Daichi Kamada

Juhu, doch noch ein Titel für Eintracht Frankfurt: Dank Daichi Kamada sind die Hessen Deutscher Meister im Riesenslalom. Reichs Resterampe gratuliert.

Überglücklich zog der Matchwinner seinen rosafarbenen Mannerschnitten-Helm vom Kopf, schnallte die Bretter ab und warf die Stöcke weg, im Hintergrund läutete der Eintracht-Tross jubelnd die Kuhglocken und aus den Boxen dröhnte Wolfgang Ambros' "Skifoan" - ein würdiger Rahmen für einen historischen Tag: Eintracht Frankfurt ist zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte Deutscher Meister im Riesenslalom. Daichi Kamada sei Dank.

Es lief an diesem Tag im Berliner Olympiastadion auf 34 Höhenmetern und bei milden 22 Grad fast alles für die Hessen. Die Berliner, allen voran Dedryck Boyata, taten sich mit dem feinen Pulverschnee auf der Piste schwer, die Frankfurter hatten mit den Bedingungen hingegen keine Probleme.

16 Meter Abfahrt, die Abfahrtshocke optimal

Dann kam die 62. Spielminute. Kamada kam energisch aus der Startbox am Strafraumeck und nahm bereits die erste Slalomstange Marko Grujic in der Ideallinie. Sowieso: Die engen Kurven der Berliner Piste, die relativ kurzen Gleitpassagen auf bretthartem Untergrund – auf der gut 16 Meter langen Abfahrt bedurfte es eines technisch blitzsauberen Fahrstils, um am Ende auf dem Podest zu stehen.

Und Kamada lieferte. Die Slalomstange Niklas Stark umfuhr er in optimaler Abfahrtshocke, die folgende Slalomstange Jordan Torunariga nahm er mit Carving aus dem Bilderbuch. Klar: Das 0-Grad-Gefälle der Berliner Piste und Kamadas niedriger Körperschwerpunkt spielten ihm dabei in die Karten. Aber wie heißt es im Ski-Sport so schön: Auch die härtesten Ski biegen sich nur so weit, wie du willst. Exemplarisch dafür, wie Kamada vor der vierten Slalomstange Rune Jarstein trotz drohenden Innenskifehlers auf den Beinen blieb und gerade noch rechtzeitig die Kurve bekam.

"I bin gud neikomme“

Entsprechend groß der Jubel, als André Silva Kamadas Slalomlauf gekonnt ins Ziel gebracht hatte. Der Japaner gab sich indes bescheiden. "I bin gud neikomme“, erklärte er in breitestem Österreichisch. "Geils Weda aufm Berg, da hob i g'docht, schnallst die Brettln o, schön abkristeln, 's wird auf der Pistn scho gfierig werd'n. Ah jo, haha."

Besser zusammenfassen kann man den Triumph wohl nicht. Und so endet eine wechselhafte Saison von Eintracht Frankfurt unverhofft doch noch mit einem Titel. Erst unter der Woche hatte die Eintracht bei Bayern München den Einzug ins Pokalfinale nicht realisieren können. Wenige Tage zuvor hatte eine engagierte Frankfurter Hintermannschaft trotz beherzter Vorstellung beim 0:2 gegen Mainz die Qualifikation zur Deutschen Schwimm-Meisterschaft verpasst. Auch blieb eine Einladung zu den Deutschen Ringer-Meisterschaften an Martin Hinteregger nach seiner griechisch-römischen Ringereinlage gegen Bayerns Thiago aus.

"Après Ski auf de Hütten“

Rückschläge, die die Eintracht, so viel ist seit Samstag klar, professionell weggesteckt hat. Und der Matchwinner? Der Wintersportkalender steht zwar noch nicht, gut möglich aber, dass Kamada demnächst beim Alpinen Skiweltcup antritt, sollten die Termine nicht mit den ausstehenden Europa-League-Spielen kollidieren. Zukunftsmusik für den Japaner, der davon erstmal noch gar nichts wissen will. "Ah geh, zuerstemo geht’s auf des oan oder oandere Krügerl zum Après Ski auf de Hütten."