Die Eintracht-Spieler nach dem Abpfiff

Die Eintracht lernt gegen Inter Mailand, wie europäischer Spitzenfußball funktioniert und erspielt sich gute Chancen auf eine weitere Europacup-Party. Der Schiedsrichter wird wohl nicht auf der Gästeliste stehen. Die Analyse in fünf Punkten.

Eintracht Frankfurt erkämpft, erarbeitet und erspielt sich im Achtelfinal-Hinspiel der Europa League ein 0:0 gegen Inter Mailand. Vor erneut atemberaubender Kulisse sehen die Hessen zunächst eher schlecht und dann sehr gut aus. Besonders viel Applaus gibt es für Torwart Kevin Trapp, der einen Elfmeter hält (22. Minute).

Frankfurt feiert den Europapokal

Von der Polizei und Innenminister Peter Beuth (CDU) als Risikospiel tituliert, von den Fans wieder einmal mit Haut und Haaren zelebriert: Auch das Achtelfinal-Hinspiel der Eintracht gegen Inter Mailand hat sich einen Ehrenplatz im Veranstaltungskalender der Stadt Frankfurt verdient. Nach der kurzfristigen Choreo-Absage vor genau 14 Tagen gegen Donezk wurde der Einlauf der Teams dieses Mal wieder von einem pompösen Rahmen ummalt.

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Adi Hütter
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Fahnen im ganzen Stadion, ohrenbetäubender Lärm und eine schier ausflippende Fankurve zu Beginn, dann lautstarke Unterstützung über die gesamten 90 Minuten. Mehr zur Schau gestellte Freude auf und über die von anderen Vereinen belächelte Europa League geht nicht. "Die Stimmung war wieder unfassbar. Was auf den Rängen los ist, diese Choreo, das ist einfach unbeschreiblich", schwärmte Torhüter Trapp nach Abpfiff. "Dieses Jahr toppt noch einmal alles."

Inter präsentiert sich als Spitzenteam

Blöd nur, dass die einzigen elf Personen im Stadion, die die Atmosphäre völlig kalt ließ, graue Inter-Mailand-Trikots trugen und gegen Eintracht Frankfurt Fußball spielten. Die Gäste aus Italien, die genau wie der vorherige Frankfurter Gegner Schachtar Donezk die Saison in der Champions League begonnen hatten, präsentierten sich von Beginn an wie ein Team von internationalem Format. Inter presste, Inter spielte viele kluge Pässe, Inter verlor nicht einen Ball. Kurzum: Inter machte der Eintracht große Probleme.

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Sebastian Rode
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"Das war richtig hohes europäisches Niveau", fasste Vorstand Axel Hellmann den Spitzenfußball-Crashkurs zusammen. Die Eintracht, die von der offensiven Herangehensweise der Nerazzurri etwas überrascht schien, agierte im ersten Durchgang viel zu mutlos und abwartend. Der fußballerische Coitus Inter-ruptus blieb letztlich nur dank Keeper Trapp und dessen Elfmeter-Glanztat gegen Marcelo Brozovic aus.

Schiedsrichter bringt Hütter zum Kochen

Apropos Elfmeter: Schiedsrichter William Collum aus Schottland zog sich mit der Auslegung gleich zweier Szenen den Zorn einer ganzen Stadt zu. Im ersten Durchgang zeigte er nach ungestümem Einsteigen von Gelson Fernandes auf den Punkt, im zweiten Durchgang verweigerte er in einer ähnlichen Szene Sébastien Haller einen Strafstoß (53.). Beide Elfmeter kann man geben, beide Elfmeter muss man nicht geben. Einmal so und einmal so zu entscheiden stieß vor allem bei Eintracht-Coach Hütter auf eher wenig Verständnis. "Wenn man in der ersten Halbzeit den Elfmeter gibt, dann war der Elfmeter in der zweiten Halbzeit an Haller der klarere", analysierte er nach Schlusspfiff sachlich.

Während des Spiels hatte der sonst so besonnene Vorarlberger seinem Unmut noch deutlich aggressiver, nämlich mit einem beherzten Tritt gegen eine Getränkeflasche, Luft gemacht. Folge: Hütter wurde von Collum auf die Tribüne verbannt. "Für dieses Verhalten muss ich mich entschuldigen, das gehört sich nicht", zeigte sich Hütter reumütig. Eine Entschuldigung des Unparteiischen soll es nicht gegeben haben.

Mutmacher zweite Hälfte

Dass die Laune Hütters trotz seines Platzverweises am Ende des Abends wieder besser wurde, lag vor allem am zweiten Durchgang. Nach einer von vielen Spielern gelobten Halbzeitansprache und einer kleinen taktischen Änderung im Mittelfeld bewies die Eintracht, dass sie auch in der europäischen Feinkostabteilung eine absolute Daseinsberechtigung hat. Mit mehr Risiko bei der Ballgewinnung und endlich wieder dem typischen schnellen Umschaltspiel über die Außen schafften die Hessen das, was der Choreo nicht gelungen war: Sie hinterließen Eindruck bei Inter Mailand. So viel Intensität und Offensivpower sehen auch die Haudegen aus Mailand offenbar nicht so oft.

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Gelson Fernandes
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"Der Trainer hat uns in der Halbzeit wachgerüttelt", berichtete Sebastian Rode. "Dann haben wir befreit aufgespielt und hatten Chancen." Die mit Abstand beste vergab der erneut überragende Innenverteidiger Martin Hinteregger, der einen Kopfball aus fünf Metern am Tor vorbeisetzte (70.). "Den muss ich machen", gab er später zu. Lange gehadert wurde dennoch nicht.

Vorteil Frankfurt?

Denn trotz der verpassten Möglichkeit, mit einem Sieg im Gepäck nach Norditalien zu reisen, überwog bei Spielern und Verantwortlichen nach Abpfiff die Zuversicht. Makoto Hasebe bezifferte die Chancen auf das Erreichen des Viertelfinals auf "51 Prozent". Trapp und Rode verwiesen auf die mindestens 13.500 Frankfurter Fans im Rücken und den Vorteil, keinen Auswärtstreffer kassiert zu haben. "Wir müssen nur ein Tor machen, dann sieht es gut aus." Ein Remis (außer 0:0, dann gibt’s Verlängerung) würde bekanntlich schon reichen.

"Jetzt kommt es zum Showdown", richtete Hellmann deshalb den Blick schon jetzt auf den kommenden Donnerstag (21 Uhr), wenn die Eintracht wieder einmal auf der ganz großen Bühne im Rampenlicht stehen wird. "Es gibt ein Endspiel. Und wir haben im Mai gesehen, dass wir Endspiele können."

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Eintracht Frankfurt - Inter Mailand 0:0

Frankfurt: Trapp - Hinteregger, Hasebe, N'Dicka - da Costa, Rode (77. Willems), Fernandes, Kostic - Gacinovic - Haller (80. Paciencia), Jovic

Mailand: Handanovic - D'Ambrosio, de Vrij, Skriniar, Asamoah - Vecino, Brozovic - Valero (80. Cedric) - Politano, Martinez,  Perisic (59. Candreva)

Tore: Fehlanzeige
Gelbe Karten: Hasebe, Fernandes, Kostic / Asamoah, Marinez, Candreva
Besondere Vorkommnisse: Trapp hält Foulelfmeter von Brozovic (22.)

Schiedsrichter: Collum (Schottland)
Zuschauer: 48.000 (ausverkauft)

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