Für Fans und Verantwortliche von Eintracht Frankfurt war die Saison besonders lang. Sportdirektor Bruno Hübner spricht im Interview über mögliche Abgänge, Königstransfers und seinen Traumurlaub.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hübner: "12 Monate nur Stadion und zu Hause"

Bruno Hübner von Eintracht Frankfurt
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Für Eintracht Frankfurt hat die Saison 2019/20 vor einem Jahr begonnen - mit der Qualifikation zur Europa League. Es folgten Monate mit Dreifachbelastung, die Corona-Krise und Geisterspiele, um die Spielzeit zu Ende zu bringen. Doch weil die neue Saison bereits in Sicht ist, hat Sportdirektor Bruno Hübner nun jede Menge Arbeit auf dem Tisch. Im Interview spricht er darüber, wie urlaubsreif er ist, wie sich der Kader verändern muss und was das alles mit einem Haus am See zu tun hat.

hessenschau.de: Bruno Hübner, wie geht es Ihnen zum Ende dieser ungewöhnlich langen Saison?

Bruno Hübner: Es war wirklich etwas Außergewöhnliches, dass wir fast zwölf Monate am Stück gespielt und dann in der Corona-Zeit noch erschwerte Bedingungen hinzu bekommen haben. Aber wir sind sehr froh, dass wir die Saison zu Ende spielen konnten, unser Hygienekonzept gegriffen hat und dass wir so eine Vorbildfunktion im Fußball in der ganzen Welt, insbesondere aber in Europa hatten.

hessenschau.de: Sind Sie auch ein wenig stolz, dass die Bundesliga und auch die Eintracht es bis hierhin so gemeistert haben?

Hübner: Ja, denn es gab nicht nur Fürsprecher, sondern auch viele, die von einer Sonderrolle des Fußballs gesprochen haben. Deshalb war die Aufmerksamkeit groß, und bis auf ein, zwei Nachlässigkeiten haben die Bundesligisten keine Angriffsfläche geboten, sondern eine Abwicklung vorgenommen, die vorbildlich war. Alle haben an einem Strang gezogen und eine sehr gute Arbeit geleistet.

hessenschau.de: Wie urlaubsreif wären Sie nach dieser Saison, also jetzt, wenn nicht so viel Arbeit anstünde?

Hübner: Wir haben mit der Qualifikation für die Europa League im vergangenen Sommer begonnen und hatten auch um Weihnachten herum nur ein paar Tage frei. Deshalb tut es nicht nur uns Offiziellen, sondern auch den Spielern mal gut, eine Pause zu machen und mal etwas runterzufahren. Denn die Abläufe an den Bundesligaspieltagen waren ganz anders - das war nicht nur körperlich eine Herausforderung, sondern auch für den Kopf. Das war schon außergewöhnlich - und wir gehen davon aus, dass sich das auch nicht so schnell ändert und die Gegebenheiten in der neuen Saison auch so bleiben. Also, auch ich bin urlaubsreif.

hessenschau.de: Sie haben dennoch ja viel Arbeit auf dem Tisch - wie muss sich der Kader verändern, sollte es dabei bleiben, dass die Eintracht in der kommenden Saison nicht international spielt?

Hübner: Wir sind in diesem Transferfenster sehr gut aufgestellt und haben viele Leistungsträger lange unter Vertrag. Wir könnten theoretisch mit dieser Mannschaft in die neue Saison gehen - aber wir haben einen breiten Kader, der auf internationalen Wettbewerb ausgelegt ist und den wir verkleinern möchten. Wir brauchen aber auch eine Belebung mit ein, zwei neuen Spielern. Deshalb ist es ein Prozess. Aber es wird nicht einfach im Sommer, denn viele Ligen sind noch im Spielbetrieb. Es ist also gut, dass das Transferfenster bis zum 5. Oktober geöffnet ist. Da wird spät Bewegung reinkommen.

hessenschau.de: Schauen wir mal auf die konkreten Positionen - es war zuletzt die Rede davon, dass Sie sich auf der Torwartposition hinter Kevin Trapp als Nummer eins noch verändern könnten.

Hübner: Wir sind auf der Torwartposition richtig gut besetzt und Frederik Rönnow könnte bei jedem anderen Bundesligaclub Stammtorhüter sein. Deshalb glaube ich, dass er von sich aus eine Veränderung anstrebt. Bei Felix Wiedwald ist es so, dass er zu uns kam und die Nummer zwei werden wollte. Dann haben wir mit Kevin Trapp einen Königstransfer gemacht, sodass er auf die Position drei gerutscht ist. Er ist sicher nicht damit zufrieden, Woche für Woche nur zu trainieren und nicht im Kader zu sein, das kann auch nicht sein Anspruch sein.

hessenschau.de: Wo könnte es noch Veränderungen geben?

Hübner: Wir bekommen viele Leihspieler zurück, die wir integrieren und bewerten müssen. Mit Daichi Kamada haben wir da sehr gute Erfahrungen gemacht. Wir müssen außerdem immer die Überlegung haben, was ist, wenn es ein Angebot für Filip Kostic gäbe.

hessenschau.de: Aktuell liegt also noch keines vor?

Hübner: Nein, das liegt aber auch daran, dass die Ligen, die für ihn interessant sind, noch spielen.

hessenschau.de: Sie haben Kevin Trapp als Königstransfer der vergangenen Jahre angesprochen - was wäre denn Ihr ganz persönlicher Königstransfer, wenn es keine finanziellen Limits bei der Eintracht gäbe?

Hübner: Da hab ich spontan keinen Wunsch. Es gibt so viele gute Spieler, aber er müsste auch in unser Team, in das Umfeld passen. Wir möchten keine Stars, die die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, während das restliche Team darunter leidet. Wir möchten Charakterspieler holen. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann wäre das sicher ein Talent, das noch niemand auf dem Zettel hatte - so wie das bei Alphonso Davies vom FC Bayern war. Das ist aus Kosten-Nutzen-Sicht ein absoluter Königstransfer.

hessenschau.de: Kommen wir von den Wünschen zu den Zielen - steht da Urlaub mit auf der Liste?

Hübner: Ich würde schon gern einmal in den Urlaub fahren. In den vergangenen zwölf Monaten kannten wir eigentlich nur das Stadion und das Zuhause. Ich habe das Bedürfnis, mal wieder rauszukommen. Aber wir wissen von unseren Spielen, wie es gerade in Hotels zugeht - Tische mit Abständen und so etwas. Da frage ich mich schon, ob das der optimale Urlaub ist. Es gibt aber schon Überlegungen, vielleicht ein Haus am See.

hessenschau.de: Blicken wir zum Schluss noch einmal auf Ihr einstiges sportliches Zuhause - auf Wehen Wiesbaden. Wie sehr tut Ihnen dieser Abstieg weh?

Hübner: Das tut weh. Es sind noch einige Mitarbeiter da, die schon dort waren, als ich noch verantwortlich war. Ich weiß, was so ein Abstieg bedeutet. Es kann sein, dass sie nicht direkt wieder aufsteigen und noch eine Runde in der Dritten Liga drehen müssen. Dafür sind sie aber einfach zu gut aufgestellt. Es ist schade, dass sie abgestiegen sind, denn so ein Abstieg wirft den Verein zurück. Ich hätte mich gefreut, wenn sie die Klasse gehalten hätten. Wir sind nicht im Austausch, aber der Verein weiß, dass wir gesprächsbereit sind, wenn etwas ansteht und wir ihnen helfen können.

Das Interview führte Ann-Kathrin Rose