Filip Kostic und André Silva von Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt dreht die Partie gegen Hertha BSC und beendet ganz nebenbei eine Horror-Serie. Zudem stellt André Silva einen neuen Vereinsrekord auf. Die Analyse in fünf Punkten.

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Adi Hütter
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Eintracht Frankfurt hat am Samstag gegen Hertha BSC gewonnen und ist damit auf einen Champions-League-Platz gesprungen. Beim 3:1 trafen André Silva (68./90+3) sowie Martin Hinteregger (85.) für Frankfurt, Krzysztof Piatek hatte die Hertha in der 66. Minute in Führung gebracht.

1. Hütter geht es offensiv an

Eintracht-Trainer Adi Hütter hatte keinen Grund, etwas an seiner Erfolgsmannschaft vom 5:1 in Bielefeld zu ändern - so blieben auch Luka Jovic und Sebastian Rode zunächst auf der Bank. Eine Änderung musste der Coach allerdings vornehmen: Für Erik Durm, der mit Knieproblemen ausfiel, kam Aymen Barkok ins Team.

Ein Offensivmann anstelle eines Defensivspezialisten - das war direkt ein Fingerzeig, wohin es gegen die Hertha gehen sollte. Und so war die Eintracht schon in der ersten Halbzeit zumeist im Vorwärtsgang, auch wenn die Ausrichtung (noch) nicht von Erfolg gekrönt war.

2. Rekordmann Silva trifft und trifft

Dass es am Ende zu drei Punkten reichte, lag aber einmal mehr am Mann ganz vorne. Nur zwei Minuten nach dem Führungstreffer für die Hertha, die die Schläfrigkeit in der Eintracht-Abwehr ausnutzte, war Silva zur Stelle. Der Stürmer schraubte sich unnachahmlich in die Luft und nickte eine Kostic-Flanke wuchtig ein - eine Szene, die Hütter im Anschluss als "Knackpunkt" bezeichnete.

Und auch bei 2:1-Führung in der Nachspielzeit hatte der Portugiese noch nicht genug: Er holte einen Elfmeter raus und verwandelte ihn selbst zum Endstand. 16 Tore stehen für Silva nach 19 Spieltagen zu Buche - so viel hatte zu diesem Zeitpunkt der Saison noch nie ein Frankfurter. "Dass André Silva seine Form seit dem Restart so halten kann, ist Wahnsinn. Seine Entwicklung ist klasse", schwärmte Sportvorstand Fredi Bobic.

3. Hinteregger erzielt erstes Saisontor - und bleibt "demokratisch"

Acht Bundesliga-Tore erzielte Eintrachts Abwehrkante Martin Hinteregger in der vergangenen Saison, jetzt hat es endlich mit dem ersten Treffer 2020/2021 geklappt: In der 85. Minute köpfte der Österreicher am kurzen Pfosten ein. "Ich habe schon viele Chancen gehabt diese Saison. Natürlich nagt das an einem", gab er nach dem Abpfiff zu. "Aber ich habe in den letzten zwei Wochen im Training gemerkt, dass ich wieder treffsicher bin."

Nach dem Spiel wollte sich Hinteregger seine Euphorie nicht anmerken lassen und lieferte auf die Frage nach der Champions League einen legendären Versprecher im Interview mit der Sportschau: "Ich antworte mal demokratisch und sage: Wir schauen von Spiel zu Spiel."

4. Europa League - oder gar Champions League?

Was "Hinti" wohl eher diplomatisch statt demokratisch umschreiben wollte: Die Chancen der Eintracht auf eine Teilnahme am Europapokal der kommenden Saison steigen immer weiter. Durch die Patzer der Konkurrenz beenden die Hessen den Spieltag sogar auf einem Champions-League-Platz. Der Vorsprung auf Platz sieben beträgt allerdings gerade mal einen Punkt.

"Der Tabellenplatz interessiert uns momentan nicht. Wir sind ambitioniert, wir wissen aber auch, dass wir jedes Spiel so spielen müssen, wie wir die letzten Spiele gespielt haben", so Torhüter Kevin Trapp. Hütter dagegen überschüttete sein Team für seine Verhältnisse mit öffentlichem Lob: "Aktuell sind wir eine Spitzenmannschaft. Sieben Siege aus acht Spielen sind ein Ausrufezeichen." Das stimmt zwar nicht ganz, weil die Eintracht von den letzten acht Spielen "nur" sechs gewonnen hat, aber auch diese Bilanz lädt die Eintracht-Fans aktuell zum Träumen ein.

5. Horror-Serie gegen Hertha beendet

Ganz nebenbei haben die Frankfurter am Samstag auch noch eine siebenjährige Durststrecke beendet: In den vergangenen sechs Heimspielen gegen die Hertha hatte es keinen dreifachen Punktgewinn gegeben, die längste Sieglos-Serie gegen eine Bundesliga-Mannschaft im heimischen Stadion. Der letzte Heimsieg gegen die Berliner stammte vom Januar 2014, das Siegtor damals erzielte übrigens ein gewisser Alex Meier.

Auch die Tatsache, dass die zerstrittene Hertha mit einem neuen Trainer und damit auch neuer Frische in Frankfurt aufschlug, konnte dem Hütter-Team nichts anhaben. Wie schon in Mainz gelang es dem Gegner nicht, die neuen Impulse des Trainerwechsels in Punkte umzumünzen, weil die Eintracht eiskalt blieb. Und nun in der Tabelle da steht, wo sich die akut abstiegsbedrohte Hertha nach eigenem Selbstverständnis seit Jahren sieht.