Thuram trifft gegen die Eintracht

Zum Re-Start der Bundesliga verlangt Eintracht Frankfurt seinen Fans direkt die komplette Leidensfähigkeit ab. Reichs Resterampe weiß, wie man mit dem ganzen Fußball-Ärger umgeht.

Es ist ja ein interessanter Nebeneffekt dieser eigenartigen Zeit, dass viele Menschen, zurückgeworfen auf sich selbst und die eigenen vier Wände, Dinge ausprobieren, die sie sonst nicht ausprobiert hätten. So sind während der Corona-Krise etwa die Zahlen von Online-Yogakursen sprunghaft in die Höhe geschnellt, was ja auch komplett nachvollziehbar ist. So viel Zeit, so viel Stress und Weltangst, so wenig Bewegung: Da kommt ein Sport, der zugleich aktivieren und beruhigen soll, gerade recht.

Es ist zu hoffen, dass auch im Großraum Frankfurt vermehrt Menschen mit Yoga angefangen haben. Schließlich können die Effekte, die Yoga auf Körper und Geist haben soll – Ausgeglichenheit, Gelassenheit, Stressresistenz – auch in Zeiten der nun wieder startenden Bundesligasaison ausgesprochen hilfreich sein. Zumindest, wenn man Fan von Eintracht Frankfurt ist.

Einatmen, ausatmen, an etwas Schönes denken

Genau 36 Sekunden dauerte es im Spiel gegen Borussia Mönchengladbach, da stand es schon 0:1. Einatmen, ausatmen. An etwas Schönes denken, vielleicht ein Räucherstäbchen anzünden. Sich vergegenwärtigen, dass wir alle auf einem übergroßen Felsbrocken durch ein kaltes, leeres Universum fliegen, der in zehn Milliarden Jahren sowieso von einer explodierenden Sonne geschluckt werden wird. Was ist in diesem Kontext schon Fußball? Ein Stellungsfehler? Ein unfassbar unnötiges 0:1? Und gilt exzessives Kopfschütteln und sich dabei mit der flachen Hand vor die Stirn schlagen schon als Yoga?

Ach, bestimmt. Sechs Minuten später dann das 0:2. Buddha sagte: "Lerne loszulassen, es ist der Schlüssel zum Glück", und das gilt für den Fußball ja genauso wie für den Fernseher, den man wutentbrannt schüttelt und anschreit. Einatmen, ausatmen. An etwas Schönes denken, vielleicht dass man noch nie in Sandhausen oder Heidenheim war, und das könnte ja ganz nett sein dort. Buddha sagte schließlich auch: "Auch eine Reise über tausend Meilen beginnt mit einem Schritt“, und wenn die Reise, die nach Sandhausen führt, mit diversen falschen Schritten der Frankfurter Abwehrspieler beginnt, dann ist das eben so. Ommmmm!

Die "Schlafstellung des Yogi"

Wobei die Dinge ja vielleicht auch so gelagert sind, dass möglicherweise der ein oder andere Eintracht-Spieler in der Isolation einen Yoga-Kurs zu viel angesehen hat und sich im mucksmäuschenstillen Waldstadion zurück auf der heimischen Yogamatte sah. Schließlich gibt es Yoga-Übungen mit Namen wie die "Schlafstellung des Yogi", die "Totenstellung" oder den "Clown", die allesamt irgendwie auf die Darbietung der Eintracht in den ersten zehn Minuten zu passen scheinen. Stattdessen hätte man sich von der Offensive mal den "Pflug" gewünscht, den "Krieger" oder wenigstens den "liegenden Spagat", vielleicht als dreckig über die Torlinie gegrätschten Anschlusstreffer. Aber das sind freilich Yoga-Figuren für Fortgeschrittene, und so lang war die Corona-Pause ja nun auch nicht.

Am Samstag geht es für die Eintracht bei Bayern München weiter. Da bleibt für den geneigten Fan kaum Zeit für einen Yoga-Anfängerkurs. Übrigens: Während der Corona-Isolation sind auch die Absatzzahlen alkoholischer Getränke stark gestiegen. Nur so als Tipp für kommenden Samstag, 18.30 Uhr.