Luka Jovic und Filip Kostic umarmen sich.

Eintracht Frankfurts Filip Kostic ist endlich wieder der alte. Reichs Resterampe weiß, was das mit Arie van Lent und Kängurulederschuhen zu tun hat.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Adi Hütter über Filip Kostic und Luka Jovic

Jubel Luka Jovic Filip Kostic Eintracht Frankfurt
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Während seiner Zeit bei Borussia Mönchengladbach hatte der ehemalige Eintracht-Stürmer Arie van Lent einst ein Problem. Van Lent, Mittelstürmer alter Schule, zeigte sich außerordentlich treffsicher, dann gingen ihm 2001 die Schuhe kaputt und weil er sich ja ohnehin neue besorgen musste, spendete er die alten der Gladbacher Weihnachtstombola, wo die kaputten Schlappen für einen guten Zweck versteigert wurden.

Wer kauft ein kaputtes, wahrscheinlich stinkendes Paar Fußballschuhe, mag man denken, mit dem Abrieb tausender Zweikämpfe darauf und einem – vielleicht – hartnäckigen Fußpilz darin? Aber das greift natürlich zu kurz. Van Lent hatte in den Schuhen, aus Känguruleder wohlgemerkt, 37 Mal getroffen und die Gladbacher zum Aufstieg geschossen. Und mit den neuen, so ist das nun mal, traf er einfach nicht mehr.

Serbokroatische Wohlfühloase

Fußballer sind abergläubisch, klar, sie müssen sich vor allem aber auch wohlfühlen, um ihre Leistung zu bringen. Und wenn die neuen Schuhe drücken, man zu viel über seine neuen bzw. alten Schuhe nachdenkt oder, wie im Falle von Filip Kostic, der beste Kumpel zu Real Madrid entschwunden ist, kann es schonmal holpern.

Kostic, da sind wir uns ja wohl einig, ist nämlich ein ganz fantastischer Fußballer. In den vergangenen Jahren wetzte er die linke Seite hoch und runter, dass man Angst haben musste, die Zuschauer in den ersten paar Reihen würden sich in seiner Zugluft ernsthaft erkälten. Seit dieser Saison aber läuft es nicht mehr so, und spätestens seit dem Abgang von Mijat Gacinovic zu Beginn der Saison hatte man das Gefühl, das habe irgendwie auch persönliche Gründe.

Der letzte der Eintracht-Ics

Rebic weg, Jovic weg, Gacinovic weg – von all den formidablen -Ics der Eintracht war Kostic plötzlich der letzte, seine Kumpels in der Welt verstreut. Aber Fußballer sind ja auch nur Menschen, keine Maschinen, auch wenn ich mir da bei Kostic, wenn ich ihn so die Linie runterjagen sehe, eigentlich gar nicht so sicher bin. Nun ist zumindest einer seiner Kumpels wieder da, Jovic nämlich, der sich einerseits selbst daranmacht, die gegnerischen Tornetze kaputtzuschießen. Andererseits aber vor allem für jene Nestwärme zu sorgen scheint, die aus dem guten Fußballer Filip Kostic einen herausragenden macht.

Vielleicht bin ich ein Fußballromantiker, aber ich finde es herzerwärmend, dass es so menschelt und eine Runde Eckfahnen-Golf nach dem Training und ein paar serbokroatische Frotzeleien eine derartige Wirkung haben können. Aber es ist ja so: Fühlt man sich wohl, in seinem Umfeld, seiner Haut, seinen eklig-speckigen Kängurulederschuhen, gehen einem die Dinge leichter von der Hand oder, wie bei Kostic in Bielefeld, die 30-Meter-Gewaltschüsse leichter vom Fuß und ins kurze Eck.

Finde die inneren Kängurulederschuhe

Wahrscheinlich muss man einfach seine inneren Kängurulederschuhe finden und anziehen, dann flutscht es. Und das gilt ja für jedweden Lebensbereich. Oder wäre diese Kolumne nicht viel geistreicher, würde ich sie in einem Massagesessel schreiben, während mir jemand mit ein paar netten Worten einen Gin Tonic reicht und mir alle paar Minuten aufmunternd auf die Schulter klopft? Wahrscheinlich schon. Vielleicht aber auch nicht. Wir werden es leider nie erfahren.

Känguruleder. Ob van Lent deswegen so kopfballstark war? Damals, 2001, bekam van Lent seine kaputten Schuhe übrigens wieder. Der Fan, der sie ersteigert hatte, schickte sie van Lent nach zahlreichen torlosen Spielen von sich aus wieder zurück, auf dass van Lent wieder treffen möge. Und na klar, im nächsten Spiel schoss van Lent einen Hattrick. Das hat Kostic übrigens noch nicht geschafft. Ob es an den Schuhen liegt?