Eintracht-Trainer Oliver Glasner spricht häufiger mit Luca Pellegrini.

Luca Pellegrini ist im ersten Halbjahr bei Eintracht Frankfurt noch nicht angekommen. Nach einem Zwist mit Trainer Oliver Glasner steht der Italiener unter Druck - auch weil die Konkurrenz überzeugt.

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Christopher Lenz: "Gibt immer eine offene Aussprache"

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Die Reise von Eintracht Frankfurt nach Japan hatte eine Geschichte parat, die zunächst für Beobachter keine nähere Bedeutung zu haben schien. Im zweiten Duell gegen Gamba Osaka tauchte ein Name nicht auf dem Aufstellungsbogen auf: Luca Pellegrini.

In Japan gab es einen "Denkzettel" für Pellegrini

Angeschlagen? Belastungssteuerung? In diesem Fall hatte die Maßnahme von Trainer Oliver Glasner nach Informationen des hr-sport den Charakter eines Denkzettels. Es kam im Rahmen der Reise zuvor zu einem heftigen Disput zwischen Spieler und Coach.

Der Auftritt Pellegrinis bei der Niederlage gegen die Urawa Red Diamonds missfiel dem ehrgeizigen Trainer. Glasner legt auch in diesen Testspielen gesteigerten Wert auf taktische Disziplin und Lernbereitschaft. Pellegrini ließ diese Eigenschaften nicht zum ersten Mal vermissen. Immerhin: Der Spieler setzte sich während der Partie auf die Tribüne, ging nicht in die Schmollecke und sendete damit ein positives Signal.

Eintracht-Leihe geht noch nicht auf

Die Erwartungen an diesen Deal waren im vergangenen Sommer dennoch ganz andere. Pellegrini kam rund um den Abgang von Filip Kostic als Leihgabe von Juventus Turin an den Main. Er sehe diese Zeit "nicht als Urlaubsjahr", hatte der 23-Jährige bei seiner Antritts-Pressekonferenz noch gesagt.

Doch schnell wurde sichtbar, wie groß die körperlichen Defizite bei dem angedachten Kostic-Ersatz waren. Die Luft reichte nur selten für 90 Minuten, zeitweise fehlte Pellegrini angeschlagen, fand dadurch nicht seinen Rhythmus. Mit Ausnahme einiger gefährlicher Standardsituationen - die allerdings nicht zu Toren führten - sprang bei den Offensivbemühungen zu wenig heraus. So richtig angekommen in der Mainmetropole ist Pellegrini noch nicht.

Krösche und Glasner nehmen Wind aus den Segeln

Gerüchte, wonach die bislang enttäuschend verlaufende Leihe im Winter aufgelöst werden könnte, dementierte Sportvorstand Markus Krösche im Wiesbadener Kurier. Es gebe immer mal wieder Meinungsverschiedenheiten. "Das sollte man nicht zu hoch hängen."

Glasner selbst sagte über die Spekulationen, dass Pellegrini nach wenigen Monaten bereits sofort wieder gehen könnte: “Luca war im Training da. Es kommt häufiger vor, dass der Trainer lauter wird, wenn er nicht zufrieden ist. Das hat Pellegrini auch im Training schon erlebt und das kann auch bei einem Spiel passieren.”

Dennoch: Causa Pellegrini wirft Fragen auf

Mitspieler und Konkurrent Christopher Lenz reagierte ähnlich gelassen: "Grundsätzlich sind Emotionen im Fußball gut und wichtig. Man sollte allerdings drauf achten, wie man seine Worte rüberbringt. Es gibt danach aber immer eine offene, klärende Aussprache." Pellegrini wurden somit alle Türen geöffnet.

Dennoch gibt es Fragen: War die Eintracht im Sommer tatsächlich gut auf einen Kostic-Abgang vorbereitet? Ist Pellegrini bereit, über die Grenzen zu gehen und das robuste Spiel in der Bundesliga anzunehmen? Hatte Sportvorstand Krösche die Erwartungen zu hochgeschraubt, als er die Flexibilität des Spielers rühmte? Und passt die Spielweise des Italieners zum Power-Fußball von Glasner?

Pellegrini wird sich deutlich steigern müssen

Pellegrini hat es noch selbst in der Hand, wie seine Zeit bei der Eintracht bewertet wird. Sollte sich der Linksaußen nicht deutlich steigern und die Kritik von Glasner nicht annehmen, wird er aber keine Spuren am Main hinterlassen. Nur in acht seiner 14 Einsätze stand Pellegrini in der Startelf, dreimal verbrachte er die gesamte Dauer auf dem Platz. Immerhin: Die ersten Eindrücke nach der Rückkehr aus Japan machen Mut.

In den Übungseinheiten zeigte sich Pellegrini äußerst engagiert, traf beim Kleinfeldspiel auch das Tor. Ist die letzte Mahnung angekommen? Glasner hofft darauf. Der Österreicher befindet sich in einer komfortablen Situation. Denn die Pellegrini-Konkurrenten schlafen nicht.

Die Konkurrenz überzeugte vor der Pause

Lenz hatte vor seiner Verletzungspause überzeugt, Ansgar Knauff bildete mit Junior Dina Ebimbe eine pfeilschnelle und brandgefährliche Flügelzange. Dennoch warten im kommenden halben Jahr mindestens 22 Pflichtspiele in Liga, DFB-Pokal und Champions League auf die Hessen. Wie oft Pellegrini mitwirken darf, liegt auch an ihm. Einen Auftritt wie gegen die Red Diamonds sollte er dabei allerdings nicht mehr hinlegen.