Bas Dost VfL Wolfsburg

Eintracht Frankfurt gewinnt in Wolfsburg, das Sondereinsatzkommando Bas Dost hat großen Anteil daran. Reichs Resterampe weiß, was das alles mit Axel Kruse zu tun hat.

Reichs Resterampe: An dieser Stelle sinniert Eintracht-Experte Stephan Reich über Eintracht Frankfurt, den Fußball, das Leben und den ganzen restlichen Quatsch.

Axel Kruse, super Typ. Schon zu aktiven Zeiten war der Ex-Frankfurter ein Spieler der wunderbaren Fußballerkategorie "Verrückter Hund", was wohl auch dazu beitrug, dass Kruse nach der Karriere zum Footballer umschulte. Als sogenannter Kicker spielte Kruse vier Jahre für Berlin Thunder, erzielte 130 Punkte und gewann sogar zwei World Bowls. Seine Aufgabe bestand dabei einzig darin, einen ruhenden Ball zwischen die Torstangen zu kicken. "Ich habe zwar nicht so ganz genau gewusst, wie das Spiel funktioniert, aber ich wollte es ausprobieren", sagte Kruse 2019 dem "Ballesterer". "Und der Job selbst ist simpel. Da kannst du mich nachts um vier Uhr wecken, und ich schieß dir den Ball immer noch zwischen die Stangen."

Was für ein wunderbarer Job. Kruse lief aufs Feld, schoss, punktete und trabte wieder auf die Bank, mehr Hochleistungssport für Faule geht nicht. Kruse war damals übrigens nicht der einzige Fußballer, der nach der Laufbahn Football-Kicker wurde. Manni Burgsmüller gewann ebenfalls zweimal den World Bowl, auch er machte sich zunutze, dass die Kernkompetenz seines eigentlichen Sports in genau einer Situation eines ganz anderen Sports gefragt ist. Spezialisten eines Ein-Mann-Sondereinsatzkommandos, die es andersherum im Fußball so gar nicht gibt.

Das Dost-Kopfball-Sondereinsatzkommando

Oder etwa doch? Zumindest bei Eintracht Frankfurt hat man das Gefühl, dass es Spieler gibt, die genau für eine Sache da sind. Etwa Bas Dost. Der 2,83 Meter (geschätzt) große Holländer kam beim 2:1-Sieg der Eintracht in Wolfsburg für 13 Minuten zum Einsatz und hatte dabei genau neun Ballkontakte – alle mit dem Kopf. Dost, die Mensch gewordene Abrissbirne, stets bereit, seine Stirn in einen 80-Meter-Abschlag von Kevin Trapp zu halten oder sich in ein Kopfballduell mit dem 3,12 Meter (geschätzt) großen Anthony Brooks zu stürzen. Gegen Wolfsburg hatte man das Gefühl, man könne Dost einen vollen Bierkasten zuwerfen, er würde auch diesen entschlossen wegschädeln.

Und was soll man sagen, das Dost-Kopfball-Sondereinsatzkommando hat geklappt: Dem 2:1-Siegtreffer Daichi Kamadas ging ein wunderbarer Dost-Kopfball voraus, ein cleverer Assist, den andere nicht einmal mit dem Fuß hinbekommen hätten. Wozu dann also überhaupt den Fuß benutzen? Es klappte an diesem Tag ja so gut, Dost hätte wahrscheinlich auch einen Elfmeter per Flugkopfball geschossen, wäre er in eine solche Situation gekommen. Und natürlich hätte er souverän verwandelt.

Die Frankfurt Eagles im World-Bowl-Finale

Als damals Burgsmüller und Kruse plötzlich in Football machten, gab es eine halbherzige Debatte darüber, was der Fußball vielleicht vom Football lernen könne. Einstudierte Spielzüge aus dem Playbook, Experten für gewisse Spielsituationen, mit knapp 20 Jahren Verspätung scheint es, Eintracht Frankfurt habe sich das zu Herzen genommen. Auch Lucas Torro etwa machte am Samstag den Eindruck, er sei eher als Defensive Tackle aufs Feld geschickt worden, um möglichst viele Wolfsburger aus dem Spiel zu checken. Von Filip Kostic ganz zu schweigen, der in einem vorherigen Leben wahrscheinlich sowieso als Wide Receiver durch die NFL sprintete.

Die Frankfurt Eagles, raus aus dem Abstiegskampf, rein ins World-Bowl-Finale. Angeführt von Bas Dost, dem einzigen Profifußballer, der seine Füße eigentlich nicht braucht. Im Football darf übrigens nur der Kicker den Ball schießen, absichtliches Kicken der anderen Spieler wird bestraft. Immerhin, und gut für Dost: Einschränkende Regeln für Kopfbälle, so zumindest das Ergebnis einer Kurzrecheche, gibt es im American Football keine.