Die Eintracht jubelt über das späte Unentschieden gegen Dortmund.

Eintracht Frankfurt feiert den Punktgewinn gegen Borussia Dortmund wie einen Sieg und entfacht zumindest teilweise die Wucht vergangener Tage. Trainer Adi Hütter stellt geschickt um, sorgt aber für Verwirrung. Die Analyse in fünf Punkten.

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zum Video Die Pressekonferenz nach der Partie Eintracht - Dortmund

Eintracht-Trainer Adi Hütter
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Eintracht Frankfurt erkämpft sich beim 2:2 (1:1) gegen den selbsternannten Meisterschaftsanwärter Borussia Dortmund einen verdienten Punkt und darf nach zwei Niederlagen in Folge durchpusten. Axel Witsel (11.) und Jadon Sancho (66.) bringen den BVB zweimal in Führung, Neuzugang André Silva (43.) und ein Eigentor von Thomas Delaney (88.) sorgen aber für die gerechte Punkteteilung.

1. Hütter kann auch defensiv

Nach zwei Pleiten mit insgesamt fünf Gegentoren und teilweise erschreckend viel Platz für die gegnerischen Offensivreihen sah sich Eintracht-Trainer Hütter vor dem Duell mit dem BVB zum Handeln gezwungen. Der bekennende Offensiv-Fanatiker setzte erstmals in dieser Saison primär auf Torabsicherung statt Torerzielung und strich selbst sein beliebtestes Stilmittel, das Pressing, vorerst von der To-do-Liste. 

Für Spielmacher Daichi Kamada rückte mit Gelson Fernandes eine zusätzliche Absicherung ins Mittelfeld. Die Dreierkette um Makoto Hasebe, Martin Hinteregger und den starken Abraham-Ersatz Almamy Touré beschränkte sich im Gegensatz zu den vergangenen Wochen fast ausschließlich auf Abwehrarbeit. Ein ungewohntes Bild in der Frankfurter Arena. "Das hat uns aber gut getan", bescheinigte Mittelfeldrenner Djibril Sow nach Abpfiff. 

2. 35 Minuten Eingewöhnungszeit

Die taktisch notwendige Umstellung  brauchte allerdings einige Zeit, bis sie in den Köpfen und Beinen der Frankfurter Profis ankam und funktionierte. Die angeordnete Vorsicht sorgte, so machte es den Anschein, bei den Spielern zunächst für einige Verwirrung und Unsicherheit. Vorne draufgehen oder doch abwarten? Gegenpressen oder fallenlassen? Die Eintracht hatte in der Anfangsphase zu viel mit sich selbst zu tun und geriet folgerichtig in Rückstand.

Nach vorne fehlte der Mut, in der Rückwärtsbewegung Ordnung und Entschlossenheit. "Der Plan ist erst einmal nicht aufgegangen", gab Hütter später zu. "In den ersten 35 Minuten waren wir überhaupt nicht auf dem Platz." Hätte der BVB nicht plötzlich das gepflegte Kurzpassspiel eingestellt und die Chancen klüger ausgespielt, die Eintracht wäre wohl nie wieder ins Spiel zurückgekommen.

3. Sow und Silva kommen langsam an

Vor allem dank zweier stark verbesserter Neuzugänge hieß es zur Halbzeit jedoch nicht 0:2 oder 0:3 aus Frankfurter Sicht, sondern 1:1. Der zuletzt stark kritisierte Rekordneuzugang Sow deutete im Mittelfeld mit klugen Pässen und giftigen Zweikämpfen seine Klasse an. Torjäger Silva ließ immer wieder seine Torgefährlichkeit und die technischen Fähigkeiten am Ball aufblitzen. Beide zusammen sorgten dann in Co-Produktion für den Ausgleich kurz vor der Pause.

Sow, dem die ordnende Hand von Abräumer Fernandes im Rücken sichtlich gut tat, legte perfekt vor. Silva, der mit Landsmann Goncalo Paciencia besser harmonierte als mit Bas Dost, zog eiskalt ab. "Das freut mich für die beiden", bescheinigte Hütter. "Sow hat die richtige Antwort auf die berechtigte Kritik gegeben. Silva hat enorm viel gearbeitet und den BVB ständig beschäftigt." So kann und muss es weitergehen.

4. Der Zauber ist noch da

Nach der Pause zeigte die Eintracht dann endlich wieder einmal in Ansätzen das Gesicht, das in der vergangenen Saison selbst Spitzenteams wie Benfica Lissabon oder dem FC Chelsea das Fürchten gelehrt hatte. Trotz klarer spielerischer Unterlegenheit, die nach dem Abgang des Dreigestirns Haller-Jovic-Rebic in dieser Runde noch deutlicher zu erkennen ist, entwickelte sich ein Schlagabtausch auf Augenhöhe. Der BVB war mit 63 Prozent Ballbesitz zwar weiter spielbestimmend und ging erneut in Führung, die Eintracht steckte aber nie auf und gab in der Endabrechnung sogar zwei Torschüsse mehr ab als die Gäste (18:16). 

Vor allem in der Schlussphase entwickelte die Eintracht mit Unterstützung der Ränge eine enorme Wucht und erinnerte zumindest teilweise an Auftritte in der vergangenen Europa-League-Saison. Filip Kostic und der eingewechselte Timothy Chandler kurbelten über die Außen an, Silva und die beiden Joker Kamada und Dost sorgten für die Abschlüsse. Dass letztlich ein erzwungenes Last-Minute-Eigentor den Ausgleich brachte, passte ins Bild. "Wenn man bis zum Schluss fightet, sieht man, was möglich ist", so Hütter. "Das fühlt sich an wie ein Sieg."

5. Ein Punkt gegen den Kater

In der Bundesliga-Tabelle steht die Eintracht mit sieben Punkten nach fünf Spielen zwar weiter im grauen Mittelfeld (Rang 9), nach zwei eher schwachen Spielen in Augsburg (1:2) und gegen den FC Arsenal (0:3) kommt der Teilerfolg gegen Borussia Dortmund aber gerade recht. Bei einer weiteren Niederlage wäre der gute Eindruck des Saisonstarts langsam aber sicher in akute Gefahr geraten, die Integration der Neuzugänge wäre mit Sicherheit nicht leichter geworden. "Das ist Balsam auf die Wunden der letzten Tage", zeigte sich deshalb auch Hütter erleichtert. "Das war heute unheimlich wichtig für uns."

Viel Zeit zum Genießen haben die Hessen allerdings nicht. Nach dem Auslaufen am Montag und einem freien Dienstag bleiben gerade einmal zwei Tage Vorbereitung auf das Auswärtsspiel am Freitag bei Union Berlin. Wie unangenehm diese Aufgabe sein kann, weiß nicht zuletzt der BVB: Die Borussia verlor an der Alten Försterei vor rund zwei Wochen mit 1:3.

Weitere Informationen

Eintracht Frankfurt - Borussia Dortmund 2:2 (1:1)

Frankfurt: Trapp - Hinteregger, Hasebe, Toure (83. Chandler) - Fernandes, Kohr (67. Kamad) - Durm, Kostic- Sow - Silva, Paciencia (79. Dost)                   
Dortmund: Bürki - Hakimi, Akanji, Hummels (63. Zagadou), Guerreiro - Witsel, Delaney - Sancho (72. Brand), Reus, Hazard - Alcacer (76. Götze)

Tore: 0:1 Witsel (11.), 1:1 Silva (43.), 1:2 Sancho (66.), 2:2 Delenay (88./ET)
Gelbe Karten: Toure, Chandler - Hakimi, Hummels

Schiedsrichter: Schmidt (Stuttgart)
Zuschauer: 51.000  

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