Der Videowürfel bei der Frankfurter Eintracht.

Eintracht Frankfurt hatte zuletzt mehrmals Pech mit dem Videoschiedsrichter. Reichs Resterampe weiß, warum das nicht nur ärgerlich, sondern ärgerlich-ärgerlich ist.

Manche Dinge verstehe ich einfach nicht, zum Beispiel Küchenrolle. An sich ein tolles Prinzip, saugstark, praktisch, aber dann kam irgendjemand und dachte sich: Die perfekt für ihren Zweck geeigneten Küchenrollenquadrate könnte man doch nochmal halbieren. Was dazu führte, dass die Küchenrollenabschnitte in ihrer neuen Form viel zu klein, unhandlich, kurz: unpraktisch sind. Ein klassischer Fall von Verschlimmbesserung.

In letzter Zeit muss ich immer mal wieder an Küchenrollen denken, wenn ich die Spiele von Eintracht Frankfurt sehe. Ich weiß ja nicht, wer derjenige ist, der aus einem praktischen Haushaltutensil eine Aneinanderreihung unbrauchbarer Zellstoffläppchen gemacht hat, aber er oder sie hat sicherlich große Freude am Videoschiedsrichter. Einst eingeführt, um mehr Gerechtigkeit zu garantieren, ist der VAR in der Praxis die schnellste Möglichkeit, sich ein Magengeschwür heranzuzüchten. Ein steter Quell des Ärgers, eine klassische Verschlimmbesserung.

Luka Jovics Hacke klar im Milimeter-Abseits

Zu sehen war das erneut im Spiel von Eintracht Frankfurt am Samstag gegen Stuttgart. Der wichtige Führungstreffer von Filip Kostic wurde zurückgenommen, weil Luka Jovics Hacke etwa sieben Ballkontakte zuvor knapp einen Millimeter näher zum Tor stand als die Schulter seines Gegenspielers. Und wisch und weg war die Eintracht-Führung. Genau jener Millimeter übrigens, der in der Vorwoche noch für Bremens Josh Sargent ausreichte, gegen die Eintracht ein blitzsauberes Tor zu erzielen, wenngleich jeder Blinde sehen konnte, dass Sargent klar im Abs-, ach, lassen wir das.

Klar, Abseits ist Abseits. Aber Fußball, finde ich, wird so zur Haarspalterei. Ich warte auf den Tag, an dem ein Tor der Eintracht zurückgenommen wird, weil André Silvas Großonkel vor 37 Jahren in einem Spiel der Alten Herren des FC Porto mit dem linken Zwirbel seines Schnauzbartes näher am Tor war als der letzte Gegenspieler. Oder der nächste Treffer von Kostic auch nicht zählt, weil die Bilder des VAR zweifelsfrei beweisen, dass Kostic vor ein paar Wochen auf dem Heimweg vom Training kurz an Abseits gedacht hat.

Jetzt gibt es sogar Fehlentscheidungs-Fehlentscheidungen

Da ist mir eine zünftige Fehlentscheidung lieber als fünf Minuten lang Fußballern beim ratlosen Dreinblicken und Frieren zuzugucken, nur damit man sich dann trotzdem über eine Fehlentscheidung ärgert, weil im Kölner Keller direkt die nächste getroffen wurde. Oder wo waren die Videoschiris, als Alphonso Davies Ragnar Ache im Münchner Strafraum Beinchen stellte? Blumen gießen? Kurz beim Kiosk? Auf Klo? Dank des VAR haben wir jetzt also nicht mehr nur Fehlentscheidungen, sondern auch noch Fehlentscheidungs-Fehlentscheidungen. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern ärgerlich-ärgerlich.

Nun könnte man anführen, dass wer sich leidenschaftlich über Küchenrolle aufregen kann, den Fehler vielleicht bei sich suchen sollte und ganz andere Probleme hat. Auch soll natürlich nicht unerwähnt bleiben, dass der VAR manchmal auch gute Entscheidungen trifft, die absolut nachvollziehbar sind, etwa in gewissen 95. Minuten gewisser Pokalfinals. Aber ansonsten? Schwierig. Ärgerlich. Ärgerlich-ärgerlich.

Eine Kolumne im Abseits

Und viele andere Dinge auch noch. Die kann ich an dieser Stelle aber nicht aufschreiben, sonst wird die Kolumne zu lang und steht knapp im Abseits. Und dann wird Kostics Siegtreffer gegen Leipzig am kommenden Sonntag möglicherweise zurückgepfiffen.