Fredi Bobic

In die Personalie Fredi Bobic kommt Bewegung: Der Sportvorstand der Frankfurter Eintracht steht offenbar vor einem kurzfristigen Abgang in Richtung Berlin. Auf der Suche nach einem Nachfolger fand eine Ideallösung bislang kaum Beachtung.

Es ist ein Zwist mit Ansage. "Hertha und Frankfurt jagen Frankreich-Talent", titelte in dieser Woche das Portal sport.de zu einem angeblichen Tauziehen um den im Sommer ablösefreien Mittelfeldspieler Batista Mendy vom FC Nantes. Französische Medien wollen von einem Interesse der beiden Bundesliga-Clubs erfahren haben, auch Bayer Leverkusen mischt demnach um den 21-Jährigen mit.

Bobic zwischen den Stühlen

Unabhängig vom Wahrheitsgehalt dieser konkreten Personalie, werden sich Interessenskonflikte zwischen Hertha BSC und der Frankfurter Eintracht bei der Zusammenstellung ihrer künftigen Kader kaum vermeiden lassen. Beide Vereine bieten in einer ähnlichen Gewichtsklasse: Zwar kann der selbsternannte Berliner "Big-City-Club" wohl weiter munter mit Investoren-Millionen um sich werfen. Der sportliche Erfolg und die mögliche Champions-League-Teilnahme sind aber das Pfund, mit dem die Eintracht wuchern kann. Genau zwischen diesen beiden Stühlen steht Verhandlungsführer Fredi Bobic.

Der in Frankfurt zum erfolgreichen Sportvorstand gereifte Ex-Profi würde das hessische Königsklassenprojekt offenbar lieber heute als morgen gegen den aktuell mausgrauen Berliner Abstiegskampf eintauschen. Taxierte fünf Millionen Euro sollen die Eintracht-Verantwortlichen für den noch bis 2023 gebundenen 49-Jährigen aufrufen. Doch ausgerechnet an diesem Kleingeld scheint es den Herthanern derzeit zu fehlen. Bobic feilscht deshalb laut Bild-Zeitung selbst an seiner Ablöse und würde diese gerne auf ein bis zwei Millionen Euro drücken.

Entscheidung in der Länderspielpause?

Die Eintracht entgegnete dem Gebaren ihres hochrangigen Mitarbeiters bislang äußerst souverän. Nach dem medialen Vorpreschen des Sportvorstands, der seinen geplanten Abschied eigenmächtig in einem Fernsehauftritt in der ARD-Sportschau verkündete, verzichtete der Verein auf einen offen ausgetragenen Disput und verdonnerte Bobic auf einer Aufsichtsratssitzung stattdessen zum öffentlichen Stillhalten.

Drei Wochen sind seither vergangen, jetzt soll Bewegung in die Sache kommen: Wie der in dieser Causa gut informierte TV-Sender Sky, dessen Ex-Geschäftsführer Carsten Schmidt mittlerweile in der Hertha-Vorstandsetage sitzt, am Mittwochabend berichtete, streben die Eintracht und Hertha eine Lösung noch in der Länderspielpause an. Bobic, der sich aktuell schon bei seiner Familie in Berlin aufhalten soll, könne die Hessen nach erfolgter Einigung sofort verlassen, so der Sender. Als Datum einer angestrebten Vertragsauflösung wird der 1. April genannt.

Eintracht muss handeln

So schnell und - angesichts seiner Erfolge – unangemessen sich Bobic nun aus Frankfurt verabschieden könnte, so dringend sind die Hessen auf einen Nachfolger angewiesen, der die Planungen vorantreibt. An Kandidaten scheint es nicht zu mangeln, auch wenn keiner der kolportierten Namen von Clubseite je kommentiert wurde. Mit Christoph Spycher, ehemaliger Eintracht-Kapitän und erfolgreicher Manager bei Young Boys Bern, brachte sich ein aussichtsreicher Anwärter selbst aus dem Spiel; seine Absage mit Verweis auf Vertragstreue und ein Festhalten am Berner Erfolgswegs klang in Hinblick auf Bobic fast schon sarkastisch.

Zuletzt geisterten außerdem die Namen Samir Arabi (Arminia Bielefeld), Jonas Boldt (Hamburger SV) oder Markus Krösche (RB Leipzig) durch den Stadtwald. Auch Bastian Schweinsteiger soll es in die Auswahl geschafft haben, schließlich gilt der Weltmeister von 2014 trotz fehlender Erfahrung auf Management-Ebene als bestens vernetzt und ist darüber hinaus mit einer enormen Strahlkraft ausgestattet.

Führungskräfte mit Stallgeruch

Ein sportlich Verantwortlicher mit Ausstrahlung, Eloquenz, Überzeugungskraft, nationalen und internationalen Kontakten soll es sein - ein Aushängeschild des Vereins, der im besten Fall noch Stallgeruch mitbringt und bei Fans und Umfeld ein hohes Ansehen genießt. Seit Jahren machen es gerade die Topclubs vor, welche Faktoren für erfolgreiches Arbeiten nötig sind. Bayern München setzt mit Oliver Kahn, Karl-Heinz Rummenigge oder Hasan Salihamidzic ebenso auf Ex-Spieler in der Führungsetage wie Borussia Dortmund mit Michael Zorc, Sebastian Kehl oder Matthias Sammer.

Voting

Wer soll bei der Eintracht auf Fredi Bobic folgen?

Doch in Frankfurt sind genau diese Typen rar gesät. Fehlende Erfolge, mehrere Auf- und Abstiege und eine daraus resultierende hohe Personalfluktuation rückten seit Mitte der 1990er-Jahre wenige Spieler ins Rampenlicht, die nun für den Posten des Sportvorstands in Frage kämen. Und dennoch brächte ein ehemaliger Profi sehr viele der vorgenannten Eigenschaften mit: Jan-Aage Fjörtoft.

Fjörtoft als Ideallösung

Hütter wird von Fjörtoft umarmt.

Der Norweger, der seit seinem Übersteiger-Tor 1999 zur Frankfurter Kultfigur avancierte, spielt im medialen Kandidaten-Raten bislang keine große Rolle. Dabei steht der 54-Jährige nicht nur wegen seiner Fannähe hoch im Kurs. Fjörtoft kennt alle Facetten des Geschäfts: ob als Manager in Lilleström, Spieler in Norwegen, England, Österreich und Deutschland, anerkannter TV-Experte oder Gründer einer Kommunikationsfirma.

Fjörtoft ist sympathisch, sprachgewandt und noch immer mit einem ganz großen Herzen für die Eintracht ausgestattet. Als internationaler Markenbotschafter ist er bis heute für die Frankfurter tätig und hat den Club und die Bundesliga nie aus den Augen verloren. "In den nächsten fünf, sechs, sieben Jahren kann die SGE eine Macht werden, daran glaube ich zu 100 Prozent", sagte der frühere Stürmer im vergangenen Sommer dem Portal fussball.news. Vielleicht kann Fjörtoft ja schon bald selbst daran mitwirken – und Fredi Bobic und Hertha BSC das eine oder andere Schnippchen schlagen.