Freude bei Eintracht-Kapitän David Abraham

Die Eintracht kann doch noch vor eigener Geister-Kulisse gewinnen. Gegen Schalke wird vor allem ein Spieler zur prägenden Figur - und hält die Europapokal-Hoffnungen aufrecht. Die Analyse in fünf Punkten.

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Eintracht PK nach Schalke
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Eintracht Frankfurt hat das Heimspiel gegen Schalke 04 mit 2:1 (1:0) gewonnen. Für die Eintracht trafen André Silva (28. Minute) und David Abraham (50.), den Treffer für die Gäste erzielte Weston McKennie (59.). Zudem flog Schalkes Can Bozdogan mit Gelb-Rot vom Platz (77.).

1. Es geht doch noch im eigenen Stadion

Ein Heimsieg! Was für ein ungewohntes Gefühl für Eintracht Frankfurt. Nach der Corona-Pause hatte es vor dem Spiel gegen Schalke nur einen mageren Punkt aus drei Spielen vor eigener Geister-Kulisse gegeben, der letzte Sieg in der Liga war Anfang Februar gegen Augsburg gelungen.

Die Punkte hatten die Frankfurter zuletzt fast ausschließlich auswärts geholt. Trainer Adi Hütter relativiert diese Statistik jedoch: "Es gibt fast keine Heim- und Auswärtsspiele mehr, weil es vom Gefühl her auf einem neutralen Boden ist."

2. Noch immer nicht konstant

Eine starke, konzentrierte Leistung über 90 Minuten? Das will bei der Eintracht in letzter Zeit einfach nicht klappen. Während das Team im Pokal in München und in der Liga in Berlin jeweils in der zweiten Hälfte aufdrehte, fing es dieses Mal stark an und ließ dann ebenso stark nach. Mit dem Gegentor durch McKennie nach einer knappen Stunde kam ein Bruch ins Eintracht-Spiel, der ersatzgeschwächte Gegner, mit einer unglaublichen Sieglos-Serie von 13 Spielen nach Frankfurt gereist, war auf einmal wieder in der Partie und selbst in der letzten Viertelstunde in Unterzahl noch gefährlich.

Laut Stefan Ilsanker sorgte dieser Umstand nach dem Spiel für "merkwürdige" Stimmung in der Kabine. "In der zweiten Halbzeit laden wir sie dann immer mehr mit Unkonzentriertheiten ein, sind nicht mehr so sicher am Ball, und beim Spiel gegen den Ball auch nicht mehr so stark", so der Österreicher. "Dann vergeben wir einfach die besten Chancen, um das Spiel frühzeitig klarzumachen. Wir haben einen anderen Anspruch an uns selbst."

3. Abraham vorne und hinten

Warum es trotz allem für drei Punkte gereicht hat? Weil Kapitän David Abraham zweimal entscheidend mit dem Kopf zur Stelle war. Zu Beginn der zweiten Halbzeit wuchtete er einen scharf getretenen Freistoß von Filip Kostic zum 2:0 über die Linie. In der 75. Minute hielt er wieder den Schädel hin, allerdings auf der eigenen Torlinie, wo er den Schuss von Michael Gregoritsch am Einschlag hinderte.

Zwei unglaubliche Szenen, mit denen Abraham seine Wichtigkeit für die Frankfurter unterstrich. Nur seinen Trainer lockte er damit nicht aus der Reserve. Auf die Nachfrage, wie ihm die Leistung seines Kapitäns gefallen habe, antwortete Hütter mit einem sparsamen "Gut!". Etwas mehr Begeisterung wäre auf jeden Fall angebracht gewesen.

4. Da Costa ist wieder da

In der vergangenen Saison war Danny da Costa der Dauerläufer auf der rechten Seite, in der aktuellen Spielzeit lief es nicht so gut und der 26-Jährige fand sich zumeist nur auf der Bank wieder. Doch jetzt ist er wieder da - und wie: In München traf er selbst, in Berlin bereitete er den Treffer von Evan N'dicka vor.

Gegen Schalke stand der erneut in der Startelf und beackerte die rechte Seite, als wäre er nie weg gewesen. Und so nimmt die eigentlich verkorkste Saison Da Costas doch noch ein gutes Ende - und die Eintracht kann für die kommende Spielzeit auf einen wiedererstarkten rechten Verteidiger hoffen.

5. Der Traum von Europa lebt - ein bisschen

Schafft es die Eintracht zum dritten Mal in Folge in den Europacup? Möglich ist das noch, allerdings sind die Chancen eher theoretischer Natur. Durch die Siege der Konkurrenz beträgt der Rückstand auf Platz sieben, der zur Europa-League-Quali berechtigen würde, fünf Punkte. In den verbleibenden zwei Spielen müsste nahezu alles passen, damit die Frankfurter von Wolfsburg, Hoffenheim und Freiburg noch mindestens zwei Teams hinter sich lassen.

"Wenn eine Tür nach Europa offen ist, versuchen wir, da reinzustoßen", so Hütter. "Aber wir sind abhängig davon, was die Konkurrenz macht." Und natürlich davon, selbst alle verfügbaren sechs Punkte einzusammeln, um den Traum von Europa am Leben zu erhalten.