Kevin Trapp

Eintracht Frankfurt verpennt den Start gegen Union Berlin. Reichs Resterampe reibt sich den Schlaf aus den Augen und versucht sich in Schlafforschung.

Vor einigen Jahren hatte ich mal einen wunderschönen Eintracht-Frankfurt-Traum. Ich fand mich im alten Waldstadion wieder, auf der Tartanbahn stehend, und wurde von einem unbestimmten Ballonseide-tragenden Trainer in ein Bundesligaspiel eingewechselt. Ich weiß nicht mehr, welche Volten mein Hirn schlug, dass es mich bis an diesen schönen Punkt träumen ließ, was davor oder danach geschah, aber ich erinnere mich genau an die paar Augenblicke auf dem Spielfeld. Es war sommerlich, ich bekam den Ball im Mittelfeld und spielte einen Schnittstellenpass auf Benjamin Huggel, den dieser zum 3:0 gegen einen namenlosen Gegner verwertete.

Hach, Schlaf. Eine tolle Erfindung, nicht wahr? Und das schreibe ich nicht nur, weil gerade Montagmorgen ist und sich jede Faser meines Körpers zurück ins Bett sehnt, sondern weil im Schlaf Dinge möglich sind, die ansonsten unmöglich sind. Etwa dass ein fußlahmer, rückengeschädigter Kolumnist euphorisiert durch seinen Traum rennt und neben Benjamin Huggel auf den Zaun vor der Fankurve klettert, um seine Freude über den ersten Bundesligaassist herauszuschreien.

Z-z-Zweikämpfe. Schnarch. Gähn.

Oder aber, dass man die ersten vier Minuten eines Bundesligaspiels verpennt und 0:2 gegen einen Gegner zurückliegt, den man ja eigentlich im Schlaf besiegen müsste. Man habe die ersten 20 Minuten verschlafen, meinte Martin Hinteregger nach dem 3:3 gegen Union Berlin folgerichtig, und dass man nicht in die Zweikämpfe gekommen sei. Z-z-Zweikämpfe. Schnarch. Gähn.

Schlafforscher sind sich einig, dass die Tiefschlafphase die wichtigste Schlafphase ist. Fußballtrainer sind sich einig, dass die Anfangsphase überaus wichtig ist. Das ist auf dem Fußballplatz natürlich schwer zusammenzubringen. Allerdings, obwohl man das annehmen könnte, waren die Frankfurter Spieler gar nicht in einer Tiefschlafphase. Etwa Kevin Trapp, der vor dem 0:1 den Ball fallen ließ. Man kennt ja dieses unkontrollierte Zucken, während man wegdöst. Das ist nichts anderes als das motorische Zentrum, das später herunterfährt als die anderen Bereiche des Gehirns. Trapp trifft also keine Schuld, das würde jeder Schlafforscher bestätigen.

20 Minuten Power Nap

Oder Martin Hinteregger. Wer hatte nicht schon einmal das Gefühl, während des Schlafes zu fallen oder zu stolpern? Das liegt am Gleichgewichtssinn im Innenohr, der Mühe hat, die Bewegungen im Traum mit dem reglosen, schlafenden Körper zusammenzubringen. Befindet man sich in so einem Moment zufällig im eigenen Sechzehner und stolpert in einen Zweikampf mit Taiwo Awoniyi, ist das natürlich Pech.

Immerhin: Der Schlaf der Frankfurter schien erholsam gewesen zu sein, denn nach 20 Minuten Schlummi, ein Power Nap sozusagen, fanden die Hessen zurück ins Spiel und drehten dieses sogar noch. Bis dann Max Kruse seinen Sonntagsschuss auspackte, quasi das fußballerische Äquivalent des alten Hand-in-warmes-Wasser-Tricks. Was will man da schon machen, außer sich zu ärgern?

Luzides Träumen als Lösung?

Übrigens: Es gibt Studien, die besagen, dass wer schlafen geht, nachdem er etwas Neues gelernt hat, davon profitiert. Schlaf helfe nämlich, das Gelernte besser im Gedächtnis zu behalten. Vielleicht ja ein Ansatzpunkt für Eintracht-Coach Adi Hütter, demnächst kurz vor den Spielen das Nicht-Einschlafen zu trainieren. Macht das Sinn? Nein? Man kann auch luzides Träumen üben, also die Fähigkeit, seine Träume bewusst zu steuern und dann, zum Beispiel, bewusst zu träumen, keinen Elfer zu verursachen. Ich liebäugele mit dem Gedanken, schließlich warte ich noch immer auf mein erstes Traum-Bundesligator.