Jesper Lindström

Eintracht Frankfurts Jesper Lindström vergibt gegen RB Leipzig zwei Großchancen, weil er nicht selbst abschließt. Reichs Resterampe weiß: Mehr Bud Spencer würde dem Mann gut tun.

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Die Vita von Bud Spencer ist einer meiner liebsten Popkultur-Funfacts. Spencer, bürgerlich eigentlich Carlo Pedersoli, studierte Chemie, war der erste Italiener, der die 100 Meter Freistil in unter einer Minute schwamm, arbeitete als Fließbandarbeiter in Rio de Janeiro und als Bibliothekar in Buenos Aires, wurde anschließend Jurist, schrieb dann Schlager für ein Musiklabel, war Mitglied der italienischen Wasserballnationalmannschaft, nahm 1952 und 1956 an den Olympischen Spielen teil, wurde Filmstar, gründete eine Fluglinie, ging kurz in die Politik, gründete eine Produktionsfirma für Tier-Dokus, erfand die Reisezahnbürste, einen Gehstock mit integrierter Sitzhilfe und ein Gewehr mit drei Läufen, und ja, wenn ich jetzt schreiben würde, Bud Spencer wäre mit einer selbstgebauten Seifenkistenrakete zum Mond geflogen, würde das in diesem irren Wust aus Leben wahrscheinlich gar nicht auffallen.

Vielleicht liegt es daran, dass ich den Bud Spencer'schen Gehstock mit Sitzhilfe noch nicht ausprobiert habe und nur selten italienische Schlager der 50er höre, aber mir – und den allermeisten anderen Menschen auch – ist Spencer als Schauspieler in Erinnerung geblieben. Ein mürrischer, vollbärtiger Typ, der auf Spielfilmlänge einen Teller Bohnen nach dem anderen isst, Bösewichte verdrischt und nebenher den Sendebetrieb von Kabel 1 sichert. Er habe eigentlich Arzt oder Jurist werden wollen, sagte Spencer einst, das habe aber wegen der vielen anderen Dinge nicht geklappt. Ein Verlust für Medizin und Juristerei, klar, aber was für ein Gewinn für die Anerkennung der Backpfeife als Kunstform.

Sie nannten ihn Plattfuß

Ich hoffe sehr, dass Eintracht Frankfurts Jesper Lindström mit den Filmen von Bud Spencer vertraut ist. Nicht nur, weil "Sie nannten ihn Plattfuß", "Zwei wie Pech und Schwefel", "Auch die Engel essen Bohnen" und all die andere Klassiker natürlich echte Perlen sind und man sie gesehen haben sollte, will man sich einen kulturell bewanderten Menschen nennen. Sondern weil sie eben auch eine Moral transportieren, die Lindström verinnerlichen könnte: Manchmal ist es am erfolgversprechendsten, einfach stumpf draufzuhauen. Beim 0:0 gegen RB Leipzig, quasi der labbrige Teller Bohnen der Liga, stand Lindström gleich zweimal blank vor dem Tor. Aber anstatt draufzuhalten, legte er den Ball beide Male quer ins Nichts.

Schon in den letzten Wochen verdaddelte Lindström auf diese Weise die eine oder andere gute Chance, ein wenig mehr Bud Spencer würde dem Mann gut tun. Ich würde ihn mir in speckigem Hemd in der Kabine sitzend wünschen, wie er missmutig und vollbärtig einen Teller Bohnen isst und dann in aller Seelenruhe auf den Platz geht, den ersten Zweikampf per Doppel-Ohrfeige gewinnt und dann frei vorm gegnerischen Torwart einfach stumpf draufhaut. Eintracht Frankfurt eins, der Gegner null, danke, bitte, Terence Hill macht einen Gag, Spaghettiwestern-Abspannmusik setzt ein, dann kommt der Kabel-1-Werbeblock, anschließend testet Rach ein Restaurant. Oder so ähnlich.

Wo ist die Bud-Spencer-Stumpfheit?

Nicht falsch verstehen, ich bin großer Fan von Lindström. Der Junge ist so schnell, er könnte die 100 Meter Freistil sicher auch unter einer Minute, wenn nicht schwimmen, dann rennen. Und bei seiner Kreativität würde es mich auch nicht wundern, wenn er nebenberuflich Reisezahnbürsten erfindet. Wobei jene von Spencer, bei der die Zahnpasta im Griff integriert war, freilich schwer zu toppen sein dürfte.

Wie dem auch sei, in Abschusssituationen fehlt Lindström manchmal der gute, alte Punch. Lernt er noch die gute alte Bud-Spencer-Stumpfheit, steht ihm eine große Karriere bevor, der Bub ist schließlich erst 22. In dem Alter gewann Bud Spencer übrigens gerade die fünfte von zehn italienischen Schwimm-Meisterschaften in Folge und spielte im Monumentalfilm "Quo Vadis" mit. Aber gut, der Mann ist halt auch kein Vergleich.