Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic

Seit Sportvorstand Fredi Bobic vor drei Jahren bei Eintracht Frankfurt angeheuert hat, geht es steil bergauf. Die Hessen können sich heute Sachen erlauben, die früher undenkbar schienen. Grenzen gibt es aber weiterhin.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Bobic sieht Grenzen für Eintracht auf Transfermarkt

Sportvorstand Fredi Bobic.
Ende des Audiobeitrags

Sportvorstand Fredi Bobic hat den Sex-Appeal der Frankfurter erklärt. Die Eintracht kann talentierte Spieler auf die nächste Stufe hieven, sagte Bobic dem Podcast Der Sechzehner. Was das für seine Arbeit bedeutet und welche Änderungen er sich für den Fußball wünscht? Das sagt Bobic über…

…die Erwartungen an die neue Saison.

Als ich hier angefangen habe, war mein Auftrag, eine Bundesliga-Mannschaft zu formen, die wettbewerbsfähig ist. Das heißt für mich: Nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben. Und das wollen viele. Man kanngroß auf die Pauke hauen. Wir wollen natürlich wieder ein tolles Jahr spielen. Das will aber jeder Verein.

…den Transfermarkt.

Man hat pro Tag locker 30 bis 50 Anfragen für irgendwelche Spieler. Ich schaue mir eigentlich alles an, manchmal auch abends. Du kannst auch gar nicht alle beantworten. Leider sind auch viele 0-8-15-Sachen dabei. Klar werden wir auch in die Mannschaft investieren, aber vernünftig. Ein richtig großer Transfer wäre im hohen zweistelligen Millionenbereich. Das werden wir natürlich nicht machen. Das macht keinen Sinn. Wir müssen gut haushalten und haben ja nicht nur sportlich Nachholbedarf. Es bewegt sich ja im gesamten Verein viel.

…die Leihspieler Martin Hinteregger, Sebastian Rode und Kevin Trapp.

Wir haben unser Interesse hinterlegt. Es gestaltet sich aber nicht so einfach. Jeder will eigentlich bei uns bleiben. Aber mit den Vereinen ist es eben nicht so einfach. Jeder Verein versucht, den Markt zu testen. Paris ist gerade selbst ein bisschen durcheinander, aber die Verhandlungen laufen. Kevin Trapp steht uns sehr gut zu Gesicht. Er wäre glücklich, wenn er bleiben könnte. Vielleicht gelingt es bei allen dreien, vielleicht nur bei zwei oder einem.

… den Verkauf von Luka Jovic zu Real Madrid.

Ich hätte ihn auch gerne länger gehalten. Aber aus dieser Träumerei, dieser Romantik bin ich raus im modernen Fußball. Ein Club unserer Größe ist ordentlich, aber ohne Chance, bei den ganz, ganz Großen mitzuhalten. Du musst schauen, dass du das Beste für deinen Verein rausholst, dass du das Geld wieder in Nachhaltigkeit steckst, in Jungs, die Potential besitzen. Und wenn sie größer werden als dieser Verein ist, dann musst du gucken, dass du wirtschaftlich viel raus ziehst.

… den öffentlichen Druck auf junge Spieler.

Das Umfeld ist heute oftmals das Schwierige, dass ein brutaler Hype gemacht wird. Da spielen auch die Medien eine Rolle und die Erwartungen der Fans. Das muss alles schnell, schnell, schnell gehen. Das hat sich komplett verändert. Ich sage zu jedem 18-Jährigen: Du bist hier in der Ausbildung, auch wenn du schon ein Bundesligaspiel gemacht hast. Du  bist noch kein gestandener Bundesliga-Spieler. Das sehen die manchmal natürlich auch ein bisschen anders. Aber das muss man ihnen immer wieder mit auf den Weg geben. Das braucht Zeit.

Wir haben auch bei Luka gesagt, er muss sich erst mal einfinden und an die Liga gewöhnen. Bei Sébastien Haller haben wir gesagt: Der braucht ein Jahr Anlaufzeit. Auch ein Dejan Joveljic: Da gehe ich nicht davon aus, dass der jetzt gleich die Bundesliga zusammmenschießt. Aber er hat die Qualität und das Potential.

…die Entwicklung der Eintracht seit seinem Amtsantritt.

Wir sind attraktiver für die Berater und Agenturen. Das Vertrauen ist jetzt groß.  Wir können Spieler auf die nächste Stufe bringen. Es ist ja nicht nur Jovic: Jesus Vallejo war hier oder Omar Mascarell. Deshalb bekommst du inzwischen auch Spieler angeboten, die du vor drei Jahren nicht bekommen hättest.

…die Leihgeschäft großer Clubs.

Was mir Sorge macht, ist, dass unglaublich viele junge, talentierte Spieler von den großen Clubs weggekauft werden, ständig verliehen werden und sich dann auch verlieren. Chelsea hat, glaube ich, um die 50 Leihspieler. Das ist ein Geschäftsmodell. Man muss sich bei der Fifa überlegen, ob man die Kader nicht reduziert und die Leihspieler begrenzt.