Luka Jovic von Eintracht Frankfurt beim Spiel gegen Chelsea.
Raus mit der Freude: Luka Jovic bejubelt seinen Treffer zum zwischenzeitlichen 1:0. Bild © Imago Images

Spieler und Fans von Eintracht Frankfurt liefern gegen Chelsea die nächste Liebeserklärung an die Europa League und belohnen sich mit einer Rest-Chance aufs Finale. Einziges Problem: Die Blues sind wirklich gut. Die Analyse in fünf Punkten.

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Eintracht Frankfurt erkämpft, erköpft und ermauert sich ein 1:1-Remis gegen den FC Chelsea und darf weiter vom Europa-League-Finale träumen. Im letzten internationalen Auftritt vor heimischem Publikum in dieser Saison sorgt zunächst Luka Jovic für einen neuen Dezibel-Rekord (23.), Pedro (45.) wird zum Spielverderber. (Hier können Sie den Live-Ticker nachlesen)

Eine Abschiedsparty als Bewerbung

Es wird zwar langsam zur Gewohnheit, Routine ist es deshalb aber noch lange nicht: Auch das siebte Europa-League-Heimspiel der Frankfurter Eintracht entwickelte sich zu einem Emotions-Feuerwerk. Vor Anpfiff präsentierten die noch immer komplett euphorisierten Fans die größte jemals in Frankfurt gesehene Blockfahne und verwandelten das Stadion erneut in ein schwarz-weißes Fahnenmeer. Es folgten ohrenbetäubender Lärm während und nicht enden wollende Sprechchöre nach der Partie.

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Mehr Liebe und Leidenschaft für die Europa League hat es wohl nie gegeben. Stadt und Verein bewiesen wieder einmal, dass sie eine Bereicherung für diesen von den meisten Teams eher als lästige Pflicht angesehenen Wettbewerb sind. "Die Fans haben uns mit ihrer fantastischen Choreo wieder einmal angesteckt", lobte Frankfurts Trainer Adi Hütter den sprichwörtlich zwölften Mann an diesem Abend. "Das war beeindruckend!"

Frankfurter Mentalitätsmonster

Ebenso bemerkenswert war jedoch, was sich dann auf dem Rasen abspielte. Die Eintracht, die in der Bundesliga zuvor dreimal nicht gewinnen konnte und teilweise doch sehr müde wirkte, zeigte wieder ihr schönstes Europa-Gesicht. Trotz offensichtlicher Unterlegenheit gegen das Spitzenteam aus London, bei dem Superstar Eden Hazard zunächst auf der Bank Platz nahm, entwickelte sich ein Spiel auf Augenhöhe. Der Grund: Mentalität schlug zunächst wieder einmal Talent.

Die Eintracht, die in Abwesenheit des gesperrten Ante Rebic und des verletzten Sébastien Haller mit nur einer Spitze antrat, bewies Mut und Leidenschaft. Aggressives Pressing, kein Erbarmen in den Zweikämpfen, schnelles Umschaltspiel: Mit diesen Zutaten stellten die Hessen ihre Gäste aus London vor allem in der Anfangsphase tatsächlich vor Probleme. Als Luka Jovic eine Flanke von Filip Kostic zur Führung veredelte (23. Minute), lag sogar die ganz große Überraschung in der Luft.

Chelsea präsentiert sich als Spitzenteam

Allzu lange währte die Hoffnung auf einen Sieg im Halbfinal-Hinspiel jedoch nicht. Denn sobald Chelsea ernst machte, wurde es im Frankfurter Strafraum brenzlig. Pedro (27.), Willian (35.), der überragende Ruben Loftus-Cheek (42./54./74.), David Luiz mit einem Lattenknaller (60.) oder Joker Hazard (76.) tauchten gleich mehrfach gefährlich vor Eintracht-Keeper Kevin Trapp auf. Zwar vermochte letztlich nur Pedro den Frankfurter Defensivriegel mit seinem Treffer kurz vor dem Halbzeitpfiff zu knacken (45.), die klar bessere und reifere Mannschaft waren dennoch die Londoner.

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"Wir haben heute gesehen, dass Chelsea stark ist. Sie sind noch eine Stufe höher als Inter oder Benfica", verbeugte sich Makoto Hasebe vor so viel Klasse auf Seiten der Londoner. 16:6 Torschüsse, 67 Prozent Ballbesitz und mehr als doppelt so viele angekommene Pässe belegen diese These. Der FC Chelsea ist nur schwer zu stoppen.

Hinteregger sei Dank: Der Traum vom Finale lebt

Wie man die in Gelb spielenden Blues zumindest ärgern kann, demonstrierte Martin Hinteregger wohl am besten. Der Österreicher beharkte sich über 90 Minuten mit Weltmeister Olivier Giroud und dürfte auch in den Albträumen des Franzosen eine Hauptrolle spielen. Dass der Mittelstürmer überhaupt nicht zur Geltung kam, war letztlich auch ein Grund dafür, dass die Eintracht am Ende nicht verlor und noch immer vom Einzug ins Endspiel träumen darf.

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Hoffnung macht zudem, dass sich die Hessen nach fast einstündigem Belagerungszustand und aufopferungsvollem Defensiv-Kampf in der Schlussphase noch einmal aufrafften und sogar Möglichkeiten zum 2:1 hatten. Eine Mission Impossible, das bewiesen die letzten zehn Minuten der Partie, ist das Toreschießen und das Weiterkommen gegen Chelsea definitiv nicht. Die Rückkehr von Ante Rebic und die "zumindest nicht ausgeschlossene" Blitzheilung von Sébastien Haller verstärken den Frankfurter Optimismus zusätzlich. Ob die Chancen, wie von Innenverteidiger Hinteregger propagiert, tatsächlich "sehr gut" sind, sei mal dahingestellt.

Und die Bundesliga?

Bei aller Euphorie und Freude über eine weitere ernstzunehmende Europapokal-Reise und ein Pflichtspiel mit Überraschungs-Ambitionen an der altehrwürdigen Stamford Bridge darf jedoch auch die Bundesliga nicht vergessen werden. Nur drei Tage nach dem Chelsea-Kracher müssen die von Krämpfen geschüttelten Frankfurter Berufsfußballer am Sonntag (18 Uhr) bei Champions-League-Konkurrent Bayer Leverkusen antreten. Eine Niederlage ist verboten, Beine in Topform nach diesen Belastungen aber fast unmöglich.

"Wir haben schon 46 Spiele gemacht, das habe auch ich noch nicht erlebt", schüttelte Routinier Hasebe nach Abpfiff den Kopf. Die Erschöpfung der Spieler ist ebenso sichtbar wie verständlich. Für den Endspurt auf nationaler und internationaler Bühne müssen jetzt aber noch einmal alle Kraftreserven mobilisiert werden. "Die anderen Spieler sind ja alle jünger als ich", so Hasebe: "Und ich hoffe, dass wir noch fünf weitere Spiele haben." Der kühne Mathematiker erkennt: Das fünfte wäre das Finale in Baku.