Borré

In letzter Sekunde verhindert der Effet des Balles den Sieg von Eintracht Frankfurt. Reichs Resterampe weiß, was daran Schuld ist: die verdammte Physik.

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Es hieß ja eine Weile lang, Roberto Carlos‘ legendäres Freistoßtor gegen Frankreich widerspreche den Gesetzen der Physik. Zur Erinnerung: Carlos, berühmt für einen linken Huf, auf den jeder Ackergaul neidisch gewesen wäre, prügel-drehte 1997 in einem Länderspiel einen Freistoß aus zentraler Position in einem unmöglich scheinenden Parabelflug um die Mauer und ins Eck des verdutzten Torwarts Fabien Barthez.

Nur: Wäre das Tor physikalisch wirklich unmöglich gewesen, wie wäre es dann möglich gewesen? Dachten sich auch ein paar französische Wissenschaftler, die 13 Jahre später (!) zu dem Schluss kamen, Carlos‘ Treffer sei ein Ergebnis des sogenannten Magnus-Effekts gewesen. Dieser bewirkt, dass ein Ball, der sich um die eigene Achse dreht, wegen der ungleichmäßigen Luftreibung zur Seite abgelenkt wird. Mh mh, so so.

Eine kosmische Eintracht-Ungerechtigkeit

Ich weiß nicht genau, was die französischen Forscher aktuell machen und ob sie die Spiele der Frankfurter Eintracht verfolgen. Ich hoffe es aber zumindest, denn dann liefern sie möglicherweise bald eine nüchterne physikalische Erklärung für diese kosmische Eintracht-Ungerechtigkeit nach, die in der 94. Minute des Spiels gegen Stuttgart passierte.

Zur Erinnerung, die zweite: Eine flache Hereingabe nagelte Rafael Borré Sekunden vor Schluss an die Unterkante der Latte, von dort sprang der Ball an den Rücken von VfB-Keeper Florian Müller, von dort in Richtung Tor, bevor er dann einfach so und scheinbar ohne Grund die Richtung wechselte und von der Linie zurück ins Feld sprang.

Physik als Zumutung

Ich muss ehrlich sagen, ich mag Physik nicht. In der Schule habe ich es in der Sekunde abgewählt, in der mir das möglich war, und im Alltag begegnet sie mir seither eigentlich nur als praktische Zumutung, etwa wenn ich morgens eine träge Masse aus dem Bett hieven muss oder mir das schmerzhaft ewige Warten auf den Telekom-Techniker mal wieder die Relativitätstheorie in Erinnerung ruft. Oder eben bei Spielen der Eintracht, wenn physikalische Unmöglichkeiten geschehen, die einen so bitter nötigen Heimsieg verhindern.

Ich schreibe bewusst "Unmöglichkeiten", weil mir noch niemand das Gegenteil bewiesen hat, auch kein französischer Wissenschaftler oder Wissenschaftlerin. Und der Magnus-Effekt kann es nicht gewesen sein, weil es in diesem Moment keine Luftreibung im Stadion gab. Es hielten ja alle die Luft an. Im Internet habe ich als Formel des Magnus-Effekts "d0/ds ~ w(s)/U(s) x 1/p" gefunden. Und das zumindest finde ich nachvollziehbar, denn das war in etwa das Geräusch, das ich dem Fernseher entgegenschrie, als der Ball zurück ins Feld sprang.

S(g)E × argh = ∞

Physik, eh? Man sieht sie nicht, aber sie ist trotzdem immer da. Und sieht man sie doch mal, wie am Sonntag in der 94. Minute, versteht man sie nicht und ärgert sich über sie. Der Naturforscher Alexander von Humboldt war der Meinung, jedes Naturgesetz, dass sich offenbart, auf ein höheres, noch unerkanntes schließen lässt. Bei der Eintracht könnte dies das Gesetz sein, dass die Menge an ärgerlichen Arten, ein Spiel nicht zu gewinnen, unendlich ist. S(g)E × argh = ∞, sozusagen. Und was soll man dazu noch sagen, außer vielleicht: d0/ds ~ w(s)/U(s) x 1/p.