Martin Hinteregger ist frustriert

Eintracht Frankfurt holt gegen Berlin einen Zwei-Tore-Rückstand auf und erspielt sich ein 2:2. Die Leistung im zweiten Abschnitt und Martin Hintereggers Torjäger-Qualitäten machen Hoffnung, der Sturm und der Schiedsrichter sorgen für Frust. Die Analyse in fünf Punkten.

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Adi Hütter in der PK
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Eintracht Frankfurt hat am Freitagabend gegen Hertha BSC einen 0:2-Rückstand aufgeholt und am Ende noch 2:2 (0:1) gespielt. Nach Treffern von Dodi Lukebakio (30. Minute) und Marko Grujic (63.) gelang den Hessen durch Tore von Martin Hinteregger (65.) und Sebastian Rode (86.) noch der späte, aber verdiente Ausgleich.

1. Mit Willen und Fitness zum Ausgleich

Als die 50.000 Zuschauer in der Frankfurter Arena im Stadtwald in der 63. Minute auf den großen Videowürfel blickten, sahen sie ein Ergebnis das dem Spielverlauf - vorsichtig ausgedrückt - nicht wirklich gerecht wurde. Die Eintracht lag zu diesem Zeitpunkt durch Tore von Dodi Lukebakio (30.) und Marko Grujic (63.) mit 0:2 hinten - und keiner wusste, warum. Die Hessen waren überlegen, machten das Spiel, belohnten sich aber nicht. Die Berliner verteidigten, hatten wenig Ballbesitz und machten die Tore.

Wer nun aber glaubte, die Frankfurter würden sich nach all den Rückschlägen in der Bundesliga in den vergangenen Wochen in ihrem Schicksal ergeben, wurde im zweiten Abschnitt eines besseren belehrt. Die Hessen drückten die Hertha noch mehr an die Wand und kamen durch Willen und Fitness und zwei Toren von Martin Hinteregger (65.) und Sebastian Rode (86.) noch zum Ausgleich. Besonders der physische Aspekt überraschte dann doch, haben die Frankfurter in dieser Hinrunde doch schon elf Pflichtspiele mehr in den Knochen als die Berliner. "Die Eintracht hat in der zweiten Halbzeit viel Druck gemacht", stellte Hertha-Coach Jürgen Klinsmann hinterher fest. Dieser Aufwand wurde belohnt.

2. Keinen Punkt gewonnen, sondern zwei verloren

Trotz des späten Ausgleichs war es nach dem Spiel aber mitnichten so, dass sich die Frankfurter über den Punktgewinn richtig freuen konnten. Die Hessen hatten insgesamt 64 Prozent Ballbesitz und waren besonders in der zweiten Halbzeit teilweise drückend überlege, fanden gegen die tiefstehende Fünferkette der Klinsmann-Elf aber nicht immer die richtigen Lösungen. 

Die Berliner hingegen kamen im gesamten Spiel nur dreimal gefährlich vor das Tor von Frederik Rönnow, waren bei der Chancenverwertung jedoch eiskalt. "Für den Aufwand war das heute zu wenig Ertrag. Wir hätten das Spiel gewinnen müssen", stellte Eintracht-Coach Adi Hütter ernüchtert fest. Selbst nach dem 2:2 durch Rode drängten die Hessen auf einen weiteren Treffer. Mehr als das Remis sprang aber nicht heraus. "Dieser Punkt ist mehr als verdient", befand zumindest Eintracht-Mittelfeldmotor Gelson Fernandes.

3. Der Schiedsrichter im Mittelpunkt

Zu den zwei regulären Treffern der Gastgeber gesellten sich an diesem teilweise wilden Fußball-Abend im Stadtwald auch zwei Tore, denen Schiedsrichter Christian Dingert die Anerkennung verweigerte. Nach einem Treffer von Daichi Kamada kam der Unparteiische nach Rücksprache mit dem VAR zu der durchaus vertretbaren Auffassung, dass zuvor ein Foulspiel von Filip Kostic vorlag (38.). Auch beim zweiten nicht gegeben Tor soll ein Foul im Spiel gewesen sein. Diese Entscheidung war da schon deutlich fragwürdiger.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Eintracht spielt unentschieden gegen die Hertha

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Es lief die 71. Minute. Rode hatte das Spielgerät gerade per Bogenlampe in Richtung des Berliner Gehäuses geflankt. Thomas Kraft im Tor der Hertha lenkte daraufhin den Ball reichlich ungelenk in das eigene Tor. Da André Silva den Keeper dabei aber leicht am Rücken berührte, gab Dingert das Tor nicht und schaute sich die Szene danach auch nicht mehr am Video-Monitor an. Zum Unverständnis aller, die es mit der Eintracht halten. Zu diesen zwei Szenen kamen noch zusätzliche Kleinigkeiten, die Hütter, der nach dem Spiel lange auf Dingert einredete, zu dem Schluss kommen ließen: "Ich habe heute keine gute Schiedsrichter-Leistung gesehen." 

4. Hinteregger ersetzt den Eintracht-Sturm

Keine gute Leistung: Diese Beschreibung trifft seit Wochen auch auf den Angriff der Frankfurter zu. Seit dem 5:1 gegen den FC Bayern vor nun schon mehr als einem Monat warten die Hessen auf ein Stürmer-Tor. Auch gegen die Hertha hingen Silva und Goncalo Paciencia die meiste Zeit in der Luft. Besonders Silva wirkte bis zu seiner Auswechslung einmal mehr wie ein Fremdkörper im Spiel der Hessen. Kein Wunder also, dass auch gegen den Club aus der Hauptstadt die gefährlichsten Aktionen von anderen Spielern kreiert wurden.

Und ein Mann sticht dort nun schon seit mehreren Wochen hervor: Hinteregger. Gegen die Hertha köpfte der Innenverteidiger bereits seinen fünften Saisontreffer. Der Österreicher steht damit in der internen Torjägerliste auf Platz zwei, weit vor Bas Dost (3) und Silva (3) und nur knapp hinten Paciencia. Schön für ihn, kein gutes Zeichen für die Frankfurter Offensive. Hält die Sturm-Flaute an, muss Hinteregger auch in den nächsten Partien in die Bresche springen. "Martin muss einfach weiter Tore machen", forderte Fernandes daher mit einem Augenzwinkern. Für die Eintracht wäre es aber wichtig, dass ihn die Offensiv-Abteilung dabei schon bald wieder tatkräftig unterstützt.

5. Willkommen im Niemandsland der Tabelle

18 Punkte nach 14 Spielen, Tabellenplatz zehn. Durch das Remis gegen Berlin ist die Eintracht endgültig im Niemandsland der Bundesliga-Tabelle angekommen. Die Frankfurter sind aktuell auf dem besten Weg, sich im Mittelfeld des Tableaus dauerhaft einzunisten. Durch die Negativ-Serie der vergangenen Spiele haben die Hessen den Kontakt an die internationalen Plätze mittlerweile verloren, der durchaus gute Saisonstart sorgt aber immer noch dafür, dass sich die Abstiegsplätze in weiter Ferne befinden.

Mittlerweile ist klar, dass die Frankfurter zwar immer wieder für absolute Ausnahmeleistungen - bei Nachfragen gerne an Leverkusen und die Bayern wenden - zu haben sind, mit dem tristen Bundesliga-Alltag aus Wolfsburg, Mainz oder Berlin im Gegensatz zur vergangenen Saison aber merklich ihre Probleme haben. Zum Abschluss des Jahres warten nun noch der FC Schalke, der 1. FC Köln und der SC Paderborn auf die Hütter-Elf. Dort kann die Eintracht noch beweisen, dass sie keine Lust auf dauerhaftes Niemandsland hat.