Evan N'Dicka erzielt das 1:0 in Guimaraes

Die Leistung von Eintracht Frankfurt bei Vitoria Guimaraes reißt niemanden von den Sitzen, dank eines Reservisten-Duos bleiben die fliegenden Sitze auf den Rängen jedoch das einzige Ärgernis. Jetzt kommt’s zum Showdown. Die Analyse in fünf Punkten.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Frankfurt zittert sich zum ersten Sieg – 1:0 in Guimarães

Jubelnde SGE-Spieler
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Eintracht Frankfurt gewinnt mit 1:0 bei Vitoria Guimaraes und meldet sich trotz überschaubarer Leistung zurück im Rennen um einen der beiden vorderen Plätze in der Europa-League-Gruppe. Das Tor des Tages erzielt Evan N’Dicka (36. Minute).

1. Fliegende Sitze und Fäuste

Bevor am Donnerstag auf dem Rasen um drei Punkte gekämpft wurde, ging es zunächst auf den Rängen hoch her. Kurz vor Anpfiff drängten zahlreiche portugiesische Fans in Richtung des Gästeblocks und schickten einige Nettigkeiten und Wurfgeschosse in Richtung der Eintracht-Anhänger. Es folgten fliegende Sitzschalen aus Frankfurter Händen und eine handfeste Auseinandersetzung mit in die Kurve drängenden und offenbar nicht gerade zimperlich vorgehenden Polizisten. Eine unschöne Randerscheinung mit unschönen Bildern und möglicherweise unschönen Folgen.

"Wir sind unter Beobachtung, das ärgert mich", kritisierte Sportvorstand Fredi Bobic nach der Partie am RTL-Mikrofon. Bobic bemängelte zwar auch, dass es keinen Pufferblock gegeben habe und "Fans in Massen" in Richtung Eintracht-Block geströmt seien. "Trotzdem will das keiner sehen. Fliegende Sitze, das passt hier nicht her." Ob den ohnehin vorbelasteten Hessen eine Strafe durch die UEFA droht, ist noch offen.

2. Rönnow fügt sich gut ein

Kaum waren die Auseinandersetzungen auf der Tribüne beigelegt, richteten sich die Augen der meisten Frankfurter auf den Mann zwischen den Pfosten: Frederik Rönnow. Der Däne, der ursprünglich als Ersatz für Lukas Hradecky verpflichtet worden war, stand nach der Schulterverletzung von Kevin Trapp erstmals seit Dezember 2018 wieder in der Startelf der Eintracht und musste sich direkt auf der großen Europa-League-Bühne neu beweisen.

Eine Herausforderung, die ihm viele nicht zutrauten. Eine Herausforderung, die der 27-Jährige allerdings perfekt meisterte. In den ersten Minuten hielt Rönnow zwei nicht ganz leichte Bälle fest und sammelte Selbstvertrauen, im Anschluss war er dann stets zur Stelle, wenn er gebraucht wurde. Zugegeben: Von den insgesamt 13 Torschüssen der Gastgeber war kein einziger wirklich brandgefährlich, das gegentorlose Comeback wird dem Pechvogel aber guttun. "Er war absolut fehlerfrei. Mit einem Zu-Null gestartet, mehr kann man nicht verlangen", lobte Bobic.

3. Starke Abwehr hinter schwacher Offensive

Rönnows Leistung passte damit perfekt zur restlichen Defensive. In Abwesenheit von Abwehrchef Makoto Hasebe und Kapitän David Abraham zeigten Aushilfs-Libero Martin Hinteregger, Almamy Touré und Evan N’Dicka, wie die Eintracht-Abwehr der Zukunft aussehen könnte. Die spielstarken Portugiesen kombinierten sich zwar teilweise ansehnlich in Richtung Grundlinie und trafen einmal den Pfosten, die restlichen Angriffe endeten aber in steter Regelmäßigkeit in der Frankfurter Dreierkette.

Das Handwerk zur Tor-Absicherung funktionierte, die Kunst zur Tor-Erzielung dafür allerdings gar nicht. Sobald die Eintracht den Ball hatte und einen Angriff starten wollte, wurde es unansehnlich. Der Mittelfeld-Achse Fernandes-Rode-Sow fehlte es an Ideen, den Außenverteidiger Filip Kostic und Erik Durm an Durchschlagskraft. Gelungene Spielzüge? Bis zur Schlussphase eine absolute Rarität. "Wir haben das Spiel nie unter Kontrolle bekommen und den Ball nicht so gut laufen gelassen", gab Abräumer Rode zu.

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4. N'Dicka macht alle froh

Schön war das Spiel der Eintracht definitiv nicht, erfolgreich war es aber allemal. Nach einem – wie Hinteregger später verriet – im Training einstudierten Eckball setzte sich der lange verschmähte N’Dicka durch und köpfte noch vor der Pause zum Tor des Tages ein. Eine schnöde Standardsituation, ein eiskalter Abschluss und die pure Effizienz reichten am Ende aus, um die ersten drei Punkte einzufahren. Dass dann auch Langzeit-Reservist N’Dicka traf, machte den Abend zu einer runden Sache.

"Er hatte zuletzt wenig Spielpraxis. Deshalb ist es klasse, dass er als Gold-Torschütze vom Platz geht", fasste Frankfurts Trainer Adi Hütter den Auftritt des jungen Franzosen zusammen. "Er hat uns geholfen. Der Sieg war hart erkämpft und schmutzig."

5. Eintracht im direkten Duell mit Lüttich

Wie wichtig der Sieg der Eintracht im Norden Portugals war, zeigt ein Blick auf die Tabelle. Da der FC Arsenal nach dem deutlichen 3:0 zum Auftakt in Frankfurt auch gegen Lüttich einen Kantersieg feierte und nun mit 7:0 Toren und sechs Punkten unangefochten an der Spitze steht, läuft derzeit alles auf einen Zweikampf zwischen der Eintracht und Standard Lüttich um das zweite Ticket für die K.o.-Phase hinaus. Beide Teams haben einen Sieg eingefahren, beide Teams trennt derzeit genau ein Treffer, beide Teams treffen jetzt gleich zweimal direkt aufeinander.

"Natürlich war das heute ein Schlüsselspiel, wenn wir weiterkommen möchten. Wir mussten hier gewinnen", stellte deshalb auch Hütter klar. In drei Wochen empfängt sein Team Lüttich im eigenen Stadion, wiederum zwei Wochen später reisen die Hessen nach Belgien. Zwei Duelle, in denen die Vorentscheidung um Platz zwei fallen könnte. "Das werden die nächsten Schlüsselspiele", so Hütter. "Vor uns liegt ein langer, weiter Weg."

Weitere Informationen

Vitória Guimaraes - Eintracht Frankfurt 0:1 (0:1)

Guimarães: Miguel Silva - Sacko (65. Rochina), Tapsoba, Henrique, Hanin - Poha, Agu, Evangelista - Edwards, Bonatini (65. Duarte), Davidson (78. Pereira)
                           
Frankfurt:  Rönnow - Touré, Hinteregger, N'Dicka - Durm (78. da Costa), Fernandes,  Kostic - Rode (60. Kamada), Sow - Silva, Paciência

Tore: 0:1 N'Dicka (36.)
Gelbe Karten: Tapsoba/N'Dicka, Durm, Touré, Fernandes     

Schiedsrichter:  Petrescu (Rumänien)   
Zuschauer: 27.000   

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