Luka Jovic

Luka Jovic kehrt zu Eintracht Frankfurt zurück. Der Transfer birgt viele Fragezeichen. Und ein großes Plus: Er emotionalisiert das Umfeld wie kein anderer.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found So klangen Jovics schönste Eintracht-Tore

Jovic jubelt
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Es ist ja nur ein kurzer Clip. Ein Kameraschwenk durch die leere Frankfurter Arena, Windgeräusche, der Videowürfel. Dann der Perspektivwechsel auf Luka Jovic, der in die Selfie-Kamera grinst und "Ich bin zurück!" sagt, garniert mit ein paar Jubelfotos im Anschluss. Fünf Sekunden Video nur, die Eintracht Frankfurt am Donnerstag auf Twitter teilte, und drei Worte, die für die Fans von Eintracht Frankfurt viel mehr sind als das. Sie sind ein Versprechen.

Seit Anfang der Woche war bereits klar, dass Jovic von Real Madrid zu Eintracht Frankfurt zurückkehrt. Ebenjener Jovic, der für die Hessen zwischen 2017 und 2019 36 teils spektakuläre Pflichtspieltore schoss, den Pokal gewann und gemeinsam mit Ante Rebic und Sebastien Haller die Büffelherde und – das ist nicht zu hoch gegriffen – eine der erfolgreichsten Phasen der Frankfurter Vereinsgeschichte prägte. Bevor er dann, wie das Leben und der Fußball so spielen, zu Real Madrid ging – für viel Geld und, wie es stets schien, mit einem leicht gebrochenen Herzen.

Fußball bleibt ein Geschäft mit Träumen

Und der nun, wie das Leben so spielt, wieder zurückkommt, wenngleich erst einmal nur bis zum Sommer. Und klar, ein Transfer mit Fragezeichen. Jovic hat bei Real stets gefremdelt, zuletzt kaum gespielt, und wenn, dann nicht sonderlich erfolgreich. Sein Fitnesszustand ist unklar, auch wird er sich in Frankfurt hinter André Silva einreihen müssen. Der Wechsel, so viel ist sicher, birgt viele Unbekannte.

Aber welcher Wechsel tut das nicht? Und: Bei allen Fragezeichen hat Jovics Rückkehr einen entscheidenden Vorteil: Sie ist unglaublich emotional. Denn bei allem harten Business, Fußball bleibt ein Geschäft mit Träumen, nicht weniger. Ein mehr oder minder explizites Versprechen, dass die Dinge – der Klub, sein Abschneiden – besser werden, gerichtet an jene, die ihr Herz an den Verein hängen. Allzu oft bleiben derlei Versprechen uneingelöst. Doch einige wenige Male in einem Fanleben eben nicht.

Einer, dem man den Wappenkuss glaubt

Jovic war in Frankfurt schon einmal ein Gesicht eines solchen eingelösten Versprechens. Einer, der die Fans träumen ließ, ein Weltstar in spe, der die Eintracht per Hacke ins DFB-Pokalfinale schoss und dann in Berlin an der Seitenlinie mitsprintete, bis der Ball zum Pokalsieg im Tor lag. Einer, der fünf Tore in einem Spiel machte, der in Frankfurter Cafés Eintracht-Lieder sang, "schwarz-weiß-rot", wie er mal 11freunde.de erzählte, und dem man den Kuss aufs Wappen nach dem Tor stets glaubte.

Sportlich eine Sensation, menschlich den Fans besonders nah, weil er sie ebenso brauchte wie sie ihn. Sie, die ihm das Umfeld gaben, durchzustarten. Er, der das dann tat und den Club auf ein neues Level hob. Ein Geben und Nehmen von Zuneigung, eine Rückkopplung aus Schicksal, Liebe und Leistung, ohne die Jovics Karriere so nicht möglich gewesen wäre.

Und Jovics Rückkehr auch nicht. Um wieder bei der Eintracht spielen zu können, schlug Jovic zahlreiche Angebote größerer Clubs aus, "es war sein großer Wunsch, zur Eintracht zurückzukehren", sagte Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic. Jovic entschied sich für die Nestwärme, fürs, wahrscheinlich ist das wirklich mehr als eine Floskel, Nachhausekommen. Auch deshalb ist die Rückkehr für die Anhänger so emotional: Sie sind ein Teil davon.

Eine viel größere Wucht als ein schnöder Transfer

In diesem Sinne ist der Wechsel von Jovic mehr als nur ein Wechsel, und darin liegt – neben dem galaktischen sportlichen Potential Jovics – seine eigentliche Kraft. Derlei Allianzen aus Fans und Spielern sind selten, und wenn sie funktionieren, haben sie eine viel größere Wucht als sie ein schnöder Transfer je haben könnte. Zumal bei einem emotionalen Club wie Eintracht Frankfurt. Das kann man für Fußballromantik halten, aber die Europacup-Saison 2018/19 der Eintracht, als Mannschaft und Fans zu einer Einheit wurden, ist der beste Beweis dafür. Jovic nannte das in "Player’s Tribune" "an incredible feeling of togetherness", ein unglaubliches Gefühl von Zusammengehörigkeit.

Entsprechend euphorisch fielen die Reaktionen der Fans aus, als der Wechsel am Donnerstag verkündet wurde. Der verlorene Sohn, der potentielle Weltklassestürmer, einer der ihren. Kein anderer Transfer hätte die Frankfurter Fans so entzünden, so emotionalisieren können wie jener von Jovic, und es ist eine kosmische Ungerechtigkeit, dass seine Rückkehr vor leeren Rängen stattfinden wird. Der Transfer sei ein "Signal nach außen", sagte Hütter am Dienstag, und reicht Jovic an sein sportliches Potential heran, stimmt das unbedingt. Er ist aber vor allem ein Signal an die Fans: Träumt!