Ilsanker

Eintracht Frankfurt verliert beim FC Bayern München. Pech war das nicht, aber Reichs Resterampe weiß, warum die Niederlage trotzdem viel mit Pech zu tun hat.

An der Universität von Queensland in Brisbane gibt es das sogenannte Pechtropfenexperiment. Bei diesem Experiment, das bereits seit 1927 andauert, wird das Tropfverhalten von Pech untersucht. Ein scheinbar fester Klumpen Pech liegt dabei in einem Trichter, und alle Jubeljahre mal tropft tatsächlich ein Tropfen in ein Glas unter dem Trichter. Pech ist nämlich gar nicht fest, sondern superzäh, es dauert halt, bis es tropft, und entsprechend selten sind die Tropfen. Der erste fiel 1938, weitere folgten 1947, 1954, 1962, 1970, 1979, 1988, 2000 und 2014.

Ich bin ja kein Experte, aber um die Zähigkeit von Dingen zu messen, hätten die Wissenschaftler aus Brisbane in den letzten Jahren auch einfach die Auswärtsspiele von Eintracht Frankfurt beim FC Bayern München ansehen können. Kein Pechklumpen der Welt kann so selten tropfen, wie die Eintracht in München gewinnt, und jedes Mal, wenn die Paarung wieder ansteht, stelle ich mir wahrscheinlich die gleichen Fragen, die sich auch die bedauernswerte studentische Hilfskraft stellt, die ich mir mit Klemmbrett vor dem Pechtrichter sitzend vorstelle, stets wartend auf einen Tropfen, der nicht tropft: Was soll das? Was mache ich hier? Das bringt doch sowieso nichts.

Ab wann ist eine Klatsche eine Klatsche?

Was für ein Experiment. Das Tropfverhalten von Pech, ist das für irgendwen von Bedeutung? Und ob man beim FC Bayern nun fünf oder doch sechs oder an einem guten Tag nur drei Gegentore bekommt: Ist es nicht ebenso egal? Gegen die Bayern zu spielen wirkt zu Zeiten immer erdrückenderer Münchner Dominanz ja an sich schon wie ein Experiment. Ab wann ist eine Klatsche eine Klatsche? Warum ist Robert Lewandowski fest, wenn seine Ballan- und -mitnahme so flüssig ist? Und wie oft kann man Thomas Müller jubeln sehen, bevor man innerlich zerbricht?

Fragen über Fragen, deren Antworten für den deutschen Fußball von entscheidender Bedeutung sind. Der Titelkampf in der Bundesliga ist mittlerweile die einzige Sache auf der Welt, die noch langweiliger ist als das Pechtropfenexperiment. Die Bayern sind Klubs wie der Eintracht so weit enteilt, dass sich das nicht einmal mehr in Lichtjahren beziffern lässt. Und geht das so weiter, kann sich die DFL bald um die Übertragungsrechte der Webcam bemühen, die seit den Neunzigern vor dem Brisbaner Tropfen steht, weil es einfach spannender ist als die Bundesliga.

Erst drei Frankfurter Tropfen in München

Der Frankfurter Tropfen, um mal im Bild zu bleiben, ist in München in der Bundesliga übrigens überhaupt erst dreimal gefallen, 1966, 1976 und zuletzt 2000. Andere Zeiten waren das noch, als Fußball noch keine Wissenschaft, sondern ehrliches Handwerk war. Wer sich von dem Pechtropfenexperiment mal ein Bild machen will, auf der Homepage der Uni gibt es einen "Highlight"-Clip vom Fall des letzten Tropfens. Es ist wirklich unfassbar unspektakulär. Aber vielleicht ja doch eine lohnenswerte Alternative fürs nächste Auswärtsspiel der Eintracht in München.