewegung des Unter- und Oberschenkels dem Ball eine Stoßbewegung versetzt wird"-Choreografie.

"Alfons, Brille nicht vergessen"

Und wo würde die Eintracht jetzt stehen, wäre man viel früher auf diese Idee gekommen? Wäre die Eintracht 1992 Meister geworden, wenn ein findiger Fan "Alfons, Brille nicht vergessen" auf ein Banner geschrieben hätte? Wobei ein "Konzentriert euch bitte" in diesem Falle ja wahrscheinlich tatsächlich schon gereicht hätte. Oder Europacup-Sieger 2019, hätte ein "Hinti, nicht draufkloppen, leg ihn mit der Innenseite ins Eck"-Banner an der Stamford Bridge geweht? Wäre die Eintracht jetzt ein Spitzenklub, hätte jemand 2010 Heribert Bruchhagen ein Plakat mit der Aufschrift "Jetzt hol halt den Lincoln, Herrgottnochmal" gezeigt?

Wahrscheinlich nicht. Eine Kurzrecherche hat übrigens ergeben, dass das Nürnberger Banner schon seit 2008 immer wieder mal im Stadion zu sehen ist, manchmal neben einem Transparent mit der ebenfalls sehr schönen Aufschrift "Nicht denken, einfach schießen". Seither ist der FCN zweimal abgestiegen und dümpelt so in der Zweiten Liga vor sich hin. Wahrscheinlich, weil sich die Spieler einfach nicht richtig konzentriert haben.