Eintracht Enttäuschung
Enttäuschung bei den Spielern von Eintracht Frankfurt Bild © Imago

Erneut zu viele Fehler, erneut ein Platzverweis, erneut verloren: Eintracht Frankfurt erlebt gegen Augsburg einen Tag zum Vergessen und fängt sich einen Tiefschlag zur Unzeit ein. Fredi Bobics Laune ist dahin. Die Analyse in fünf Punkten.

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Eintracht Frankfurt verliert beim 1:3 gegen Abstiegskandidat Augsburg zum ersten Mal in diesem Jahr ein Bundesliga-Spiel. Vier Tage vor dem Europa-League-Showdown gegen Benfica Lissabon bringt Goncalo Paciencia die Hessen zwar in Führung (14.), Marco Richter mit einem Doppelpack (31, 45.+4) und Michael Gregoritsch (84.) nutzen die zahlreichen Fehler dann aber eiskalt aus. Gelson Fernandes fliegt vom Platz.

Ein rabenschwarzes Wochenende

Nun ist es also auch in der Bundesliga passiert: Nach dem abrupten Ende des europäischen Höhenflugs am vergangenen Donnerstag in Lissabon ist die Frankfurter Siegesserie auch auf nationalem Parkett gerissen. Zwölf ungeschlagene Spiele und sechs Siege in Folge sind Geschichte, die Eintracht ist nach der 1:3-Heimpleite gegen den FC Augsburg wieder in irdischen Sphären angelangt: "Das war heute sehr bitter", beschrieb Makoto Hasebe das selten gewordene Gefühl einer Niederlage.

Doppelt bitter wird der Ausrutscher bei einem Blick auf die Tabelle. Mit RB Leipzig, Borussia Mönchengladbach, der TSG Hoffenheim, Werder Bremen und Bayer Leverkusen haben sämtliche Konkurrenten der Eintracht um einen Platz in Champions oder Europa League dreifach gepunktet. Noch ist die Eintracht zwar Vierter, der Abstand auf Rang sieben beträgt aber nur noch sechs Zähler. "Wenn man die anderen Ergebnisse sieht, muss man sagen, dass das kein gutes Wochenende für uns war" fasste Sebastian Rode treffend zusammen. "Das war heute ein Tag zum Vergessen."

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Sebastian Rode

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Rode: "Heute hat vieles nicht gepasst"

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Das nächste Fehler-Festival

Wie schon bei der 2:4-Klatsche in Lissabon hat sich die Eintracht den Dämpfer aber selbst zuzuschreiben. Trotz früher Führung und klarer Favoritenstellung ließ das Team von Trainer Adi Hütter jegliche Souveränität und Sicherheit vermissen. Mit zahlreichen leichten Ballverlusten in der Vorwärtsbewegung und einer unterirdischen Passquote von 66 Prozent machte sich die Eintracht das Leben selbst schwer und lud Augsburg zum Toreschießen ein. Beim ersten Gegentreffer marschierte Doppeltorschütze Richter quasi ungehindert durch den Strafraum, beim zweiten gewährte der überfordert wirkende Almamy Touré nur Geleitschutz.

Als dann auch noch der bereits verwarnte Kapitän Fernandes zu ungestüm in einen Zweikampf sprang und nach nur 47 Minuten zum Duschen geschickt wurde, war das Spiel entschieden. Der sichtlich angefressene Sportvorstand Fredi Bobic kritisierte die harte aber vertretbare Platzverweis-Entscheidung von Schiedsrichter Bastian Dankert zwar als Witz. Letztlich gab aber auch er zu, dass der Unparteiische bei weitem nicht der schlechteste Mann auf dem Platz gewesen sei. "Die Spieler waren alle auch nicht auf der Höhe."

Kraft und Spieler werden weniger

Eine Erklärung für die eher mäßige Leistung ist allerdings auch schnell gefunden: Am Donnerstagabend 70 Minuten in Unterzahl, am Freitagabend mit zweistündiger Verspätung in Frankfurt gelandet, am Sonntagabend schon wieder fast eine komplette Halbzeit lang mit einem Mann weniger. Die ohnehin nicht mehr taufrischen Frankfurter Knochen werden im Saisonendspurt noch einmal auf eine echte Härteprobe gestellt. Der Verschleiß ist deutlich spürbar. "Das geht natürlich an die Substanz und in den Kopf. Das hat uns den Zahn gezogen", bestätigte Hütter die zunehmende Müdigkeit seiner Spieler.

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Und als wäre die Doppelbelastung nicht schon Arbeit genug, häufen sich plötzlich auch noch die Verletzungen. Ob Sébastien Haller (Bauchmuskel-Probleme) in dieser Saison überhaupt noch einmal zum Einsatz kommen kann, scheint offen. "Das wird ein Wettlauf mit der Zeit." Sorgen bereitet zudem der erneut angeschlagen ausgewechselte Innenverteidiger Martin Hinteregger. "Er hat etwas Muskuläres, der Oberschenkel hat dichtgemacht", so Hütter. Die Eintracht fährt langsam aber sicher auf der Felge in Richtung der ambitionierten Ziele.

Lichtblick Paciencia

Bei allen negativen Ereignissen gibt es aber auch einen echten Lichtblick: Goncalo Paciencia, in der Hinrunde nach einem Meniskusriss noch Dauer-Patient, entwickelt sich immer mehr zum Hoffnungsträger. In Abwesenheit von Haller stürmte der Portugiese gegen Augsburg erstmals von Beginn an gemeinsam mit Ante Rebic und Luka Jovic als Teil eines Angriffs-Trios und stellte erneut seine besonderen Torjäger-Qualitäten unter Beweis.

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Hasebe, Rode und andere Spieler applaudieren den Fans.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Reaktionen auf die Eintracht-Niederlage gegen Augsburg

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Mit vier Toren in den vergangenen sieben Spielen ist er nicht nur der derzeit gefährlichste Frankfurter Angreifer, der 24-Jährige verleiht der Eintracht dank seiner Lufthoheit auch eine neue Qualität. Paciencia, der auch fußballerisch immer wieder überrascht, erzielte alle seine fünf Pflichtspiel-Tore mit dem Kopf, gegen Augsburg sogar ein besonders schönes. "Das war ein Traum-Kopfball von Goncalo", lobte Rode. Letztlich aber ohne Wert.

Jetzt kommt Benfica

Und so geht die Eintracht mit dem ungewohnten Gefühl von zwei Niederlage am Stück in den Europa-League-Showdown am Donnerstag (21 Uhr) gegen Benfica Lissabon. Die Zuversicht, den Zwei-Tore-Rückstand aufzuholen und in einer weiteren magischen Nacht tatsächlich ins Halbfinale einzuziehen, ist weiterhin da. Die Formdelle kommt jedoch zur Unzeit. Die Eintracht muss sich schnellstmöglich fangen und die Fehler abstellen, sonst könnte die Saison doch noch eine ungeahnte Wendung nehmen.

Damit es nicht so kommt und der erneute April-Absturz ausbleibt, gaben die Fans nach Abpfiff schon einmal einen stimmungstechnischen Vorgeschmack auf den zu erwartenden Hexenkessel und stimmten die Mannschaft auf den heißen Saisonendspurt ein. Qualifikation für die Champions League und mindestens eine weitere Runde im Europapokal – noch ist alles drin. "Wir sind sehr, sehr heiß", so Rode. "Unsere Motivation liegt bei 150 Prozent." Jetzt zählt’s für die Eintracht.