Kevin-Prince Boateng
Kevin-Prince Boateng Bild © Rhode/Storch

Mit dem Pokalfinale in seiner Geburtsstadt Berlin schließt sich für Eintracht Frankfurts Mittelfeldspieler Kevin-Prince Boateng ein Kreis. Dass ein direktes Duell mit seinem Halbbruder Jérôme ausfallen muss, sieht er mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

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Kevin-Prince Boateng musste umplanen, aber er wird es gerne getan haben. Statt das Finale um den DFB-Pokal wie sonst vom heimischen Sofa aus zu verfolgen, darf der Fußballprofi von Eintracht Frankfurt diesmal endlich selbst Teil des Spektakels im Berliner Olympiastadion sein. "Ich wollte dieses Spiel immer mal spielen, bislang konnte ich es immer nur im Fernsehen verfolgen", sagte der 31-Jährige am Mittwoch, wenige Tage vor dem Showdown gegen den FC Bayern München am Samstag (20 Uhr). "Jetzt ist es so weit. Es wird emotional."

Emotional, weil das Endspiel zu den Höhepunkten in Boatengs Karriere zählen wird. Weil es in seiner Geburtsstadt Berlin stattfindet. Und weil er rund um die Partie jede Menge altbekannter und vertrauter Gesichter wiedersehen wird. "Ich hätte einen halben Block vollmachen und 7.000 Karten bestellen können", antwortete der Mittelfeldspieler auf die Frage, mit wie vielen Ticketwünschen er konfrontiert wurde. Am Ende sei der Kreis der glücklichen Stadionbesucher aber auf "engste Freunde und Familie" beschränkt.

Kein Duell mit Halbbruder Jérôme

Apropos Familie: Dass es in Berlin nicht zu einem Duell mit seinem Halbbruder Jérôme kommen wird, sieht Boateng mit einem lachenden und einem weinenden Auge. "Für die Familie ist es natürlich traurig", sagte er über das Fehlen des FCB-Abwehrspielers, der das Pokalfinale wegen einer Oberschenkelverletzung verpassen wird. "Aber für Eintracht Frankfurt ist es natürlich besser. Jérôme ist einer der besten Innenverteidiger der Welt."

Weil aber auch der Rest des Rekordmeisters und –pokalsiegers ganz gut kicken kann – und weil die Kulisse mit knapp 75.000 Zuschauern keine alltägliche sein wird – sieht sich Frankfurts Boateng einmal mehr als Führungsspieler gefordert. "Wir versuchen zu vertuschen, dass wir nervös sind", sagte er mit einem kleinen Grinsen. "Da komme ich ins Spiel, ich hole die Jungs runter. Ich sage ihnen, dass sie Spaß haben und es genießen sollen. Es ist nur Fußball." In dem Fall aber einer, der für eine Überraschung sorgen soll.

So wie Leicester City

Denn Überraschungen sind, da ist sich Boateng sicher, immer möglich. Leicester City habe es 2016 als englischer Märchen-Meister vorgemacht. Oder kürzlich erst der VfB Stuttgart, der am vergangenen Wochenende mit 4:1 beim FC Bayern gewonnen hat. "Warum soll es nicht so sein, dass Eintracht Frankfurt den Pokal gewinnt?", fragte der frühere Profi von Hertha BSC, Borussia Dortmund und Schalke 04 – wohl wissend, wie die Rollenverteilung am Samstagabend aussehen wird. "Unser Plan lautet: nicht verlieren. Wir wissen, dass die Bayern für Jupp Heynckes unbedingt das Double holen wollen. Aber wir dürfen keine Angst haben."

Eine andere Sache, die die Eintracht-Profis nicht haben dürfen, sind nasse Haare. Wegen des wechselhaften Wetters sorge sich Coach Niko Kovac um die Gesundheit seiner Stars, wie Boateng verriet. "Er hat klar gemacht, dass er nur an uns denkt. Er will unbedingt diesen Pokal holen." Für den Kroaten wäre es ein fulminanter Abgang, ehe er ausgerechnet zum Finalgegner nach München wechselt. Und für Kevin-Prince Boateng wäre es die erste deutsche Trophäe seit der A-Jugend-Meisterschaft 2004 mit der U19 von Hertha BSC.

"Ich werde sicherlich kein Anwalt"

Sein Vertrag bei der Eintracht läuft noch zwei Jahre, der eine oder andere Gedanke an die Zeit nach der Aktiven-Karriere wird trotzdem schon einmal verschwendet. "Irgendwas mit Fußball, ich will jungen Spielern helfen", schwebt dem Deutsch-Ghanaer vor. "Ich werde sicherlich kein Anwalt." Und wenn doch: Im Umplanen ist der Frankfurter mittlerweile ja Profi.