Thomas Broich

Im Eintracht-Leistungszentrum am Riederwald läuft einiges schief. Fachleute werden verjagt, NLZ-Boss Andreas Möller wirkt überfordert, nun schmeißen Thomas Broich und Jerome Polenz hin. Dabei hatten sie große Pläne.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Thomas Broich und Jérôme Polenz verlassen die Eintracht

Thomas Broich
Ende des Audiobeitrags

Das Bild der Eintracht passt sich in diesen Tagen dem Wetter in Hessen perfekt an: ein Tief jagt das andere. Kaum stehen die heftigen sportlichen und atmosphärischen Kapriolen nach dem verpassten Champions-League-Traum der Bundesliga-Profis vor dem ersehnten Saisonende, da zieht schon der nächste Sturm auf.

Die Schlechtwetterfront ist weitergezogen, gar nicht weit, nur ein paar Kilometer, vom Süden der Stadt hinüber in den Osten: von der Geschäftsstelle der Profis ins Nachwuchsleistungszentrum am Riederwald. Und es sieht nicht danach aus, als sollte dieser Sturm zeitnah weiterziehen. 

Ein krachend gescheitertes Projekt

Die Kündigung der C-Jugendtrainer Thomas Broich und Jérôme Polenz ist der nächste Tiefschlag im Eintracht-Kosmos. Zwei Ex-Profis, auf denen große Hoffnungen ruhten. Charismatische Typen, gute Jungs, greifbare und fachkundige Charaktere, die ihr Wissen inzwischen sogar als ARD-Taktik-Experten in Radio und Fernsehen unter Beweis stellen. Und die den dringend benötigten frischen Wind ins Nachwuchsleistungszentrum bringen sollten. Dieses Projekt ist vorbei, krachend gescheitert, nach nicht einmal einem Jahr.

Es ist der negative Höhepunkt einer Entwicklung, die nicht wenige Mitarbeiter am Riederwald nach Informationen des hr-Sport in diesen Tagen fassungslos zurücklässt. Die Atmosphäre ist eisig. Und die Angst, das Projekt mit Vollgas gegen die Wand zu fahren, überall spür- und greifbar.

Andreas Möller ist heillos überfordert

Seit fast anderthalb Jahren hat Andreas Möller am Riederwald das Sagen. Fredi Bobic, der scheidende Sportvorstand der Fußball AG, installierte den Weltmeister von 1990 auf dem Posten des NLZ-Leiters. Möllers Bilanz ist in vielerlei Hinsicht ernüchternd.

Zwar tritt der gebürtige Frankfurter stets freundlich auf, allerdings hinkt Möller inhaltlich dem zeitgemäßen Anforderungsprofil seines Postens meilenweit hinterher. Eine moderne Spielkonzeption hält er für überbewertet, bei Entscheidungsfindungen soll er derart naiv und unbeholfen auftreten, dass oft Holger Müller am Ende die Entscheidungen treffen muss. Müller ist Nachwuchskoordinator, und bekleidet diesen Posten seit einer gefühlten Ewigkeit - ohne allzu großen Erfolg. Dass kaum ein Talent in Frankfurt den Sprung von den Junioren zu den Profis schafft, ist ein hausgemachtes Problem.

Die Fachleute verjagt oder kaltgestellt

Ein talentierter Nachwuchstrainer wie Jan Fießer, der über eine hohe Sozialkompetenz verfügt und fachlich am Puls der Zeit ist, wurde verjagt. Fießer steht als Co-Trainer von Vitesse Arnheim gerade vor dem sensationellen Einzug in den Europapokal. Matthias Borst und Steffen Haas, intern hoch angesehen und zuständig für die Spielkonzeption, wurden von Möller kaltgestellt.

Der langjährige Möller-Weggefährte Ervin Skela dagegen wurde direkt als Trainer der U17 Bundesliga-Junioren installiert, als Nachfolger des beliebten Sandro Stuppia. Selbst der nach außen als Beförderung vermarktete Wechsel von Fußballgott und Vereinsikone Alex Meier ins Trainerteam der U19 ist auf inhaltliche Spannungen zurückzuführen.

Mit dem Frust nicht allein

Thomas Broich und Jérôme Polenz dagegen hatten Lust auf das Projekt Eintracht. Neben Motivation, Innovation und Empathie brachten sie auch eine Vision mit: Broich träumte davon, in Frankfurt ein zukunftsweisendes Leistungszentrum aufzubauen. Talente binden, über eine offensive Spielidee von klein auf eine Identifikation mit dem Klub schaffen - und mit spielstarken Jugendteams eine höhere Durchlässigkeit zur Profiabteilung zu generieren.

Am Riederwald sahen viele ihn ihm nicht nur den richtigen Mann dafür - sondern auch den logischen neuen Leiter des Nachwuchsleistungszentrums. Dass Broich und Polenz jetzt freiwillig hinwerfen zeigt, wie groß ihr Frust sein muss. Damit sind sie am Riederwald nicht allein.