Eintracht Tor

Manche Dinge sind unerklärlich. Das Universum etwa, oder Eintracht Frankfurts Transferstrategie. Reichs Resterampe geht den Rätseln des Kosmos auf den Grund.

Reichs Resterampe: Jeden Montag sinniert Eintracht-Experte Stephan Reich an dieser Stelle über Eintracht Frankfurt, den Fußball, das Leben und den ganzen restlichen Quatsch.

Immer wenn ich auf einschlägigen Transfernews-Seiten unterwegs bin, muss ich an Dunkle Materie denken. Astrophysikern zufolge macht Dunkle Materie etwa 23 Prozent des Universums aus. Sie ist das Pendant zur sichtbaren Materie und eine Art Kitt der Dinge. Das Problem ist: Man kann sie nicht sehen. Sie lässt sich nur mathematisch nachweisen, als Teil einer Gleichung, die nur Sinn macht, weil sie sonst keinen Sinn macht.

Ähnlich verhält es sich mit Eintracht Frankfurts Transferstrategie. Auch sie muss es irgendwo geben, sie ist ja belegbar an den harten Fakten, den Stefan Ilsankers und Erik Durms in der Frankfurter Gleichung, die mal 3-5-2, mal 4-4-2 heißt, oder wie am Wochenende in Düsseldorf 1:1 = 1. Und dennoch: Auch sie ist mitunter nicht sichtbar, erklärbar schonmal gar nicht. Selbst wenn man sich Tag für Tag mit ihr befasst, bleibt sie ein Mysterium.

Der Fußball, unendliche Weiten

Ich habe keinen Abschluss in Astrophysik und ein ordentliches Teleskop kann ich mir auch nicht leisten. Aber auf der rechten offensiven Außenbahn der Eintracht, erkennbar mit bloßem Auge, gibt es ein derart großes Vakuum, dass man zumindest einen Teil der dunklen Materie des Universums dort vermuten könnte.

Eine kalte, klaffende, unbewohnte Leere, in die die Frankfurter Defensivspieler immer mal wieder ihre Steilpässe schicken, wie unbemannte kleine Sonden, von denen sich Adi Hütter und Co. Rückschlüsse darauf erhoffen, ob es intelligentes, Flanken schlagendes Leben hinter der gegnerischen Abwehr gibt. Wird irgendwann, in Millionen von Jahren, eine fremdartige Kultur eines dieser unbekannten Flugobjekte entdecken? Eine Flanke damit schlagen gar?

Leerstelle in der Timothy-Chandler-Gleichung

Der Fußball, unendliche Weiten. Und so viele offene Fragen. Warum ist die Eintracht Galaxien von der letztjährigen Spielidee entfernt? Gibt es Leben im Scoutingbereich? Und welche kosmische Kraft hat die Verantwortlichen daran gehindert, einen Rechtsaußen zu holen? Derweil ziehen die Transferphasen vorüber wie jene Kometen, die alle Jubeljahre mal das Firmament erhellen. Früher lösten sie Hysterie und Panik aus. Heute bringen sie einen Sechser, den man kaum braucht, und vielleicht ist das ja irgendwie das gleiche.

Aber irgendwo muss er ja sein, der Rechtsaußen, das Universum ist schließlich 46.6 Milliarden Lichtjahre weit, und das in jede Richtung. Dunkles Spielermaterial quasi, eine Rakete namens Jacob Bruun Larsen oder Adnan Januzaj, deren Umlaufbahn sie weit von der Eintracht weggeführt hat, und deren Existenz sich nun nur als Leerstelle in jener Frankfurter Timothy-Chandler-Gleichung nachweisen lässt, nach der ein Rechtsverteidiger = ein Rechtsaußen ist. Bewiesen ist diese Rechnung trotz bereits zweier Chandler-Tore übrigens noch nicht. Aber das muss ja nichts heißen.