Vorstandssprecher Axel Hellmann

Erst versöhnliche Töne, nun offene Kritik: Axel Hellmann, Vorstand bei Eintracht Frankfurt, stichelt in einem Interview gegen den scheidenden Trainer Adi Hütter. Wie können die Aussagen interpretiert werden? Eine kommentierende Einordnung.

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zum Video Hellmann exklusiv: "Ohne Zuschauer ist es ein anderer Sport"

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In einem Interview mit der Bild kritisiert Axel Hellmann, Vorstandsmitglied bei Eintracht Frankfurt, Adi Hütter für die Verkündung seines Abschieds und dessen Auftritt auf der letzten Pressekonferenz. Eine kommentierende Einordnung der Aussagen:

Hellmann: "Wenn schon eine Ausstiegsklausel gezogen wird, ist es dann zwingend notwendig, das im Laufe einer Saison zu verkünden?"

Adi Hütter und Oliver Glasner, zwei österreichische Bundesligatrainer, die den Verein wechseln – Hütter von Frankfurt zu Gladbach, Glasner von Wolfsburg zur Eintracht. Doch beide verfolgten bei der Verkündung eine unterschiedliche Strategie. Am 13. April machte die Eintracht Hütters Weggang öffentlich – laut Berichten auch auf sein Bestreben hin, um Klarheit und Ruhe vor Nachfragen zu schaffen. Der Plan misslang krachend, denn die Verkündung wirkte sich negativ auf die sportlichen Leistungen aus.

Spieler berichteten, dass Hütter am Tag danach selbst mitgenommen gewirkt und die Trainingseinheit in Umfang und Intensität deutlich reduziert habe. Die Eintracht verspielte in der Folge die Champions League. "Glaubwürdigkeit und Metaphysik" spielten in der Wahrnehmung der Spieler eine Rolle, erklärt Hellmann nun das Abrutschen.

Glasner vermied derweil monatelang ein Bekenntnis zum VfL und wich seit Bekanntwerden seiner Ausstiegsklausel den Nachfragen zu seiner Zukunft beharrlich aus. Im Gegensatz zur Eintracht zog Wolfsburg in die Champions League ein. "Er hat sich von niemandem treiben lassen", sagt Hellmann jetzt anerkennend über Glasner. Klar ist: Dessen Strategie des Ausweichens ging sportlich auf.

In Wolfsburg ist das Ausweichen einfacher

Allerdings ist das Medieninteresse in Wolfsburg viel geringer – und Glasners Wechsel an den Main war im Gegensatz zu Hütters Weggang lange unklar. Mehreren Quellen zufolge fiel Hütters Entscheidung pro Gladbach bereits während der Länderspielpause, Gladbachs Manager Max Eberl soll ihn da bei einem Treffen in Österreich überzeugt haben. Kurz darauf mehrten sich die Berichte vom Niederrhein über Hütters Zusage, der öffentliche Druck wuchs immens.

Hellmann plädiert deswegen in der Bild für Fristen bei Ausstiegsklauseln und Verschwiegenheitspflichten für die Vertragspartner. Im Fall von Hütter hätten sich die Gladbacher aber nicht an ein Schweigeabkommen halten müssen, sie waren schließlich nie Vertragspartner. Gleichzeitig wirft der scheidende Sportvorstand Fredi Bobic den Eintracht-Verantwortlichen vor, seinen Weggang ihrerseits an Medienvertreter durchgestochen zu haben. Erst daraufhin sei er in der ARD in die Offensive gegangen. So reden in Frankfurt die Funktionsträger mehr übereinander als miteinander. Schweigen ist Gold – aber in Niedersachsen scheint das Schweigen eben einfacher zu fallen als in Hessen.

Hellmann: "Ich habe mir gedacht: 'Adi, wie klein wird deine Welt'. Das hätte er nicht nötig gehabt und ich glaube, das haben viele so empfunden."

In seiner letzten Medienrunde als Trainer von Eintracht Frankfurt bedankte sich Hütter namentlich bei allen gewichtigen Eintracht-Verantwortlichen, ließ aber Hellmann aus. Diesen Umstand kritisierte dieser nun als kleinkariert – und das nicht zu Unrecht.

Der Zwist zwischen Hellmann und Hütter begann aber schon Ende Februar. Nach ersten Meldungen über den Abgang von Bobic hatten die Eintracht-Verantwortlichen bei Hütter angeregt, in der TV-Sendung Sky90 ein Bekenntnis zur Eintracht abzugeben. In der Sendung sagte Hütter dann klar: "Ich bleibe." Auch dies sollte sich als Fehler herausstellen.

Hütter wollte Unterstützung von Hellmann

Nur wenige Wochen später gab er seine Zusage bei Borussia Mönchengladbach und wurde von Fans und Medien als "Ich-AG" oder "Lügner" bezeichnet. Hütter wehrte sich gegen diese Bezeichnungen und erhoffte sich Unterstützung von Hellmann, gerade im Hinblick auf die Umstände seiner Äußerung. Fredi Bobic sagte dazu in der Sport Bild: "Der Abschied von Adi Hütter hat einige auf den Plan gerufen, die schlechte Stimmung verbreiten wollten." Bobic hätte sich von denen, die "bei der Eintracht dazu berufen" seien, mehr Rückendeckung für Hütter gewünscht. Hellmann ist Sprecher des Vorstands.

Die Forderung scheint in Anbetracht der Umstände gewagt. Denn gleichzeitig erzürnten Bobic und Hütter den Vorstand mit unsensiblen Äußerungen und mangelnder Selbstkritik. Nach der Niederlage auf Schalke geißelte Hellmann ihr positives Saisonfazit als "Schönrednerei". Der für seine Sturheit bekannte Hütter strich Hellmann danach von der Danksagungsliste.

Hellmann: "Die Reaktion von Marco Rose hat mich beeindruckt. Er hat zugegeben: 'Meine Jungs hatten an meinem Weggang schwer zu tragen.'"

Gladbachs Trainer Marco Rose sparte nach dem letzten Saisonspiel nicht mit Selbstkritik. Sein Abgang Richtung Dortmund sei mitverantwortlich für den sportlichen Einbruch der Gladbacher gewesen, sagte er. Diese Reaktion lobte Hellmann nun – und stellte sie unterschwellig in Kontrast zu Hütters Verhalten.

Der hatte einen Zusammenhang zwischen Weggang und Leistungsabfall immer wieder negiert, was in der Formulierung nach dem enttäuschenden Remis gegen Mainz gipfelte: "An mir liegt es nicht, an der Mannschaft liegt es auch nicht."

Lob für Marco Rose als Kontrast zu Hütter

Allerdings wählte Hütter ähnlich wie Rose nach Saisonschluss andere Worte: "Ich bin nicht zufrieden mit meiner Arbeit in den letzten Wochen. Das war nicht gut genug, um allen eine Freude bereiten zu können." Und später: "Es ist traurig, dass wir das Ziel Champions League nicht erreicht haben. Das war unser großer Traum. Dafür übernehme ich die sportliche Verantwortung."

Doch so wie Hütter das überschwängliche Lob von Hellmann für seine dreijährige Amtszeit offensichtlich überhörte, nahm Hellmann von dieser neuen Selbstkritik wenig Notiz. Wahrscheinlich sind beide noch zu sehr damit beschäftigt, die Enttäuschung der letzten Wochen zu verarbeiten – aber eben auch die Kränkungen.