Eintracht Frankfurt Union Berlin

Leere Kurve, leere Hände: Ohne die gewohnte Fan-Unterstützung liefert Eintracht Frankfurt ein enttäuschendes Montagsspiel gegen Union Berlin ab. Zumindest für die Europa League könnte das späte Erwachen aber gerade noch rechtzeitig gekommen sein. Die Analyse in fünf Punkten.

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Die rauschenden Fußball-Feste in der Arena von Eintracht Frankfurt sind zumindest vorerst unterbrochen. Nach zuletzt vier teils deutlichen Pflichtspiel-Siegen verlor die Mannschaft von Trainer Adi Hütter das Montagsspiel des 23. Bundesliga-Spieltags gegen den 1. FC Union Berlin mit 1:2 (0:0). Sebastian Andersson (49. Spielminute) und ein Eigentor durch Evan N’Dicka (67.) brachten den Aufsteiger in der zweiten Halbzeit auf Kurs. André Silva konnte nur noch verkürzen (79.).

1. Montags hapert es bei Eintracht Frankfurt an der Kommunikation

Sich verwundert die Augen reiben, die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, mit offenem Mund und regungslos dasitzen: Wer es mit dem Pokalsieger von 2018 hält, hatte verschiedene Möglichkeiten, auf die wichtigste Szene der 49. Minute zu reagieren. Das Berliner Führungstor durch Andersson, das die Gäste kurz nach dem Seitenwechsel und einem bis dahin engagierten Auftritt verdientermaßen in Führung brachte, nötigte selbst Adi Hütter das deutlich formulierte Fazit ab: "Verständnis habe ich keines."

Bei einem gemütlich Richtung Grundlinie kullernden Ball wähnten sich die Frankfurter Abwehrspieler Erik Durm und David Abraham auch deshalb in Sicherheit, weil mit Schlussmann Kevin Trapp ein erfahrener Torwart zwischen den Pfosten steht, der die Situation in letzter Instanz hätte bereinigen können. Da sich aber keiner der drei Profis ausreichend zuständig fühlte, sprintete stattdessen das Berliner Schlitzohr Christopher Lenz dem Leder hinterher und bediente den in der Mitte lauernden Andersson. "Drei Spieler, aber keine Kommunikation", monierte Hütter. "Das hat uns auf die schiefe Ebene gebracht."

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2. Montags fehlt es an der Körperspannung

Vielleicht wäre diese Ebene ja gar nicht so schief gewesen, hätte die Eintracht in den ersten 65 Minuten ihr Europa-League- und nicht ihr jüngstes Bundesliga-Gesicht gezeigt. Das Problem: An eine nahtlose Fortsetzung der Leistung vom 4:1-Heimsieg gegen Salzburg war, selbst unter dem oft beschworenen Einfluss des Heimspiel-Flutlichts, erst in der wesentlich besseren Schlussphase zu denken. Eine geringere Zweikampfquoute (48 Prozent) sowie eine geringere Laufleistung als der Gegner (115,9 zu 121,4 km) deuten allerdings an, warum Frankfurt dieses Spiel verloren hat. "Ich weiß nicht, warum die Körperspannung gefehlt hat", rätselte Trapp. 

Der Keeper war auch beim zweiten Gegentor mittendrin, als sich zur mangelnden Spannung auch noch unglückliche und spielentscheidende Aktionen gesellten. Eine Hereingabe des eingewechselten Marcus Ingvartsen bekam Trapp nicht zu fassen, stattdessen wehrte er den Ball so nach vorne ab, dass Andersson-Bewacher N'Dicka gar keine andere Wahl hatte, als ihn ins eigene Tor zu stolpern (67.). Eine Fehlerkette, die bereits vor dem Strafraum ihren Anfang genommen hatte, weil die Hausherren ihre Gäste nicht entscheidend am Spielaufbau hinderten – und die die Eisernen zu einer in diesem Moment komfortablen 2:0-Führung verhalf.

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3. Montags-Proteste sind spürbare Proteste

Keine Fahnen, keine Banner, die für den gewohnten Anblick eines Stadions sorgen. Kein Wummern in den Ohren, das sonst durch zahlreiche Vereinsyhmnen aus den Lautsprechern, durch Trommeln, Klatschen und Fangesänge unvermeidbar ist. Kein Polizeichor, kein Jürgen Grabowski im Endspiel, kein konzertiertes Zelebrieren der Mannschaftsaufstellung. In den letzten Minuten vor dem Anpfiff deutete nur wenig Gelerntes daraufhin, dass um 20.30 Uhr ein handelsübliches Bundesliga-Heimspiel von Eintracht Frankfurt beginnen sollte. Ein höchst bizarres Gefühl.

Vermutlich ist es genau das, was die aktive Fanszene mit ihrem erneuten Protest gegen ein erneutes Montagsspiel erreichen wollte. Der komplette Unterrang der Nordwestkurve – und damit der komplette Stehplatzbereich – war wie angekündigt leergeblieben. Hier und da zeugten Plakatbotschaften vom Unmut der treuen Anhänger, die die Partie aus lauter Frust über eine ihrer Meinung nach fanunfreundliche Spielplangestaltung lieber vor einem TV-Bildschirm ihrer Wahl verfolgten. Auch die sonst in Stein gemeißelte Playlist offenbarte gewissermaßen Solidarität, statt der bereits erwähnten Hymnen waren Metallicas "Nothing else matters" und natürlich "I dont’ like mondays" von den Boomtown Rats zu hören. Wie gesagt: Es deutete nur wenig auf den Anpfiff eines handelsüblichen Bundesliga-Spiels hin.

4. Montags sind Proteste nicht unumstritten

Wie sehr aber der Protest der organisierten Frankfurter Fan-Szene die breite Anhängerschaft insgesamt spaltete, zeigte sich spätestens 4:12 Minuten nach Spielbeginn. Dann nämlich schallte das erste "Steht auf, wenn ihr Adler seid" durchs Rund - denn irgendwo unter dem Stadiondach, im Oberrang der Nordwestkurve, hatte sich dann doch eine Keimzelle der Stimmung aufgetan. Kurz vor dem Anpfiff, ein Vertreter der Fan- und Förderabteilung erläuterte gerade noch einmal, warum sich die aktive Szene für den Boykott ausgesprochen hatte, waren Pfiffe zu hören.

Die Abneigung gegenüber dem Auslaufmodell Montagsspiel ist längst keine allgemeingültige mehr. Das war auch nach dem Match gegen Union zahlreichen Kommentaren in den sozialen Medien zu entnehmen, die sich hinsichtlich der aktuellen Dreifachbelastung des Teams aus Liga, DFB-Pokal und Europacup eine größere Unterstützung der Mannschaft gewünscht hätten. Nur gut, könnte man meinen, dass Europa-League-Spiele nicht montags ausgetragen werden.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hütter: "Eine sehr unnötige Niederlage"

Eintracht-Trainer Adi Hütter war nach der 0:4-Niederlage sauer.
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5. Montags schon an Donnerstag denken

Und so gehört es auch zur aktuellen Lage von Eintracht Frankfurt, dass der Blick von Profis und Verantwortlichen noch am späten Montag- in Richtung Donnerstagabend wanderte. Dann (21 Uhr) steht in Salzburg das Zwischenrunden-Rückspiel auf dem Programm. Die jüngsten Bundesliga-Niederlagen, allen voran jene gegen Union Berlin, lassen die Hessen alarmiert nach Österreich fahren – trotz des 4:1-Polsters aus dem Hinspiel. 

"Im Fußball geht alles ganz schnell", warnte etwa Timothy Chandler davor, den Einzug ins Achtelfinale zu früh als gesichert zu betrachten. Und auch Makoto Hasebe erinnerte: "Es ist noch nichts entschieden, wir sind noch nicht durch." Donnerstage, das wird in Frankfurt in diesen Wochen gerne betont, sind Eintracht-Tage. Mit Montagen wird das ganz sicher nicht mehr passieren.