Leerer Fanblock im Frankfurter Stadion

Der angekündigte Fan-Boykott überschattet die Partie der Frankfurter Eintracht gegen Union Berlin. Aus Protest gegen Montagsspiele soll die Heimkurve leer bleiben. Sportlich kämpfen die Hessen um noch mehr Partien unter der Woche.

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zum Video Die Eintracht-Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Union Berlin

Adi Hütter
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Dort, wo sonst lautstark vor dem Anpfiff "Im Herzen von Europa" geschmettert wird, soll diesmal einfach nur eine leere Kurve zu sehen sein. Die Fans der Frankfurter Eintracht, zumindest der tonangebende Teil davon, hat das anstehende Montagsspiel gegen Union Berlin (20.30 Uhr) mal wieder zur Protest-Veranstaltung gegen unliebsame Anstoßzeiten und die Entwicklung des modernen Fußballs in Gänze auserkoren. Diesmal soll der komplette Heim-Stehplatzbereich leer bleiben.

Eintracht bietet Ersatztickets an

"Wir werden während des gesamten Spiels auf jegliche Form des Supports verzichten", hieß es dazu in der Ankündigung. Wer sich an der (freiwilligen) Kollektivabstrafung der sogenannten aktiven Fanszene nicht beteiligen und stattdessen sein Team im Stadion unterstützen möchte, erhält Dank eines Entgegenkommens des Vereins Ersatztickets angeboten.

Karteninhaber der Blöcke 36, 38, 40 und 42 hätten die Möglichkeit, das Spiel von Ausweichplätzen in der Ostkurve zu verfolgen, teilte der Club mit. Die übrigen Protestler wollen das Spiel auf Monitoren im Stadionumlauf verfolgen – oder bleiben gleich ganz daheim.  

Tennisbälle und Leuchtraketen

"Wir haben auf der einen Seite Verständnis. Auf der anderen Seite tut es uns immer wieder gut, wenn unsere Fans uns unterstützen", sagte Trainer Adi Hütter zur umstrittenen Aktion, die "der komplette Verein mitträgt". Was bleibt auch anderes übrig?

Der Protest bei diesen Spielen hat schon Tradition: Vor knapp zwei Jahren flogen beim ersten Frankfurter Montagsspiel gegen RB Leipzig zahlreiche Tennisbälle aufs Feld, beim bis dato letzten Montagsauftritt Anfang Dezember in Mainz waren es Leuchtraketen. Die zur Entlastung für Europa-League-Starter gedachten Spiele sorgen bei manchen Fans trotz der bereits beschlossenen Abschaffung zur Saison 2021/22 für große Verärgerung.

"Wir wollen mit dem Bild der leeren Fankurve unübersehbar deutlich machen, dass für uns eine rote Linie, die wir schon beim ersten Montagsspiel beschrieben haben, lange überschritten ist. Wir sind keinesfalls bereit, eine gute Miene zum Montagsspiel zu machen!", schrieben die Initiatoren nun. Die 2.700 mitreisenden Union-Fans wollen dagegen ihr Team unterstützen, ein Sonderzug bringt sie am Montag von der Hauptstadt in die Main-Metropole.

Europa wieder im Visier

Sportlich hofft Coach Hütter, der bis auf den weiter angeschlagenen Stürmer Bas Dost aus dem Vollen schöpfen kann, auf eine Fortsetzung der vergangenen Wochen. Vor allem in Heimspielen hatte die Eintracht zuletzt mit zwei Siegen über RB Leipzig (Liga und Pokal) sowie einem 5:0 gegen den FC Augsburg geglänzt.

Mögliche Aufstellung Eintracht Frankfurt Union Berlin

"Für mich ist der Bundesliga-Alltag nicht grau, bei den Heimspielen schon überhaupt nicht. Wir wollen das Spiel unbedingt versuchen zu gewinnen. Wir sind speziell in der Rückrunde sehr heimstark", sagte Hütter. Nachdem wegen der verkorksten Phase im November und Dezember schon die Abstiegszone gedroht hatte, kann der Rückstand auf die ersehnten Europa-League-Plätze am Montag auf fünf Punkte verkürzt werden. Und gegen europäische Spiele am Donnerstag hätten wohl auch künftig die wenigsten etwas einzuwenden.