Eintracht Frankfurt gegen SC Freiburg David Abraham

Eintracht Frankfurt verliert in Freiburg nicht nur eine Partie, sondern auch zwei Spieler. David Abraham setzt den unrühmlichen Schlusspunkt, Gelson Fernandes schwächt das eigene Team und Martin Hinteregger hat eine neue Rolle. Die Analyse in fünf Punkten.

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zum Video Die Pressekonferenz nach der Eintracht-Niederlage in Freiburg

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Eintracht Frankfurt hat zum Abschluss der Englischen Woche mit 0:1 (0:0) beim SC Freiburg verloren. Den einzigen Treffer des Tages erzielte Nils Petersen in der 77. Minute. In der ersten Halbzeit hatte Gelson Fernandes die Gelb-Rote Karte gesehen, in der Nachspielzeit sahen zudem David Abraham und Vincenzo Grifo nach zwei Tätlichkeiten die Rote Karte.

1. Das unwürdige Finale

Wenn zum Ende der Bundesliga-Saison auf dieses Spiel zurück geblickt wird, haben viele das Ergebnis wahrscheinlich schon vergessen. Eine Szene wird aber jeder präsent haben: den unrühmlichen Schlusspunkt der Partie. Es lief bereits die Nachspielzeit, als Eintracht-Kapitän David Abraham das Spiel nach einem Freiburger Ball ins Aus schnell machen wollte. Die Kugel war jedoch direkt vor der Bank der Breisgauer und deren Trainer Christian Streich gelandet.

Abraham lief zielstrebig auf Streich zu, anstatt ihn aber zu umkurven, checkte er ihn mit voller Wucht um. Sofort ging die gesamte Freiburger Bank auf den Argentinier los. Abraham sah die Rote Karte, auch Vincenzo Grifo, der den Eintracht-Kapitän attackiert hatte, flog vom Platz. Nach dem Spiel gab es wenigstens die Versöhnung zwischen allen. "Das darf ihm nicht passieren. Er ist emotional und hat sich provoziert gefühlt", erklärte Sportvorstand Fredi Bobic hinterher am Sky-Mikrofon. "Das überschattet vieles." Wie wahr.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Streich: "Hinterher ist Frieden"

David Abraham und Christian Streich geben sich die Hand.
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2. Eintracht stark in Unterzahl

Und dennoch fand ja vorher auch noch ein Fußballspiel statt. Eines, das über weite Strecken enorm aggressiv und körperbetont war und bei dem sich beide Mannschaften spielerisch absolut auf Augenhöhe befanden. Numerisch war das ab der Halbzeit aber nicht der Fall. Durch den Platzverweis von Gelson Fernandes wenige Sekunden vor der Pause mussten die Hessen 45 Minuten in Unterzahl agieren. Und das tat die Elf von Trainer Adi Hütter richtig gut.

Bis auf eine kurze Drangphase der Freiburger nach der Pause waren die Frankfurter auch zu zehnt absolut ebenbürtig. Der Treffer von Petersen kam zu diesem Zeitpunkt etwas unerwartet. Die Eintracht hätte bei den starken Freiburgern einen Zähler verdient gehabt. "Ich ärgere mich, dass wir nicht mindestens einen Punkt mitgenommen haben, weil wir auch in Unterzahl eigentlich ein richtig gutes Spiel gemacht haben", betonte daher auch Hütter.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hütter: "Waren die bessere Mannschaft"

Hütter Imago
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3. Unnötiger Platzverweis von Fernandes

Dass die Frankfurter überhaupt in Unterzahl agieren mussten, hatten sie Fernandes zu verdanken. Der "Aggressive Leader" im Mittelfeld hatte bereits Mitte der ersten Hälfte berechtigterweise die Gelbe Karte gesehen und agierte dennoch weiter am regeltechnischen Limit. Sein völlig unnötiges Foul an Jonathan Schmid brockte ihm genauso berechtigterweise einen vorzeitigen Gang unter die Dusche ein.

Was sich Fernandes dabei dachte, bleibt sein Geheimnis. Für Hütter war es "ärgerlich", denn "Gelson weiß, dass er sich besser verhalten muss". Sportvorstand Bobic richtete seine Kritik aber an den Schiedsrichter. "Felix Brych hat vieles laufen passen und dann gibt er für eine Lappalie die Gelb-Rote Karte", so Bobic am Sky-Mikrofon. "Dadurch hat er das Spiel entschieden. Er hat da seine Linie nicht durchgezogen. Der Schiedsrichter soll bei seiner Linie bleiben und nicht wechseln. Das hat er nicht gemacht." Auch eine Sicht der Dinge.

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Eintracht im heimspiel!

Das turbulente Spiel der Eintracht ist am Montag Thema im heimspiel! des hr-fernsehens (23.10 Uhr). In der ARD-Mediathek und auf hessenschau.de gibt es die Sendung schon ab 21.30 Uhr.

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4. Hinteregger als neuer Hasebe

Schon vor diesem am Ende denkwürdigen Spiel gab es eine Überraschung, die langsam keine Überraschung mehr ist. Makoto Hasebe saß wie schon gegen den FC Bayern München vor einer Woche auf der Bank. Der Japaner erlebt aktuell seine gefühlt erste kleine Formkrise bei den Hessen und ist dadurch verzichtbar geworden. Ein Umstand, der noch in der vergangenen Saison undenkbar gewesen wäre.

Hütter hat aber einen Spieler gefunden, der mehr und mehr in die Hasebe-Rolle hineinwächst: Martin Hinteregger. Der Österreicher gab einmal mehr einen umsichten Organisator der Defensive ab. Die Eintracht ließ vor den eigenen Tor wenig zu und hatte die immerhin sechststärkste Offensive der Bundesliga bis auf die 77. Minute gut im Griff. Es wird interessant sein zu sehen, wie Hasebe auf diese Bank-Verbannung nach der Länderspielpause reagiert.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hinteregger: "Ich hab' gar nichts gesehen"

hinteregger IMAGO
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5. Endlich eine weitere Pause

Apropos Länderspielpause. Die kann die Eintracht jetzt gut gebrauchen. Nicht, dass die Hessen den Freiburgern physisch unterlegen gewesen wären - ganz im Gegenteil. Aber die vergangenen Wochen haben der Eintracht körperlich und geistig einiges abverlangt. Entscheidene Spiele im Drei-Tages-Takt gehen an niemandem spurlos vorbei.

So können nun Spieler, Trainer und Verantwortliche einmal kurz durchschnaufen. Der heiße Herbst mit entscheidenden Spielen in Europa, Pokal und Bundesliga ist vorbei, der Winter dürfte - besonders durch die Niederlage in Lüttich - aber nicht weniger kräftezehrend werden. Wenn sich also alle Gemüter nach der Partie beruhigt haben, darf einmal kräftig durchgeatmet werden.

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SC Freiburg - Eintracht Frankfurt 1:0 (0:0)

Freiburg: Flekken - Höler (90. Schloterbeck), Lienhart, Heintz - Schmid, Höfler, Koch, Günter - Sallai (76. Kwon), Grifo (57. Waldschmidt) - Petersen
                            
Frankfurt: Rönnow - N'dicka, Hintergger, Abraham - Fernandes, Sow - Kostic, Durm (83. Silva), Kamada (67. Gacinovic) - Dost, Paciencia (46. Kohr)
             
Tore: 1:0 Petersen (77.)
     
Gelbe Karten: Höler /- Rot: Abraham (90.+6), Grifo (90.+6)
Gelb Rot: Fernandes (45.)                                         
                                      
Schiedsrichter: Brych (München)       
Zuschauer: 24.000 (ausverkauft)       

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