Eintracht Frankfurt Bayern München

Eintracht Frankfurt ist aus dem Pokal ausgeschieden - mit einer mehr als beachtlichen Leistung bei Bayern München. Die hessische Überraschung war möglich, wäre da nicht die erste Halbzeit gewesen. Die Analyse in fünf Punkten.

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Die Pokal-Reise von Eintracht Frankfurt findet bei Bayern München ein Ende. Durch die knappe 1:2-Niederlage beim Rekordmeister verpassen die Hessen ihr drittes DFB-Pokal-Finale in vier Jahren. Die Tore für den Gastgeber erzielten im Halbfinale Ivan Perisic (14. Minute) und Robert Lewandowski (74.), zwischenzeitlich hatte Danny da Costa (69.) für die Eintracht ausgeglichen.

1. Eine Aufstellung voller Beton

Eine erste Überraschung an diesem Pokal-Abend bot direkt der Blick auf die Frankfurter Startaufstellung. Sage und schreibe neun nominell defensiv agierende Spieler schickte Eintracht-Coach Adi Hütter zu Beginn auf das Feld. Lediglich Mijat Gacinovic und André Silva waren für die Offensive vorgesehen. Mehr Beton war kaum möglich.

Aber nicht nur, dass Hütter reichlich Zurückhaltung in seiner ersten Elf wählte, er baute diese auch personell um. In der Fünferkette musste Makoto Hasebe weichen, für ihn begann Evan N'Dicka. Martin Hinteregger übernahm damit zum ersten Mal nach der Corona-Pause den zentralen Part im Abwehrverbund und sollte das Spiel der Hessen ähnlich dirigieren wie Hasebe.

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2. Eine Halbzeit zum Vergessen

Man kann es nicht anders sagen, aber was die Aufstellung versprach, hielt sie auch. Von der ersten Spielminute an waren die Frankfurter im Rückwärtsgang. Die Bayern schnürten die Hessen phasenweise in der eigenen Hälfte ein, Entlastung nach vorne fand praktisch gar nicht statt. Das erste Tor war dadurch nur eine Frage der Zeit, Perisic traf nach 14 Minuten per Kopf.

Auch nach dem Gegentor fanden die Hessen nicht ins Spiel. Im Gegenteil: Die Bayern machten weiter, als sei nichts gewesen, und erspielten sich im Verlauf des ersten Abschnitts weitere gute Möglichkeiten. Kingsley Coman (28.), Lewandowksi (31.) und erneut Perisic (36.) verpassten aber die Möglichkeit, die Führung deutlicher zu gestalten. Und genau das sollte sich in der zweiten Hälfte rächen.

3. Eine Halbzeit voller Sturm und Drang

Was genau in der Halbzeit vorgefallen ist, werden wir wohl nie erfahren. Ob die Eintracht in einen Zaubertrank gefallen ist oder Hütter die elektrisierendste Motivationsrede seiner Karriere gehalten hat - wir wissen es nicht. Jedenfalls kamen die Frankfurter wie ausgewechselt aus der Kabine und machten mit den Münchenern auf einmal das, was der Rekordmeister mit den Hessen zuvor 45 Minuten lang veranstaltet hatte: den Gegner in dessen Hälfte phasenweise einschnüren.

Und auch wenn die Eintracht sich nicht ein Übermaß an Chancen herausspielte, wurde das Spiel dadurch endlich zum echten Pokalfight. Auch Hütter bemerkte das und sorgte mit den eingewechselten Daichi Kamada und da Costa noch mal für mehr Schwung. Ebenjener lange verschmähte da Costa sorgte dann in der 69. Minute für den absolut verdienten Ausgleich. Das 2:1 der Bayern durch Lewandowski nur fünf Minutenzeigerumdrehungen später kam danach fast aus dem Nichts. Ein weiterer Ausgleich wollte der tapfer kämpfenden Eintracht hinterher nicht mehr gelingen.

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4. Viel hat nicht gefehlt

So blieb am Ende die bittere Erkenntnis: Viel hat nicht gefehlt. Ein Auswärtserfolg in München, für viele vorher beinahe als Utopie verschrien, war möglich. Eigentlich sogar mehr als das. Hätten die Hessen über 90 Minuten einen derart couragierten Auftritt wie in der zweiten Hälfte hingelegt - wer weiß, was passiert wäre.

"Wir gehen mit dem Gefühl vom Platz, die Bayern an den Rande einer Niederlage bringen zu können", brachte es Hinteregger nach dem Pokal-Aus auf den Punkt. "Aber wir sind ausgeschieden und nicht im Finale dabei, das tut weh." Sein Trainer sah das ähnlich. "Wir wären für eine Überraschung gut gewesen", analysierte Hütter so treffend wie enttäuscht. Fast hätte die Eintracht wirklich das Unmögliche möglich gemacht.

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5. Das war es mit Europa

Der DFB-Pokal ist der kürzeste Weg nach Europa. So heißt es ja oft sehr schön. Man kann freilich darüber diskutieren, ob dieser Weg auch kurz ist, wenn darin ein Auswärtsspiel beim FC Bayern enthalten ist, aber das nur am Rande. Das Wichtige und letztlich Bittere für die Eintracht ist: Dieser Weg nach Europa - wie 2018 durch den DFB-Pokalsieg - ist durch das Halbfinal-Aus nicht mehr möglich.

Und da die Eintracht sich auch über die Bundesliga-Tabelle nicht für einen europäischen Wettbewerb qualifizieren wird und in der laufenden Runde nach dem 0:3 gegen Basel vor dem Aus steht, war es das wohl mit Fahrten durch die Nachbarländer in der kommenden Saison. "Wir haben jetzt fast zwei Jahre tolle Europa-Reisen hinter uns, wir spielen gerne international", betonte Hütter noch mal, nur um auch feststellen zu müssen: "In der nächsten Saison müssen wir wohl kleinere Brötchen backen."

Weitere Informationen

FC Bayern München - Eintracht Frankfurt 2:1 (1:0)

München: Neuer - Pavard, Boateng, Alaba, Davies - Kimmich, Goretzka (86. Martinez), - Coman (62. Thiago), Müller, Perisic - Lewandowski

Frankfurt: Trapp - Abraham, Hinteregger, N'Dicka - Touré (66. da Costa), Ilsanker (77. Torró), Kohr (77. Dost) - Rode, Gacinovic (66. Kamada) - Silva

Tore: 1:0 Perisic (14.) , 1:1 da Costa (69.), 1:2 Lewandowski (74.)
Gelbe Karten: Perisic, Martinez - Silva, Hinteregger

Schiedsrichter: Fritz (Korb)
Zuschauer: keine

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