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Eintracht-Legende Karl-Heinz Körbel hat Trainingslager erlebt wie andere Arbeitnehmer Betriebsausflüge. Die Reise der Frankfurter nach Florida hat bei ihm aber besonderen Eindruck hinterlassen und ist Grund für reichlich Optimismus.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Körbel: "Ich habe ein gutes Gefühl"

Charly Körbel
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Optimismus ist eines jener Gefühle, das zu Beginn eines neuen Jahres weit verbreitet ist – sei es bei der Neuanmeldung im Fitnessstudio, dem Start in eine strenge Diät oder eben bei der Frankfurter Eintracht vor dem Rückrundenstart am Samstag gegen die TSG Hoffenheim (15.30 Uhr). Während bei Trainer und Spielern im Trainingslager in Florida geschäftige Konzentration herrscht, angesichts der Niederlagenserie zuletzt vor allem aber nüchterner Realismus angesagt war, stellt sich bei Eintracht-Legende Karl-Heinz Körbel wenige Tage vor der ersten Partie 2020 genau dieses Gefühl ein: Optimismus. "Ich habe ein gutes Gefühl", sagte er am Dienstag im Gespräch mit dem hr-sport.

Gespräche und das gute Gefühl

Dieses gute Gefühl hat Körbel aus Florida mitgebracht. Er habe in den acht Tagen im Trainingslager ein Gefühl für das Team bekommen, für den Zusammenhalt und das, was die Mannschaft ausmacht. "Der Umgang ist überragend", so Körbel. "Da ist nicht über Krise gesprochen worden." Das heiße aber nicht, dass die Spieler die aktuelle Lage ausgeklammert hätten. "Die Probleme wurden angesprochen. Das hat der Trainer überragend gemacht. Auch Fredi Bobic hat auf die Mannschaft eingewirkt."

Der Stimmung im Team habe das indes keinen Abbruch getan. "Was ich festgestellt habe: Wir haben wieder Freude. Da ist vom Kopf her wieder Spaß", so der 65-Jährige. "Es war alles relativ locker – aber: Wir brauchen Punkte, da führt kein Weg dran vorbei." In der Hinrunde habe sich die Auswahl von Trainer Adi Hütter bisweilen selbst im  Weg gestanden. "Wir haben uns auch teilweise selbst geschlagen - allein durch die Roten Karten. Das Spiel in Mainz dürfen wir eigentlich nicht verlieren", findet der treue Charly.

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Eintracht Adi Hütter HR still
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Leere Akkus, hohe Erwartungen

Und dann sei da ja auch noch die Erwartungshaltung, die in Frankfurt in den vergangenen Jahren gestiegen sei. Das Umfeld, die Fans, der Verein – sie alle träumen inzwischen mehr von rauschenden Pokalnächten und packenden Bundesliga-Partien als von torlosen Unentschieden und eher magerer Fußballkost. "Zweieinhalb Jahre lang lief die Maschinerie Eintracht. Da haben wir alle gesagt: Wo geht dieser Weg hin? Wir haben gewonnen, hatten die Euphorie der Europa League, die war kaum zu bremsen", so Körbel.

Und diese "Maschinerie" hatte Folgen: "Irgendwann haben wir gemerkt: Bei einigen aus der Mannschaft ist der Akku leer", verriet er. Genau den sollten die Spieler unter der Sonne Floridas wieder auffüllen, Wärme tanken, zurück zu alter Stärke finden. Glaubt man Sebastian Rode hat allein die tägliche Dosis Sonne dem Team gut getan. "Sie ist Balsam für die Seele", betonte der 29-Jährige.

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Rode Stand
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Abstiegskampf droht

Das sei aber nicht alles. Auch einzelne Spieler machen einen Unterschied, glaubt Körbel. "Dass Kevin Trapp wieder da ist, das merkst du auch auf dem Platz. Das wird uns sicher einen Schub geben." Der Gewinner der Einheiten in Florida ist für Körbel dennoch ein Anderer: Timothy Chandler. "Er hat ein überragendes Trainingslager abgeliefert. Man sieht, dass wir wieder Alternativen haben."

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Stand Trapp
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Die werden die Frankfurter auch brauchen. Mit dem Auftakt gegen Hoffenheim, den Heimspielen gegen Leipzig in der Bundesliga und im Pokal warten schwere Gegner auf die Eintracht. Oder wie Bundesliga-Rekordspieler Körbel es ausdrückt: "Es geht knallhart los. Wir müssen sofort da sein und auch die Frische muss da sein." Denn sollte die Eintracht nicht endlich wieder einen Sieg einfahren und die Niederlagenserie stoppen, ist die Realität bald eine andere. "Dann stecken wir richtig im Abstiegskampf", so Körbel. Bis dahin herrscht aber erst einmal Optimismus.