Filip Kostic jubelt über sein Tor.

Eintracht Frankfurt muss bei Bayern München auf den gesperrten Filip Kostic verzichten. Ausgerechnet. Wie wollen die Hessen ihren besten Spieler ersetzen?

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Adi Hütter: "Müssen uns steigern"

Adi Hütter Eintracht Frankfurt
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Es war eigentlich alles zur Pokalparty angerichtet, dann kam der Blackout. Die Eintracht führte im Viertelfinale des DFB-Pokals gegen Bremen in der 92. Minute komfortabel 2:0, als Filip Kostic Ömer Toprak übel auf die Wade stieg. Rot, zwei Spiele Sperre, "das ist ein Wermutstropfen", erkannte Eintracht-Trainer Adi Hütter richtig.

Mit Kostic fehlt den Hessen bei Bayern München nun der beste Spieler, und Hütter wird sich in den letzten Tagen sicherlich den Kopf zerbrochen haben, wie er seinen "Schlüsselspieler" ersetzen kann. Kostic hat in 46 Pflichtspielen in dieser Saison 12 Tore und 17 Assists beigesteuert, wird es bei der Eintracht gefährlich, hat zumeist Kostic seine Füße mit im Spiel.

Wechselt Hütter positionsgetreu?

Das liegt freilich auch daran, dass Kostic dankenswerterweise äußerst selten verletzt ist. In der Bundesliga hat der Serbe in dieser Saison ein einziges Spiel verpasst, als er in Augsburg krank fehlte. Hütter ersetzte ihn damals positionsgetreu mit Timothy Chandler, der sich in Frankfurts 3-5-2-System als linker offensiver Außenverteidiger der Fünferkette versuchte. Sonderlich von Erfolg gekrönt war das Experiment allerdings nicht – die Hessen verloren 1:2. Auch in der Europa-League-Qualifikation in Vaduz setzte Hütter auf Chandler als Kostic-Ersatz, als Gradmesser kann das Spiel gegen den Fußballzwerg aus Liechtenstein aber nicht gelten.

Mit Erik Durm steht nur ein weiterer Spieler im Kader, der nominell auf der Position des linken Außenverteidigers spielen kann. Bei seinen überschaubaren Einsätzen wurde Durm aber zumeist im rechten Mittelfeld aufgeboten. Im Klartext: Der Frankfurter Kader ist auf einen Ausfall von Kostic schlicht nicht vorbereitet, ein 3-5-2 mit offensiven Außenverteidigern lässt sich ohne Kostic nicht ohne deutlichen Qualitätsverlust spielen.

Stellt Hütter das System um?

Was die Frage nach einer Systemumstellung aufwirft. Als es gegen Ende der Hinrunde bei den Hessen nicht mehr lief, rückte Hütter von seinem 3-5-2 ab und versuchte, der Abwehr mit einem 4-4-1-1 mehr Stabilität zu verleihen. Vor allem zu Beginn der Hinrunde ein erfolgreiches Unterfangen, auch wenn für Spielmacher Makoto Hasebe kaum mehr Platz war.

Nur: Der Effekt nutze sich relativ schnell ab, als die Hessen vor wenigen Wochen in München gastierten, setzte es mit Viererkette eine 2:5-Niederlage, der folgende Aufschwung geschah erneut im 3-5-2. Kostic spielte im System mit Viererkette einen offensiveren Linksaußen, den man zur Not auch mit Mijat Gacinovic oder gar Daichi Kamada ersetzen könnte, wenngleich man dann damit rechnen muss, dass beide sehr viel häufiger nach innen ziehen würden als das Kostic tut. Auch hier gilt: Einen zweiten, echten Außenbahnspieler haben die Hessen nicht.

Gibt es eine System-Überraschung?

Was eine komplette Systemumstellung zumindest nicht gänzlich unwahrscheinlich macht. Möglicherweise verdichtet Hütter das Zentrum mit drei defensiven / zentralen Mittelfeldspielern und bietet Kamada und Gacinovic davor als Hybridspieler irgendwo zwischen offensivem Mittelfeld und offensiven Außen auf. Das gute, alte 4-3-2-1-Tannenbaumsystem, das gegen einen Gegner wie Bayern München eventuell etwas mehr Stabilität bringt.

Was allerdings dagegen spricht: Die Eintracht hat in diesem System unter Hütter noch gar nicht gespielt. Dagegen spräche auch das wiedererlangte Selbstverständnis der Hessen, nur dann erfolgreich sein zu können, wenn man selbst am Spielgeschehen teilnimmt und nicht mauert. "Wir müssen immer aktiv sein", so Hütter zuletzt. Ohne Kostic, so viel ist klar, wird das nicht unbedingt einfacher.