Andre Silva trifft für Eintracht Frankfurt gegen Bremen

Nach einer gruseligen ersten Hälfte holt Eintracht Frankfurt dank starker Joker einen Punkt gegen Werder Bremen. Für ganz oben ist das zu wenig, Adi Hütter sollte über eine andere Startelf nachdenken. Die Analyse in fünf Punkten.

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Eintracht Frankfurt hat am Samstag zum dritten Mal in Folge nicht gewonnen. Die Hessen kamen im eigenen Stadion nicht über ein 1:1 (0:0) gegen Werder Bremen hinaus und stecken im Bundesliga-Mittelfeld fest. Josh Sargent brachte die Gäste in Führung (51. Minute), André Silva glich aus (65.).

1. Grusel-Halbzeit zu Halloween

Im ersten Frankfurter Geister-Heimspiel dieser Saison taten zunächst beide Teams alles dafür, dass keiner der daheimgebliebenen Fans den Besuch im Stadion ernsthaft vermisste. Die Eintracht und Werder spielten so, wie sich ein Leben in Zeiten von Corona und Teil-Lockdown anfühlt: Alles, was Spaß macht, findet nicht statt. Die Sicherheit steht über allem.

Heißt: Kreative Spielzüge oder überraschende Ideen blieben Mangelware. Sobald der Abstand zum gegnerischen Tor gefährlich zusammenschrumpfte, versagten entweder Nerven, Beine oder Talent. In den gesamten ersten 45 Minuten flogen zwei (!) Schüsse aufs Tor. Einer auf Seiten der Bremer, einer auf Frankfurter. Mehr war nicht. "Mit der Anfangsphase war ich nicht zufrieden. Wir haben zu ideenlos, kompliziert und behäbig gespielt", bemängelte Trainer Adi Hütter. Kurzum: eine Halbzeit zum Wegnicken.

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2. Zu viel Handwerk, zu wenig Mut

Insgesamt präsentierte sich die Eintracht gegen den Fast-Absteiger der vergangenen Saison ähnlich behäbig wie schon gegen Bielefeld (1:1) oder Köln (1:1). Spielkontrolle: ja, viele Chancen: nein. Die Mannschaft von Coach Hütter erspielte sich über 90 Minuten 72 Prozent Ballbesitz und dominierte die Partie. Die Überlegenheit spiegelte sich aber nicht im Ergebnis wider.

Und das lag wieder einmal am Mangel an Kreativität, Tempo und vor allem Mut in der Offensive. Die Hessen rannten zwar immer wieder an, große Probleme bereiteten sie der Werder-Abwehr aber nur höchst selten. Kostic-Ersatz Steven Zuber blieb ebenso wirkungslos wie Almamy Touré oder lange Zeit Daichi Kamada. Warum Stefan Ilsanker, der zwar viele Zweikämpfe gewinnt, aber ebenso viele Fehlpässe spielt, erneut den Vorzug vor einem technisch stärkeren Mittelfeldspieler erhielt, bleibt Hütters Geheimnis.

Die Eintracht hat das Potenzial, Teams wie Bielefeld, Köln oder Bremen an die Wand zu spielen. Allein: Sie zeigt es zu selten und agiert oft zu ängstlich.

3. Die Joker gehen voran

Dass es auch anders geht, bewiesen Amin Younes und Aymen Barkok. Die beiden Offensiv-Spieler, die in dieser Spielzeit noch nicht in der Startelf standen, sorgten nach ihrer Einwechslung für jede Menge Belebung und gaben wenige Minuten nach dem Gegentor durch Sargent die richtige Antwort. Younes und Barkok, die die beiden Außenbahnen besetzten, schmissen sich in Zweikämpfe, scheuten keine Eins-gegen-eins-Duelle und setzten die Werder-Defensive selbst nach Ballverlusten unter Druck.

Eine dieser Aktionen, ein konsequentes Nachsetzen von Barkok, führte zum Ausgleich. Der marokkanische Nationalspieler eroberte den Ball am gegnerischen Strafraum und legte quer zu Kamada. Der Japaner bediente Silva, der nur noch einschieben musste. "Mit Amin und Aymen wurde unser Spiel besser", fasste Sebastian Rode zusammen. Younes und Barkok bringen ein Element mit, das im Spiel der Hessen oft fehlt: Sie tun Dinge, die nicht vorhersehbar sind. Beide hätten sich deshalb einen Einsatz von Beginn an verdient, der Eintracht würde es guttun.

4. Auf Silva ist Verlass

Einer, der ohnehin immer von Beginn an spielt und gar nicht mehr wegzudenken ist aus Frankfurt, ist Torjäger Silva. Der Portugiese, der unter der Woche etwas großspurig von der Champions League geträumt hatte, erzielte gegen Werder im siebten Pflichtspiel dieser Saison seinen fünften Treffer. Nach der Corona-Pause war Silva in 17 Partien an 15 Toren direkt beteiligt. Ein Top-Wert.

"André Silva hat eine gute Entwicklung genommen und heute nicht nur das 1:1 erzielt, sondern sich dieses auch hart erarbeitet", lobte Hütter die Frankfurter Lebensversicherung. Der 24-Jährige hat sich in seiner zweiten Saison endgültig zur zentralen Figur im Frankfurt Team gemausert und gehört inzwischen zu den besten Stürmern der Liga. Dass sich Silva so verbessert hat, ist absolut positiv. Dass die Eintracht momentan komplett von ihm abhängig ist, ist gefährlich und ein weiteres Indiz für die – zumindest in der aktuellen Formation – zu harmlose Offensive.

5. Eintracht steckt im Mittelfeld fest

Da Trainer Hütter vor der Partie von richtungsweisenden Wochen bis zur Länderspielpause sprach, ist spätestens nach dem kommenden Spieltag Zeit für ein Zwischenfazit. Derzeit stehen die Hessen mit zwei Siegen, drei Remis und einer Niederlage auf Platz neun. Der Tabellenkeller ist weiter entfernt als die internationalen Plätze, mit etwas mehr Mut und Konzentration wären Siege gegen Bielefeld, Köln sowie Bremen und damit ein sehr viel besserer Tabellenplatz allerdings ohne Probleme möglich gewesen.

"Wir hatten einen soliden Saisonstart, haben aber einige Punkte liegengelassen", brachte es Mittelfeldrenner Rode auf den Punkt. Am nächsten Spieltag reist die Eintracht zu Aufsteiger Stuttgart. Der VfB ist ordentlich in die Saison gestartet und steht derzeit vor den Hessen. Die Eintracht hat es aber auch im Schwabenland selbst in der Hand. Eine mutigere und offensivere Spielweise sowie die richtigen Spieler auf dem Platz vorausgesetzt.

Sendung: hr-fernsehen, heimspiel! Bundesliga, 31.10.20, 21.45 Uhr