Almamy Toure

Von wegen Fehlstart: Eintracht Frankfurt schlägt auch RB Leipzig und startet furios in die Rückrunde. Weil Almamy Touré seinen inneren Dr. Hammer entdeckt und Adi Hütters Spielsystem greift. Die Analyse in fünf Punkten.

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Eintracht Frankfurt hat auch das zweite Rückrundenspiel gewonnen und Tabellenführer RB Leipzig mit 2:0 geschlagen. Gegen vor allem in der ersten Halbzeit überlegene Sachsen erzielten Almamy Touré (48.) und Filip Kostic (90 + 4) die Tore.

1. Aufreger vor dem Spiel

Als Torwarttrainer steht man ja eher selten im Mittelpunkt des Interesses, vor der Partie am Samstag war Eintracht Frankfurts Manfred "Moppes" Petz allerdings Gesprächsthema Nummer eins an den Wurstbuden und Bierständen rund um die Arena. Wenige Stunden vor dem Spiel sickerte nämlich die Nachricht durch, dass Petz, mit beinahe zehn Amtsjahren ja auch schon fast wandelndes Eintracht-Inventar, mit sofortiger Wirkung durch Ersatzkeeper Jan Zimmermann ersetzt wird. Wenig später folgte die Bestätigung seitens des Klubs. Angedeutet hatte sich diese Personalrochade nicht, umso überraschter die Reaktionen.

Zumal Petz einerseits fachlich hohes Ansehen genoss, andererseits auch menschlich geschätzt wurde. Erst unter der Woche hatte sich Stammkeeper Kevin Trapp im Interview mit der FAZ zu seinem guten Verhältnis zu Petz geäußert. Man wolle damit einen "Akzent" auf der Position setzen, so Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic nach dem Spiel, außerdem gehe man "im Guten auseinander". Bei allen Beschwichtigungen: Überstürzt wirkt der vorgezogene Wechsel dennoch. Und einen echten Grund für die Trennung erfuhr man auch nicht.

2. Mal wieder zwei unterschiedliche Halbzeiten

In der Hinrunde war es ja quasi eine Frankfurter Spezialität, zwei völlig unterschiedliche Halbzeiten zu spielen. Daran knüpften die Hessen gegen Leipzig nahtlos an, glücklicherweise allerdings in der richtigen Reihenfolge. In der ersten Halbzeit deutete nämlich nichts, aber auch gar nichts darauf hin, dass der Sieger an diesem Samstag Eintracht Frankfurt heißen würde. Dass es zur Pause 0:0 stand, war einzig eine Folge von fehlender Leipziger Durchschlagskraft und einem gut aufgelegten Kevin Trapp.

In der zweiten Hälfte hingegen präsentierten sich die Hessen leidenschaftlich, laufstark, kompakt und führten ihre Zweikämpfe wieder mit der nötigen Bereitschaft, beim Gegner zumindest ein Hämatom zu hinterlassen, wenn man schon nicht den Ball erobert. "Wir mussten viel leiden und viel hinterher laufen. Aber wir haben unheimlich gut verteidigt und nicht unverdient gewonnen", sagte Sebastian Rode nach dem Spiel. Auch Bobic lobte die "Leidenschaft", mit der verteidigt wurde. Dass dabei keine Zeit mehr war, um seinerseits ein Offensivfeuerwerk abzufackeln: geschenkt. Das hatte im Stadtwald an diesem Tag und bei diesem Gegner sowieso niemand erwartet.

3. Die Viererkette bewährt sich

Leidenschaft kann auf dem Platz sicherlich nie schaden, richtig ist aber auch: Das im Wintertrainingslager eingeübte neue System trägt seinen Teil zum Erfolg bei. Die Viererkette steht den Hessen vor allem in der Defensivbewegung sehr gut, die Abstände zwischen den Spielern sind kleiner, hinter den Außenbahnspielern klaffen keine Lücken mehr und der Gegner kriegt sehr viel weniger Platz, um sich zu entfalten.

Bester Beweis dafür war RB Leipzig. Die Sachsen waren im Großen und Ganzen zwar spielbestimmend und überlegen, wirkliche Hochkaräter gab es aber kaum. Zur Erinnerung: In den letzten neun Spielen hatte RasenBallsport jeweils mindestens drei Treffer erzielt und damit einen neuen Bundesligarekord aufgestellt. Gegen so eine Raketentruppe die Null zu halten, schafft also ganz offensichtlich nicht jede Mannschaft.

4. Tourés Dosenöffner

Dass die zweite Hälfte und damit der gesamte Frankfurter Fußballsamstag einen derart positiven Verlauf nahm, lag auch daran, dass Almamy Touré in der 48. Minute seinen inneren Dr. Hammer entdeckte und per potentiellem Tor-des-Monats-Fernschuss zum völlig überraschenden 1:0 traf. Ein echter Dosenöffner gegen den Brause-Klub, in dessen Folge sich RB erst einmal schütteln musste, und die Hessen wenige Minuten später durch Kostic sogar schon den Deckel hätten draufmachen können.

Toure hatte in der ersten Hälfte seine liebe Mühe mit dem agilen Christopher Nkunku, umso schöner für ihn, wie positiv sich sein Arbeitstag noch entwickelte. Zumal das Toreschießen nicht eben zu seinen Kernkompetenzen gehört, für die Eintracht hatte er zuvor noch gar nicht getroffen. "Wir haben am Dienstag noch darüber gesprochen, dass ich mal ein Tor schießen muss. Jetzt konnte ich mein Versprechen schon einlösen", so Touré.  Übrigens sehr zur Überraschung seiner Kollegen. "Ich konnte es selbst kaum glauben, dass der Almamy so ein Pfund raushaut", sagte Rode nach dem Spiel. Und sprach damit wohl für die meisten der 51.000 Anwesenden.

5. Endlich wieder Mittelmaß

Zugegeben: Der Rückrundenauftakt der Eintracht ist alles andere als mittelmäßig, mit sechs Punkten gegen Hoffenheim und Leipzig haben wohl nicht einmal die größten Optimisten gerechnet.  Zur Folge hat die hessische Mini-Auftaktserie, dass die Eintracht nun wieder entspannte sieben Punkte Vorsprung auf den Relegationsrang hat, nachdem es zwischenzeitlich nur noch derer drei waren. Nach unten schauen müssen die Hessen also wohl erst einmal nicht mehr.

Und nach oben? Zum ersten Europapokalplatz sind es ebenfalls sieben Punkte, aktuell sitzen die Hessen auf Platz neun also ein wenig zwischen allen Stühlen. Aber schafft es die Eintracht, in den kommenden Partien nachzulegen, könnte es in einer engen Liga auch schnell wieder ein paar Plätze nach oben gehen. Die Tendenz, so viel ist klar, zeigt auf jeden Fall nach oben.