Enttäuschte Eintracht-Spieler

Während sich die Spieler von Eintracht Frankfurt nach einer XS-Winterpause in Florida auf die Rückrunde vorbereiten, steht in der Heimat die große Inventur an. In unserem Statistik-Check ermitteln wir: Was war gut? Was war schlecht? Was hätte besser sein können?

Um diese Fragen seriös zu beantworten, haben wir uns die vergangenen 17 Bundesliga-Spiele der Eintracht genau anschaut und im ersten Teil unseres Statistik-Checks vor allem auf den Vergleich zum Vorjahr, die Laufwerte und den fachgerechten Umgang mit dem Spielgerät geachtet. Ein verlässlicher Begleiter dabei: die offizielle Statistik von bundesliga.de (Stand 23.12.2019). Alle Daten wurden auf ein virtuelles Spiel – also 90 Minuten – heruntergerechnet und dann verglichen. Die Torhüter wurden ebenso wenig berücksichtigt wie Spieler, die insgesamt weniger als 500 Minuten auf dem Platz standen. Besonders auffällig: Die Spielweise der Eintracht hat sich stark verändert – und zwar nicht zum Guten.

Werte eines Topteams – das war einmal

An dieser Stelle wurden im vergangenen Jahr die Frankfurter Musterschüler gekürt, die es mit ihren Leistungen zu Liga-Bestwerten brachten. Besonders eifrig dabei: Sébastien Haller, der ligaweit die meisten Torvorlagen lieferte, die meisten Zweikämpfe gewann und die meisten Kopfballduelle für sich entschied. Luka Jovic stand zudem im Winter an der Spitze der Torjägerliste und Filip Kostic, nun ja, hatte die meisten Flanken geschlagen. Ein Jahr später fällt der Blick auf die Bestenlisten ernüchternd aus.

Der Frankfurter Kader der Hinrunde 2019/20 ist nach Abschluss des 17. Spieltags in lediglich einer der insgesamt 18 in Zahlen ausdrückbaren Kategorien überhaupt in den Top Fünf vertreten: Wenig überraschend steht das Flügelzangen-Duo Kostic und Danny da Costa an der Spitze der Bundesliga-Profis mit den meisten Flanken: Während Kostic 103 Mal (im vergangenen Jahr: 67 Mal) einen Ball hoch in den Strafraum schlug, wählte da Costa 56 Mal diesen eher unkreativen Weg der Torannäherung. Ob diese Auszeichnung nun allerdings ein Beweis der Stärke der beiden Flügelflitzer oder eher ein weiterer Hinweis auf die fehlenden Ideen in der Offensive ist? Das darf jeder selbst entscheiden.

Die Dauerbrenner

Was wurde in den vergangenen Tagen und Wochen nicht alles über die hohe Belastung, die müden Beine und die vielen Spiele der Eintracht diskutiert. Der Akku sei leer und letztlich die Erklärung für den Einbruch im Winter, hieß es immer wieder. Die Statistik verrät nun aber: Die einzigen beiden, die sich – zumindest in der Bundesliga – wirklich beschweren dürften, waren gleichzeitig die beiden besten. Kostic und Martin Hinteregger sind mit Abstand die beiden Frankfurter Dauerbrenner, der Rest ist mehr oder weniger Durchschnitt.

Auffällig zudem: Der große Verlierer ist Evan N’Dicka. Nachdem der junge Franzose in der vergangenen Hinrunde noch 1.519 Minuten auf dem Platz stand und nur Danny da Costa den Vortritt lassen musste, rutschte er in diesem Jahr auf 629 Minuten ab. Ihm gegenüber steht Djibril Sow, der trotz anfänglicher Verletzung und dann eher mäßigen Leistungen die viertmeisten Minuten (1.120) sammelte. Bemerkenswerte Personalentscheidungen.

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Die Dauerläufer

Auf dem Platz stehen ist die eine Sache, auf dem Platz laufen die andere. Und siehe da: Der viel kritisierte Sow ist tatsächlich die Pferdelunge im Frankfurter Spiel. Der als Ballverteiler engagierte Schweizer läuft mit 12,4 Kilometern pro 90 Minuten all seinen Mitspielern davon und übertrifft sogar den teaminternen Bestwert des Vorjahres von Lucas Torro (12,2). Ihm folgen, das ist keine Überraschung, mit Sebastian Rode, Gelson Fernandes, Daichi Kamada und Dominik Kohr vier weitere Spieler aus dem zentralen Mittelfeld.

Am anderen Ende des Tableaus befinden sich die beiden Routiniers Makoto Hasebe und Bas Dost, die sich aufgrund von Alter und Position wohl nicht mehr zum Marathonläufer eignen. Randnotiz: Dauerbrenner Kostic lief pro Partie einen knappen Kilometer weniger als in der vergangenen Hinrunde.

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Die Sprinter

Da schnell laufen und schnell umschalten im Hütterschen Pressing-Fußball jedoch wohl die wichtigere Eigenschaft ist, kann man Kostic schnell wieder verzeihen. Der Serbe thront gemeinsam mit seinem Außenverteidiger-Partner da Costa an der Ranglisten-Spitze der Sprinter. Beide erhöhen fast jede dritte Minute das Tempo auf Maximalgeschwindigkeit und lassen damit auch die beiden – zumindest fleißigen – Offensiv-Kräfte André Silva und Kamada hinter sich.

Fernab von den Spieler-Statistiken sollte Trainer Hütter jedoch vor allem die Gesamtanzahl der Sprints zu denken gaben. War die Eintracht mit 4.212 Sprints in der Hinrunde des vergangenen Jahres noch das Vollgas-Team der Liga, ist sie in dieser Disziplin aktuell auf den zehnten Rang abgerutscht. Mit 3.758 Sprints fehlen im Vergleich zum Vorjahr stolze 454 schnelle Läufe. Das ist bezeichnend, die Wucht ist verlorengegangen.

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Die Torjäger

Was ebenfalls schmerzlich vermisst wird, ist die Torgefahr. Fernab der Büffelherde hat es in dieser Spielzeit noch kein Stürmer geschafft, regelmäßig für zappelnde Netze und jubelnde Fans zu sorgen. Ein Blick auf die Statistik zeigt zudem, dass die mangelnde Kaltschnäuzigkeit der Angreifer zu mehr Offensivdrang des restlichen Teams geführt hat. Nachdem in der vergangenen Saison nur Luka Jovic, Ante Rebic und Sebastien Haller durchschnittlich mehr als zweimal pro Partie den Abschluss suchten (und dabei am laufenden Band trafen), versuchten sich in dieser Halbserie gleich sechs Profis mit zwei oder mehr Torschüssen pro Spiel. Erfolgsquote: ausbaufähig.

Besonders auffällig: Innenverteidiger Hinteregger nimmt das gegnerische Gehäuse öfter ins Visier als die weit vor ihm spielenden Dominik Kohr, Djibril Sow oder Sebastian Rode. Dass Stürmer Silva die meisten Torschüsse abgab, aber nur dreimal traf, ist ebenfalls kein Beweis für Power im letzten Drittel des Spielfelds. Mehr Torgefahr aus Mittelfeld und Sturm würde dem Spiel guttun.

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Die Ballverteiler

Eindeutige Hinweise zu den Schwächen der Eintracht in dieser Spielzeit liefern auch die Ballkontakte. Mit Martin Hinteregger, Evan N’Dicka und Filip Kostic stehen gleich drei Spieler, die vornehmlich über links aufbauen, unter den Top-Vier. Danny da Costa, David Abraham oder Almamy Touré, die meist auf der gegenüberliegenden Seite auflaufen, folgen mit deutlichem Abstand. Heißt: Das Frankfurter Spiel ist wieder einmal sehr linkslastig.

Was zudem fehlt, ist ein klarer Taktgeber im Mittelfeld. Libero Makoto Hasebe hat die meisten Ballkontakte und ordnet das Spiel von hinten, davor klafft jedoch eine Lücke. Die Rolle von Jonathan de Guzman, der im Vorjahr am zweitmeisten am Ball war, haben weder Daichi Kamada noch Djibril Sow oder Dominik Kohr übernommen. Der Mittelfeldspieler mit den meisten Aktionen am Ball ist Sebastian Rode. Der war früher mal rein für Zweikämpfe und Balleroberungen bekannt.

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