Eintracht-Präsident Peter Fischer

In Teil 2 des Interviews erklärt Eintracht-Präsident Peter Fischer, warum er froh war, als die vergangene Saison vorbei war, warum Andreas Möller der richtige Mann für den Nachwuchs ist und was er sich für das neue Jahr wünscht.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Eintracht-Präsident Fischer: "Das sind meine Highlights 2019"

Eintracht-Präsident Peter Fischer.
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Hier geht es zum ersten Teil des Interviews.

hessenschau.de: Die Eintracht boomt. 2018 waren es 50.000 Mitglieder, Anfang 2019 fast 68.000. Sie haben gesagt, dass der Verein auch das Potenzial für 100.000 Mitglieder hat. Ist das in naher Zukunft realistisch?

Peter Fischer: Der 31. Dezember 2020 ist das Ziel - da wollen wir 100.000 Mitglieder haben. Das ist ein hochambitioniertes Ziel, und für dieses Ziel arbeiten wir.

hessenschau.de: Der Hype ist also doch real. Die Europa-League-Dauerkarten beispielweise waren im Juni in nur drei Stunden komplett ausverkauft. Und das, obwohl dem Team in der Schlussphase der Bundesliga-Saison die Puste ausgegangen war, Rang sieben nur mit Schützenhilfe aus Mainz gelang. Wie war der letzte Spieltag für Sie?

Fischer: Natürlich nicht gut. Aber auch in den vier, fünf Spieltagen zuvor hat man gemerkt, wie leer die Mannschaft war. Wir haben alle drei Tage Fußball gespielt. Alle drei Tage! Die Spieler hatten Schmerzen, blutige Füße, und fast jeder irgendwo einen Verband. Nach dem Spiel gegen Chelsea, dem Elfmeterschießen, da gab es dann einen ganz tiefen, emotionalen Fall.

hessenschau.de: Waren Sie nach dem letzten Spieltag froh, dass die Saison vorbei ist?

Fischer: Definitiv, ja! Ich wollte keinen Fußball mehr sehen. Und eigentlich bin ich süchtig nach Fußball.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Der große Eintracht-Jahresrückblick 2019

Imago Eintracht Jubel Hertha
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hessenschau.de: In der Sommerpause gab es dann die große 120-Jahr-Feier - übertragen vom Hessischen Rundfunk. Welcher Moment ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Fischer: Das war einer der größten Tage, in diesem Jahr - weil wir das alles selbst gestemmt haben, um unseren Anhängern etwas zurückzugeben. Und dem Hessischen Rundfunk war es wert, das zu übertragen. Das Symphonieorchester war begeistert dabei, erst vor kurzem habe ich einem der Musiker ein Trikot unterschrieben. Es war für ihn das letzte Konzert, anschließend ging er in Rente. Das war etwas Besonderes für ihn und wir waren froh, dass wir ihm eine Freude bereiten konnten.

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Video Startbild Teaer "120 Jahre Eintracht"
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hessenschau.de: Welche besonderen Menschen werden Sie nach diesem Jahr nicht vergessen? Martin Hinteregger, der sich mit Gesangseinlagen im Kiosk sowie Kopfballtoren in die Herzen der Fans gespielt hat? Oder die Rückkehrer Kevin Trapp und Sebastian Rode?

Fischer: Personenkult habe ich nicht, auch nicht mit Blick auf die Mannschaft. Das ist nicht meine Welt. Aber ich erinnere mich an Begegnungen, wie die mit einer 86-jährigen Frau hier im Verein, die sich bedankt, weil es einen Zumba-Kurs gibt, die mich drückt und küsst. Oder die mit einem Jungen hier am Riederwald. Er hatte ein viel zu großes Trikot an und gerade mit seinem Team 9:1 gewonnen. Er ärgerte sich aber: 'Ich habe drei Tore gemacht, aber es hätten auch vier sein können.' Das sind besondere Menschen und besondere Momente. Und die vergesse ich nicht, die kann ich mir merken, anders als die Ergebnisse der Spiele. Sie zeigen mir, wie groß die Verantwortung dieses Vereins ist. Sie ist größer als zwei Mal 45 Minuten Fußball zu spielen und Bratwürste und Bier zu verkaufen.

hessenschau.de: Mehr Verantwortung übernimmt die Eintracht auch bald im Frauenfußball. Der neue DFB-Präsident Fritz Keller hat nach seiner Wahl vor allem die Bundesligavereine in die Pflicht genommen, für die Förderung und Gründung eigener Frauenteams plädiert. Die Eintracht fusioniert im kommenden Jahr mit dem 1. FFC Frankfurt. War Ihnen das auch persönlich wichtig?

Fischer: Den Frauenfußball gibt es bei uns im Verein schon lange, das auch erfolgreich - und darauf bin ich stolz. Die Fusion mit dem FFC machen wir auch, um einen Leuchtturm im Weltfrauenfußball nicht sterben zu lassen. Der FFC ist ein Verein, der Geschichte geschrieben, der den Frauenfußball auf ein neues Level gehoben hat.

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Nationaltorhüter Almuth Schult
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hessenschau.de: Das ist nicht die einzige Veränderung, die ansteht - das Stadion soll ausgebaut werden. Anfang November gab es den Letter of Intent gemeinsam mit der Stadt, wie ist der aktuelle Stand?

Fischer: Ab 1. Juli 2020 wird Eintracht Frankfurt der alleiniger Betreiber des Stadions sein. Wir zahlen dafür einen hohen Preis, aber wir können auch an der gesamten Wertschöpfungskette partizipieren. Und wir müssen nicht länger fragen, wo wir trainieren dürfen. Es ist dann unser Stadion. Wir werden viele Veränderungen, Umbauten vornehmen. Wir wollen eine Größenordnung von 60.000 Zuschauern und das Stadion zu einem der am besten digitalisierten der Republik werden lassen. Wir wollen eine größere Erweiterung der Stehplätze haben. Wir wollen, dass diese Stehplätze bezahlbar sind. Wir müssen dafür sorgen, dass wir der nächsten Generation die Chance geben, Fußballkultur zu erleben und hineinzuwachsen. Ich bin immer wieder in der Kurve und erlebe da ein energetisches, hochemotionales Feld. Dieses Gefühl und diese Emotionen soll die nächste Generation auch erleben dürfen.

hessenschau.de: Dass Ex-Profi Andreas Möller neuer Chef des Nachwuchsleistungszentrums ist, wurde in diesem Jahr höchst kontrovers diskutiert. Warum war die Entscheidung aus Ihrer Sicht richtig und wichtig?

Fischer: Die Besetzung des Leistungszentrums hat nichts mit dem Namen Andreas Möller zu tun. Es ging darum, jemanden zu finden, der eine hohe Expertise hat. Wir wollten, dass er den höchstmöglichen Trainerschein und eine hohe Affinität zu Nachwuchs und Ausbildung hat. Wir wollten jemanden mit Eintracht-Vergangenheit und mit regionaler Bindung. Wir konnten dafür den erfolgreichsten Fußballspieler Deutschlands finden, den mit dem meisten Titeln. Er ist ein hoch ausgezeichneter und erfolgreicher Fußballspieler, der im Aufbau und Umgang mit Nachwuchsteams viel erreicht hat.

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hessenschau.de: Haben Sie die heftigen Reaktionen auf die Entscheidung überrascht?

Fischer: Fredi (Sportvorstand Bobic; Anm. d. Red.) ist verantwortlich für den sportlichen Bereich. Am Ende entscheiden wir gemeinsam darüber. Wir sind uns mit den Verantwortlichen in der Fußball AG darüber einig, dass im Nachwuchsleistungszentrum in der Zukunft neue Akzente gesetzt werden müssen. Ich war überrascht, dass wir Andreas Möller für diesen Job gewinnen konnten. Schließlich weiß ich, was er verdient hat und was er jetzt verdient. Das spricht ebenso für seinen Charakter. Er ist so ziemlich der erste, der hier ist und der letzte, der abends geht. Er macht seinen Job mit einer unglaublichen Leidenschaft und Freundlichkeit, ohne jegliche Arroganz. Und ja: Mich haben die Reaktionen überrascht, weil sie von Leuten kamen, die damals noch nicht auf der Welt waren und zudem eine verquere Meinung der Geschichte haben. Insbesondere Andreas Möller ist aber mit dieser Situation eher professionell umgegangen.

hessenschau.de: Was wünschen Sie sich für das nächste Jahr?

Fischer: Von den Sorgen nimmt mir leider niemand etwas ab. Ich bin eigentlich breitschultrig und halte einiges aus. Wenn ich aber bei den aktuellen Entwicklungen in der Welt, in der vieles verrutscht, wir Nationalisten haben und auf unsere Kinder aufpassen müssen, wenn ich da all meine Sorgen aufschreibe, dann reicht nicht einmal eine Rolle Toilettenpapier.

Das Gespräch führte Ann-Kathrin Rose