Jakic Lindström

Eintracht Frankfurt schlägt das Überraschungsteam aus Freiburg. Dank einem Messer zwischen den Zähnen, einem Top-Techniker und dem Glück des Tüchtigen. Die Analyse in fünf Punkten.

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Eintracht Frankfurt hat den zweiten Auswärtssieg in Serie gefeiert und beim SC Freiburg mit 2:0 (2:0) gewonnen. Jesper Lindström erzielte in der 34. Minute das 1:0 für die Frankfurter, Filip Kostic erhöhte vor der Pause mit einem direkt verwandelten Freistoß (43.).

1. Die Leidenschaft stimmt

Eintracht Frankfurt hat sich in den letzten Jahren – Kevin-Prince Boateng und den Büffeln sei Dank – den Ruf einer unangenehm zu bespielenden Mannschaft erarbeitet. In dieser Saison schien das Gallige den Hessen mitunter jedoch abzugehen. Nicht so am Sonntag. Die Spieler waren vom Start weg da, flogen in die Zweikämpfe und bearbeiteten die Freiburger in jeder Minute. Exemplarisch, wie der völlig entnervte SCF-Stürmer Lucas Höler schon in der ersten Halbzeit wütend um sich schlug, als er von Lindström gefoult wurde.

Ohne diese Bissigkeit ist Eintracht Frankfurt nur eine halbe Mannschaft. Umso schöner, dass die Hessen – in der Zentrale angeführt von Kristijan Jakic, der seine Zweikämpfe mit dem Messer zwischen den Zähnen führt – zu alten Tugenden zurückgefunden haben: Kampf, Einsatz, Leidenschaft. In Freiburg lief jeder für den anderen, war sich niemand zu schade, ein paar Meter extra zu gehen, und das gepaart mit einer erstaunlichen taktischen Disziplin. "Mit welcher Leidenschaft die Spieler den Strafraum verteidigt haben, immer wieder hat sich einer dazwischengeworfen, das war ein super Sieg heute", lobte Eintracht-Coach Oliver Glasner zurecht.

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2. Der Schritt nach vorne

Größtes Problemfeld der Hessen in der laufenden Saison war jedoch das Spielerische. Zu sehr war das Spiel auf Filip Kostic zugeschnitten, der Umerziehungsprozess unter Glasner, der vermehrt flaches Spiel in die Spitze fordert, gestaltet sich zäher als gedacht. Doch auch in dieser Hinsicht war das Spiel gegen den SC Freiburg ein Mutmacher. "Wir haben immer wieder die Räume gefunden, uns aus engen Situationen befreit und Torchancen kreiert", so Glasner. "Wir haben gezeigt, wie ballsicher wir agieren können. Das war ein großer Schritt nach vorne."

Damit hat er nicht Unrecht, die Wahrheit ist aber auch: Bei allen spielerischen Fortschritten geriet auch in Freiburg die letzte Aktion oft zu schlampig. Die Eintracht hatte in der zweiten Halbzeit gleich mehrere Konterchancen, um den Deckel draufzumachen, ließ aber beim letzten Abspiel die nötige Konsequenz vermissen. Das darf gerne noch besser werden.

3. Das Glück des Tüchtigen

Allerdings: geschenkt. Denn die Mischung aus leidenschaftlicher und disziplinierter Defensive und Fortschritten in der Offensive reichte, um einen nicht unverdienten Sieg einzufahren. Vor allem auch, weil die Eintracht in den entscheidenden Phasen das nötige Spielglück hatte. Bei Lindströms Treffer zum 1:0 sprang der Ball von einem Freiburger Bein in den Lauf des Dänen, der dann cool vollstreckte. Beim 2:0 durch Kostic segelte der Freistoß des Serben an allen vorbei ins lange Eck. Was die Spieler an Konter liegen ließen, machte an diesem Sonntag Bruder Zufall wett.

Und das auch in der Defensive. Einmal klatschte der Ball an die Eintracht-Latte, zweimal wurde er von der Linie gekratzt. Aber: Um so glücklich zu stehen, damit man den Ball von der Linie schlagen kann, muss man zuvor die entsprechenden Meter eben auch machen. "Das war das Glück des Tüchtigen", so Glasner nach dem Spiel.

4. Lindström zündet

Einer, der sich in Freiburg in den Vordergrund spielte, war Jesper Lindström. Der Däne kam im Sommer zur Eintracht, die Eingewöhnung fiel ihm – wie den allermeisten Neuzugängen – nicht ganz so leicht. Lindström kommt jedoch immer besser in Fahrt, in Antwerpen holte er den entscheidenden Elfmeter raus, in Piräus bereitete er den Sieg vor, in Freiburg schoss er nun, gekonnt mit dem Außenrist, sein erstes Ligator. Glasner dürfte neben Daichi Kamada auch an Lindström gedacht haben, als er sagte: "Wir waren mit dem Ball sehr gut und haben uns zwischen den Linien sehr gut bewegt."

Tatsächlich war Lindström viel präsenter als zuletzt und hatte immer wieder seine Füße im Spiel, wenn es gefährlich wurde. "Er kommt aus einer anderen Liga, aber die Bundesliga ist härter. Wir versuchen, den Neuen zu helfen. Jesper ist ein super Fußballer und ein top Techniker, das hat man beim Tor gesehen", sagte Eintracht-Keeper Kevin Trapp nach Spielende. Neben Jakic scheint also der nächste Neuzugang in Fahrt zu kommen.

5. Ab in den Jahresendspurt

Und jetzt? Erstmals in dieser Saison hat Eintracht Frankfurt zwei Bundesligaspiele in Folge gewonnen, spielerisch und kämpferisch zeigt die Leistungskurve nach oben, auch wenn freilich noch nicht alles Gold ist, was glänzt. Und doch: Am Donnerstag kommt Royal Antwerpen, mit einem Sieg kann die Eintracht Platz eins in der Europa-League-Gruppe klarmachen.

Anschließend geht es mit Union Berlin gegen die nächste Überraschungsmannschaft der Saison, doch mit solchen kennen sich die Hessen ja augenscheinlich aus. Legt die Eintracht jetzt nach und fährt in der letzten Novemberwoche zwei Siege ein, dürfte der holprige Saisonstart so gut wie vergessen sein.