Roboter Pepper bei der Messe Altempflege in Hannover

Das Spiel Hoffenheim gegen Bayern zeigt: Text-Bots sind die Zukunft des Sportjournalismus. Glaubt man Reichs Resterampe, sind sie sogar die Vergangenheit.

Milliardäre, Proteste, Hysterie – inmitten all des Schmus, aus dem das Bundesligawochenende ja größtenteils bestand, gab es einen kleinen, feinen Lichtblick: Der Text-Bot, der den Liveticker von Ergebnis-Dienstleister Flashscore mit Kommentaren zum Spielgeschehen befüllt.  

Denn während sich in Hoffenheim die TSG und Bayern München aus Protest gegen die Schmähungen gegen TSG-Mäzen Dietmar Hopp in den letzten zehn Minuten den Ball am Mittelkreis zukickten – ein Ereignis, das in fast 60 Jahren Bundesliga seinesgleichen sucht – bildete das Flashscore-Computerprogramm sklavisch ab, was es sah.

"Bayern München zeigt gutes Teamwork. Die Spieler tauschen Kurzpässe aus, spielen Doppelpässe und warten darauf, dass sie die Lücke in der gegnerischen Abwehr finden", schrieb der Bot.

Zwei Minuten davor hieß es: "TSG Hoffenheim dominiert das Spiel momentan, indem das Team kurze Pässe und Doppelpässe spielt. Die Spieler verstehen sich blind."

"Gacinovic probiert es alleine"

Bot müsste man sein, es gäbe keine Probleme. Keinen Kontext, keine Einordnung, nur die Dinge, keine Gründe für Dinge, beobachtet durch eine Brille von Nullen und Einsen, die das jeweilige Geschehen in seiner maximalen Eindimensionalität zeigt. Der Bot, das selige Wesen. Und dabei so witzig. Wie schade, dass es ihn erst seit Kurzem gibt.

Denn wie wunderbar ungelenk und idiotisch hätten die Bots die großen Highlights der Eintracht-Geschichte kommentiert, hätten sie schon früher existiert?

"Fjörtoft verfehlt den Ball mit dem rechten Fuß. Im zweiten Versuch kann er Reinke mit links aber überwinden. Jubel im Rund, auch wenn das Ergebnis vielleicht um ein Tor zu hoch ausfällt."

Oder Gacinovics 3:1 im Pokalfinale?

"Gacinovic sucht vergeblich den besser postierten Nebenmann, also probiert er es alleine. Und immer noch. Und immer noch. Und immer noch. Sein Abschluss aus 20 Metern gerät zu mittig und schwach, Ulreich ist dennoch chancenlos."

"Neuer Spielstand Strg:Alt:Entf"

Ach, all die verlorenen Bot-Gags.

"An der Seitenlinie ein Zweikampf zwischen Willi Reimann und dem Schiedsrichter. Doch Reimann gibt dem Unparteiischen die Hand. Sogar beide Hände. Viermal. Auf die Brust. Tolle Geste, weiter geht’s."

Oder Jay-Jay Okochas Tor gegen Oli Kahn.

"Okocha mit der Schusschance. Mit der Schusschance. Okocha mit der Schusschance. Schusschance Okocha. Schusschance. Okocha. Schusschance. Chance-e-e-e. Tor für die Eintracht, neuer Spielstand Strg:Alt:Entf, System bitte neu starten!"

Vor einiger Zeit hieß es ja mal, über kurz oder lang würden die Bots die Sportjournalisten ersetzen. Seit ich den Flashscore-Ticker kenne, bin ich mir da nicht mehr so sicher. Einordnung, Verständnis und Kenntnis von Dingen, Vorgängen, Kontexten, all das braucht es für eine kundige Berichterstattung. Die Spiele werde ich zukünftig trotzdem in der Flashscore-App verfolgen.