Hasebe hebt den Daumen.
Makoto Hasebe feiert mit den Fans Bild © Imago

Mit 35 Jahren ist Makoto Hasebe der Opa im Frankfurter Kader – und dennoch unverzichtbar wie nie zuvor. Jetzt könnte es noch einmal für die Champions League reichen. Das verdankt er auch einer erstaunlichen Entwicklung im Fußball.

Den 30. September 2009 wird Makoto Hasebe wahrscheinlich bis an sein Lebensende nicht vergessen. Ein cleverer Ballgewinn am Sechzehner, eine butterweiche Flanke auf den zweiten Pfosten, dort steht Edin Dzeko und trifft per Kopf zur Führung. 1:0 für Wolfsburg, im legendären Theatre of Dreams in Manchester, gegen ein United mit Sir Alex Ferguson an der Seitenlinie und Ryan Giggs, Wayne Rooney und Michael Owen auf dem Platz.

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Makoto Hasebe - Eintracht Frankfurt

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Makoto Hasebe: "Unbedingt noch einmal Champions League"

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Die Torvorlage bleibt Makoto Hasebes einziger Scorerpunkt in den sechs Champions-League-Spielen, die er einst mit dem VW-Klub bestritt. Noch. Denn mit seinem aktuellen Klub Eintracht Frankfurt liegt der Japaner überraschend auf Königsklassen-Kurs. "Das habe ich erst jetzt realisiert", so Hasebe, der um eine Kampfansage nicht verlegen ist: "Ich will unbedingt noch einmal Champions League spielen – mit der Eintracht."

"Bei Makoto ist es wie beim Wein"

Ein Traum, der angesichts der aktuellen Formkurve der Hessen kein Traum bleiben muss. "14 Spiele ohne Niederlage, vierter Platz in der Bundesliga, im Viertelfinale der Europa League: Besser geht’s nicht", so Hasebe, der an der aktuellen Erfolgsserie kaum größeren Anteil haben könnte. Vom kicker wurde Hasebe zum besten Bundesliga-Innenverteidiger der Hinrunde gewählt, quasi wöchentlich gibt es Lobeshymnen über den Japaner. "Bei Makoto ist es wie beim Wein", schwärmte Trainer Adi Hütter unlängst. "Je älter, desto besser. Er ist ein absoluter Schlüsselspieler in unserer Mannschaft."

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Makoto Hasebe - Eintracht Frankfurt

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Makoto Hasebe: "Besser geht's nicht"

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In seinem dritten, vierten, fünften Frühling profitiert der Japaner dabei von einer erstaunlichen Entwicklung im Fußball: Der Renaissance des Liberos. Etwa seit der Jahrtausendwende galt der letzte Mann als überholt, bis ihn einige findige Fußballlehrer in der stetig um Innovationen bemühten Branche wieder einführten. "Aktuell spielen viele Mannschaften Dreierkette", so Hasebe, der etwa die TSG Hoffenheim als Beispiel nennt. Damals, gegen Manchester United, spielte Hasebe noch im rechten Mittelfeld. Eine Position, auf der er alterbedingt wohl nicht mehr so gute Karten hätte. "Die Taktik im Fußball ändert sich immer schnell. Für mich ist das einfach gutes Timing."

"Meine Aufgabe ist nur Abräumen und ein bisschen Spielaufbau."

Timing ist das eine, Spielverständnis und Antizipationsvermögen das andere. Beides Kernkompetenzen, die Hasebe für die Liberoposition prädestinieren. Auch deshalb meinte Fredi Bobic nach dem 3:0-Sieg gegen Stuttgart: "Hasebe ist immer schon da, wo die anderen erst hinlaufen müssen." Der Japaner erklärt in der ihm eigenen Zurückhaltung: "Meine Mitspieler laufen ohne Ende. Sie kämpfen. Meine Aufgabe ist nur Abräumen und ein bisschen Spielaufbau."

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Makoto Hasebe - Eintracht Frankfurt

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Das ist möglicherweise die Untertreibung der Saison, aber bezeichnend für das bescheidene Auftreten Hasebes. Das einen ausgeprägten Ehrgeiz allerdings nicht ausschließt. "Wir können auch noch Platz drei erreichen", so Hasebe, angesprochen auf den jüngst erklommenen vierten Platz. Ein erster Schritt in diese Richtung kann am Samstag auf Schalke gemacht werden, wo "auf jeden Fall" mehr als ein Remis für die Hessen herausspringen soll.

"Große Chancen" auf Schalke

Bei den angeknockten Schalkern rechnet sich Hasebe "große Chancen" aus, auch hinsichtlich derer englischer Pokalwoche. Erneut also gutes Timing für Hasebe und die Eintracht. Und wer weiß, vielleicht führt der Weg für Hasebe ja noch einmal zurück in die Champions League. Dann aber möglicherweise nicht ins Theater of Dreams. Manchester United ist aktuell nur Tabellen-Sechster.