Kevin Trapp

Eintracht Frankfurt gewinnt sensationell bei Bayern München, kann sich dabei auf Keeper Kevin Trapp sowie endlich wieder ein bisschen Spielglück verlassen. Und hofft, dass sich Geschichte nicht wiederholt. Die Analyse in fünf Punkten.

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Eintracht Frankfurt hat den ersten Bundesliga-Sieg der laufenden Saison eingefahren: Bei Meister Bayern München gelang am Sonntag ein 2:1 (1:1). Leon Goretzka brachte die Bayern in Führung (29. Minute), Martin Hinteregger glich für die Frankfurter aus (32.). In der 83. Minute erzielte Filip Kostic den umjubelten Siegtreffer.

1. Trapp wie einst Nikolov

Matchwinner, Weltklasse, Eins mit Sternchen - egal, welchen Superlativ man am Sonntagabend auf Kevin Trapp anwendete, sie alle waren berechtigt. 20 Torschüsse entschärfte Trapp teilweise spektakulär, allein seine Fußabwehr gegen Robert Lewandowski aus kurzer Distanz gehört in jeden Saisonrückblick. Seit Oka Nikolov 2007, der bei 38 Torschüssen der Bayern kein Tor kassierte, hat kein Eintracht-Keeper mehr so ein historisch gutes Spiel in München gemacht. Die Älteren werden sich erinnern.

"Es war viel Arbeit für mich heute", sagte Trapp nach dem Spiel salopp, aber ist natürlich nur die halbe Wahrheit. Denn mit seinem Sahnetag hielt der Man of the Match nicht weniger als den Sieg fest. Und das war nicht nur für die Eintracht wichtig, sondern auch aus zweierlei Hinsicht für Trapp: Einerseits ist der Keeper eher holprig in die Saison gestartet, die Vorstellung in München wird ihn stabilisieren. Und andererseits wurde der 31-Jährige vom neuen Bundestrainer Hansi Flick nicht für die anstehenden Länderspiele nominiert. Was das für eine schlechte Idee war, durfte sich Flick am Sonntag 90 Minuten lang von der Tribüne aus ansehen.

2. Die Eintracht hat wieder Spielglück

Um die Bayern in München zu schlagen, muss natürlich viel zusammenkommen. Ein herausragender Torhüter ist die eine Sache, eine andere ist das gute, alte Spielglück. "Wir haben uns reingehauen, aber natürlich brauchst du auch das Quäntchen Glück, um so ein Spiel zu gewinnen", sagte Trapp nach dem Spiel. Serge Gnabrys Pfostenschuss vorm leeren Tor, Kristijan Jakics Beinahe-Eigentor: Das Glück war an diesem Sonntag klar aufseiten der Hessen.

Aber: Glück will auch verdient werden und in den knappen Spielen in letzter Zeit - Köln, Stuttgart - hatte man oft das Gefühl, dass das Pendel eher gegen die Hessen ausschlägt. Schon in Antwerpen änderte sich das, als die Eintracht in der Nachspielzeit einen Elfmeter zugesprochen bekam. Gegen die Bayern nun also der nächste Tag, an dem die Eintracht mit Fortuna im Bunde war. Endlich, möchte man sagen.

3. Der Matchplan funktioniert

Keeper und Spielglück hin oder her, der Plan, den sich Oliver Glasner für seine Mannschaft ausgedacht hatte, ist bestens aufgegangen. Aus einer kompakten Defensive heraus wollten die Hessen mit schnellen, langen Bällen immer wieder selbst gefährlich werden und den weit aufgerückten Bayern wehtun. Als Schwachstelle war ganz offensichtlich Bayerns Innenverteidiger Dayot Upamecano ausgemacht.

Entsprechend attackierten die Hessen Upamecano immer wieder, der 42 Millionen Euro teure Franzose wirkte in den Zweikämpfen gegen den formidablen Kostic und auch Jakic gleich mehrfach überfordert und veschuldete zwei, drei gute Eintracht-Chancen sowie letztlich beide Tore der Hessen. Beim 1:1 durch Martin Hinteregger kam Upamecano nicht zum Kopfball, vor dem 1:2 schüttelte Kostic ihn ab wie einen B-Jugendlichen.

4. Die Mannschaft hat das Doppelherz

Ein Top-Keeper, Spielglück, ein guter Matchplan - alles nur die halbe Miete, wenn eine Mannschaft nicht leidenschaftlich um jeden Meter kämpft. Und das taten die Hessen in München, stemmten sich tapfer dem Rekordmeister entgegen, rannten 121,5 Kilometer (fünf mehr als die Münchner) und gewannen so nicht nur ein Spiel, sondern drehten es. Und wer etwa sah, wie sich Jakic oder auch Stefan Ilsanker nach gewonnenen Zweikämpfen in der Nachspielzeit feierten, als hätten sie gerade ein Tor geschossen, der wusste: Diese Mannschaft lebt und hat Herz.

Und in gewisser Weise stimmt das sogar doppelt, denn auch das Herzstück der Mannschaft, das zentrale Mittelfeld mit Djibril Sow und Jakic, funktioniert bestens. Sow war auch gegen die Bayern einer der besten Frankfurter, seine Diagonalbälle sorgten immer wieder für Gefahr, das 2:1 leitete er mit einem beherzten Einsatz ein. Der etwas defensivere Jakic stopfte viele Löcher, gewann wichtige Zweikämpfe und deutete einmal mehr an, dass er auch offensiv mit der Kugel umzugehen weiß. Da haben sich zwei gefunden.

5. Ein historischer Sieg – der vergoldet wird?

Um die Dimension dieses Siegs mal einzuordnen: Seit 21 Jahren hat Eintracht Frankfurt nicht mehr in München gewinnen können, beim damaligen 2:1-Sieg anno 2000 standen Spieler wie Markus Lösch und Gerd Wimmer für die Hessen auf dem Platz, Trainer war ein gewisser Felix Magath, auf Platz 1 der Charts stand Rednex und Gerhard Schröder war gerade erst seit zwei Jahren Bundeskanzler. Das damalige Siegtor schoss Eintracht-Legende Jan-Aage Fjörtoft. Der meldete sich am Sonntag übrigens prompt bei Twitter zu Wort: "Ist das wirklich passiert? Gott sei Dank bin ich nicht mehr der letzte Siegtorschütze."

Die Eintracht hat den Liga-Fehlstart nun abgewendet und kann nach der Länderspielpause mit Selbstvertrauen ins nächste Spiel gegen Hertha gehen. Aber Vorsicht: Auch 2000 kam nach dem Sieg gegen die Bayern die Hertha nach Frankfurt, die Hessen machten prompt die Diva und verloren 0:4 (und stiegen am Ende der Saison gar ab). Umso wichtiger wird es sein, die Bonuspunkte gegen den FCB mit einem Dreier gegen die Hertha zu vergolden. So sagte auch Glasner nach dem Spiel zurecht: "Wir haben noch viel Arbeit vor uns und müssen auf dem Boden bleiben. Wichtig wird sein, in zwei Wochen gegen Hertha nachzulegen." Erstmal aber wurde in der Kabine angestoßen. Auch das zurecht.

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