Die Spieler von Borussia Dortmund bejubeln den Siegtreffer, Filip Kostic schaut machtlos zu.

Eintracht Frankfurt und Borussia Dortmund liefern sich ein Spitzenspiel, am Ende stehen die Hessen allerdings mit leeren Händen da. Die Analyse in fünf Punkten.

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Oliver Glasner
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Eintracht Frankfurt ist mit einer Niederlage ins neue Jahr gestartet: Gegen Borussia Dortmund gab es trotz 2:0-Führung ein 2:3. Beide Tore für die Eintracht erzielte Rafael Borré (15./24.), für Dortmund trafen Thorgan Hazard (71.), Jude Bellingham (86.) und Mahmoud Dahoud (89.).

1. Corona wirbelt den Kader durcheinander

Wie bei vielen Vereinen schlug bei Eintracht Frankfurt im Vorfeld der Partie gegen den BVB das Coronavirus zu. Kurios: Jesper Lindström, eigentlich bereits als Ausfall vermeldet, stand am Samstag nach mehreren negativen Tests doch auf dem Platz. Verzichten musste Trainer Oliver Glasner hingegen auf Danny da Costa sowie die neu hinzugekommenen Verdachtsfälle Djibril Sow, Almamy Touré und Erik Durm.

Geimsam mit den anderen Ausfällen Jens Petter Hauge, Christopher Lenz (beide verletzt) und Aymen Barkok (beim Afrika-Cup) bekam die Eintracht nicht mal einen kompletten Spieltagskader zusammen - zwei Plätze auf der Ersatzbank blieben leer. Womöglich ein Vorgeschmack auf das, was der Eintracht und vielen anderen Vereinen in den kommenden Wochen mit weiteren Corona-Ausfällen blühen könnte.

2. Schlechter Start - aber dann!

In den ersten Minuten des Spiels konnte einem Angst und Bange um die Eintracht werden. Borussia Dortmund erdrückte die Frankfurter regelrecht, viele Bälle gingen bereits in der eigenen Hälfte wieder verloren. Alleine Torhüter Kevin Trapp und seiner sensationellen Parade gegen Thomas Meunier in der 2. Minute war es zu verdanken, dass das Team nicht früh in Rückstand geriet. "Wir sind schwer ins Spiel gekommen", analysierte auch Glasner nach der Partie.

Nach 15 Minuten stellten die Hausherren das Spiel jedoch auf den Kopf: Borré traf nach einer Freistoß-Flanke von Filip Kostic gegen den unglücklich agierenden BVB-Keeper Kobel und legte knapp zehn Minuten später aus dem Gewühl sogar noch das 2:0 nach, das sich die Frankfurter durch ein starkes Spiel dann auch nachträglich verdienten. Dass durch einen Pfostenschuss von Evan N'Dicka (29.) sowie kurz nach der Halbzeit durch eine wunderschöne Einzelaktion von Jesper Lindström nicht weitere Tore fielen, war zu diesem Zeitpunkt bloß ein Schönheitsfehler - der sich allerdings später noch rächen sollte.

3. Borré wird zum Knipser

Doch zunächst ein Blick auf den Eintracht-Torschützen: Borré erzielte gegen Dortmund seinen ersten Bundesliga-Doppelpack. "Er war sehr kaltblütig", lobte sein Trainer die Abschlussstärke des Kolumbianers, dem er nach zahlreichen Reisestrapazen in der Hinrunde einige Tage Extra-Urlaub gegönnt hatte. "Das hat offenbar seine Wirkung gezeigt."

Die neue gewonnenen Knipser-Qualitäten von Borré dürfen die Eintracht aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass auf der Mittelstürmer-Position dringend Handlungsbedarf besteht. Sam Lammers, der eigentlich genau dieser Zielspieler sein sollte, agierte nach seiner Einwechslung einmal mehr unglücklich und Goncalo Paciencia, der erneut nur wenige Spielminuten bekam, scheint bei Glasner auch nicht allzu hoch im Kurs zu stehen.

4. Dieses Mal kein Happy End

In der Hinrunde war die Eintracht das Last-Minute-Team schlechthin und krallte sich reihenweise Punkte durch späte Tore. Dieses Mal war es der BVB, der den Hessen den Erfolg noch aus den Händen riss. "Wir haben zu sehr verwaltet", sagte Glasner im Anschluss. Ein Bruch kam außerdem ins Eintracht-Spiel, als die agilen Lindström und Sebastian Rode nach 65 Minuten ausgewechselt wurden. "Sie waren einfach platt", erklärte der Coach. "Komplett kopflos" fand Eintracht-Spieler Timothy Chandler sein Team gar in der zweiten Hälfte.

Die Dortmunder dagegen gewannen nach dem 1:2 von Hazard 20 Minuten vor Schluss wieder Zuversicht, Bellingham und Dahoud waren in den letzten Minuten konzentriert und zielstrebig und bei der Eintracht rächten sich Passivität und die bereits angesprochenen vergebenen Großchancen. Und während sonst häufig eine Eintracht-Jubeltraube in der Nachspielzeit zu sehen war, feierte dieses Mal BVB-Stürmer Erling Haaland herausgeholte Eckbälle, die seinem Team wertvolle Zeit einbrachten, wie Tore.

"Uns ging am Ende ein bisschen die Puste aus", beschrieb es Rode, der von außen zusehen musste, wie seinen Kollegen der Punktgewinn noch aus den Fingern glitt. "Mit Fans, glaube ich, hätten wir das geschafft, das hätte uns noch mal mehr Power gegeben", so Rodes These. Denn wegen verschärften Corona-Bedingungen waren nur 250 Menschen in der rund 50.000 Fans fassenden Arena, die in einer solchen Schlussphase mit Sicherheit zum Hexenkessel geworden wäre.

5. Wohin geht es?

Vor der kurzen Weihnachtspause war die Eintracht in der Bundesliga schier unaufhaltsam unterwegs. Gibt es durch die Niederlage nun einen Bruch? "Manchmal muss man einen harten Nackenschlag hinnehmen, um dann wieder den nächsten Schritt nach vorne gehen zu können", gibt sich Glasner kämpferisch. "Ich habe da heute ein absolutes Spitzenspiel gesehen." Ein Spitzenspiel, in dem Eintracht Frankfurt um ein Haar etwas Zählbares mitgenommen hätte.

Selbst BVB-Trainer Marco Rose zeigte sich nach Abpfiff bei Sky erleichtert darüber, einen größeren Vorsprung auf die Frankfurter herausgespielt zu haben - bei einem Sieg der Hessen hätte dieser für den aktuell Tabellenzweiten nur noch vier Punkte betragen. Stattdessen sind die Frankfurter nun aus den Europapokal-Plätzen rausgefallen - dabei hätten sie das Unentschieden von Bayer Leverkusen und Union Berlin für den Sprung auf Platz fünf nutzen können. Die nächste Chance auf drei Punkte gibt es für die Eintracht am kommenden Sonntag (15.30 Uhr) in der Partie beim FC Augsburg.