Daichi Kamada

Beim Remis von Eintracht Frankfurt gegen Köln konnten die Zuschauer ein echtes Naturschauspiel erleben: die Entstehung eines Schwarzen Lochs. Reichs Resterampe erklärt die physikalischen Zusammenhänge.

Reichs Resterampe: Jeden Montag sinniert Eintracht-Experte Stephan Reich an dieser Stelle über Eintracht Frankfurt, den Fußball, das Leben und den ganzen restlichen Quatsch.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Eintracht lässt in Köln zwei Punkte liegen

Bas Dost leitete das 1:0 ein.
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Herzlichen Glückwunsch an Roger Penrose, Reinhard Genzel und Andrea Ghez. Die drei ForscherInnen haben vor wenigen Tagen den Nobelpreis für Physik bekommen, für ihre Forschungen zu Schwarzen Löchern. Schwarze Löcher, das nur zur Erinnerung, sind Objekte, deren Masse auf ein extrem kleines Volumen konzentriert ist und die dadurch eine so starke Gravitation haben, dass nicht einmal Licht dieser Anziehungskraft entkommen kann. Ja, wahrscheinlich nicht einmal Filip Kostic im Vollsprint.

Nun will ich Penrose, Genzel und Ghez nicht zu nahe treten, aber sie haben bei der Auszeichnung und vor allem beim Timing der Verleihung schon auch Schwein gehabt. Schließlich hat jeder, der am Sonntag das Spiel der Frankfurter Eintracht beim 1. FC Köln verfolgt hat, ebenfalls ein Schwarzes Loch entdecken können. Sogar zwei. Und das ganz ohne Teleskop oder abgeschlossenes Studium der Astrophysik.

Unendliche Weiten im Kölner Strafraum

Es lief die 50. Minute, unendliche Weiten im Kölner Strafraum, als Daichi Kamada fünf Meter vor dem Tor auftauchte – und freistehend ein so kolossales Luftloch trat, dass es problemlos als Schwarzes Loch durchging. Prompt verschwanden darin zwei der drei Punkte der Eintracht sowie Tabellenplatz zwei auf Nimmerwiedersehen. Ein Naturschauspiel, eine Art Wurmloch, das die Hessen vom zweiten auf den vierten Tabellenplatz beförderte, einfach so.

Schwarze Löcher sind eigenartig, viele ihrer Eigenschaften kaum zu verstehen. An ihren Außengrenzen steht sogar die Zeit still, und im Innern eines Schwarzen Lochs existiert bereits die von außen nicht zugängliche Zukunft. Kann man sich das vorstellen? Wobei zumindest gemäß des sehr bekannten physikalischen Fußballgesetzes "Wenn du vorne die Dinger nicht machst ..." die Zukunft nach derlei Luftlöchern wie jenem von Kamada ja sehr verlässlich vorherzusagen ist. Man bekommt nämlich die Quittung, das ist quasi ein unumstößliches Naturgesetz, einst von einem Genie a la Sepp Herberger oder Udo Lattek entdeckt und an eine Tafel geschrieben.

Physikalisch unmöglich: Ein Tor des 1. FC Köln

Gemäß den Vorhersagen geschah es dann auch. Eine Flanke von Kingsley Ehizibue und in der Verteidigung der Eintracht tat sich ein Schwarzes Loch auf, in das sich weder Makoto Hasebe, Almamy Touré noch Stefan Ilsanker hineinwagten. Einzig der wagemutige Ondrej Duda traute sich vor in dieses große Unbekannte und betrat mit dem Frankfurter Strafraum etwas, das noch kein Kölner vor ihm an diesem Tag betreten hatte. Ein kleiner Schritt für ihn, ein ärgerlicher Ausgleich für alle anderen. Schließlich wurde er mit etwas belohnt, das an diesem Tag, ja eigentlich in der ganzen bisherigen Saison, physikalisch unmöglich schien: Ein okayer, erfolgreich abgeschlossener Angriff der Kölner, deren Bundesligatauglichkeit bislang ja nicht einmal mithilfe des Hubble-Teleskops zu erkennen gewesen wäre.

Es passieren eben komische Dinge im Kosmos. Gerät etwa ein Stern zu nah an ein Schwarzes Loch, wird er spaghettifiziert, das heißt, er wird in die Länge gezogen und in feine Stränge zerrissen, was in Köln wahrscheinlich nur nicht passierte, weil der FC über keinerlei Stars verfügt. Auch gibt es – zumindest in der Theorie – auch Weiße Löcher, quasi das Gegenteil der Schwarzen, die Masse abstoßen, statt anzusaugen. Nahe eines solchen hätte Kamada den Ball also unter die Latte gedroschen, er hätte die Masse des Balles mit Lichtgeschwindigkeit in den Raum vor sich geurknallt, und die Punkte der Eintracht hätten sich wie von Zauberhand vermehrt.

Kamada und das Weiße Loch

Allein: Die Existenz eines Weißen Lochs ist noch gar nicht nachgewiesen, es gibt sie nur als mathematische Hypothese. Vielleicht gelingt Kamada ja der praktische Nachweis im kommenden Bundesligaspiel gegen Bayern München? Der Nobelpreis wäre ihm wahrscheinlich nicht mehr zu nehmen.