Bas Dost will seine Bilanz im Endspurt - sollte er stattfinden - verbessern.

Tore schießen und diese Erfolge mit den Fans feiern: Eintracht-Stürmer Bas Dost hat auch deshalb schon als Kind den Weg in den Profibereich angestrebt. Die Coronakrise lässt Spiele in naher Zukunft aber nur noch ohne Zuschauer zu. Der Niederländer hat sich damit arrangiert – und blickt sogar noch in Richtung Europa.

Videobeitrag

Video

zum Video Bas Dost über Nachbarn, Geisterspiele und seine bisherige Performance

Bas Dost jubelt.
Ende des Videobeitrags

Bas Dost kam im vergangenen Sommer als großer Hoffnungsträger zu Eintracht Frankfurt. Der erfahrene Angreifer sollte vor allem Sébastien Haller ersetzen und eine große Lücke schließen. Rund 100 verletzungs- oder krankheitsbedingte Fehltage bremsten ihn aber unsanft aus. Der Niederländer zählt aber nicht zu der Sorte Mensch, der nun den Kopf in den Sand steckt. "Wenn es wieder losgeht, will ich da sein“, kündigte Dost in einer wegen der Coronakrise angesetzten "Geister-Pressekonferenz", in der er die Fragen der Journalisten beantwortete, an.

Großer Garten und nette Nachbarn sorgen für Lichtblicke

Doch noch benötigen alle Protagonisten Geduld. Nachdem Mitte März jeweils zwei Spieler und Mitarbeiter der Eintracht positiv auf COVID-19 getestet wurden, mussten Betreuer und Mannschaft in 14-tätige häusliche Quarantäne. Die Zeit in den eigenen vier Wänden durfte Dost mit Freundin und Sohn verbringen.

Inzwischen sind diese Fesseln aber gelöst, der lebensfrohe Niederländer hält sich bei strahlendem Sonnenschein und frühsommerlichen Temperaturen im großen Garten auf und plaudert mit der nötigen Distanz mit den Nachbarn: "Das ist das Geile an dieser Situation." Und was macht sonst noch Hoffnung? Die ersten Trainingsschritte in Kleinstgruppen und die Aussicht darauf, dass der Ball möglicherweise schon bald wieder durch die Stadien rollt.

Geisterspiele als "gute Entscheidung"

Aktuell plant die Deutschen Fußball Liga (DFL) die beiden Profi-Ligen Anfang Mai starten zu lassen. Solange die Gesundheit durch die Pandemie bedroht ist, können diese Partien - sofern sie überhaupt angepfiffen werden dürfen - jedoch nur ohne Zuschauer stattfinden. "Das ist jetzt eben so. Ich bin zwar Fußballer geworden, weil ich vor Fans spielen will. Du machst ein Tor und jubelst mit dem Publikum - das ist immer mein Traum gewesen", bedauerte Dost einerseits.

Andererseits betonte der Angreifer: "Spiele mit Fans wird es nicht geben. Geisterspiele sind trotzdem eine gute Entscheidung, weil es wichtig ist, dass wir die Saison zu Ende spielen.“ Ein Drittel der Vereine der Bundesliga und 2. Liga befinden sich schon nach rund vier Wochen Pause in einer wirtschaftlich schwierigen Lage. Das Fachmagazin kicker berichtete zuletzt von zwölf der 36 Clubs, die im Falle eines Abbruchs der Saison Insolvenz anmelden müssten.

Umdenken bei Dost

Dost war zunächst zu der Überzeugung gelangt, die Spielzeit vorzeitig abzubrechen. Gespräche mit Sportvorstand Fredi Bobic haben ihn dann zum Umdenken bewogen: "Wenn du hörst, was für eine Bedeutung die Fortsetzung hat, dann willst du die Saison fertig spielen – leider ohne Fans." Natürlich sei diese Entscheidung in einer Phase, in der die Welt still steht, "schwer zu verstehen“. Es gebe jedoch genügend andere Jobs, in denen es auch weitergehen müsse: "Ich glaube, dass es gut ist, wenn wir im Mai anfangen und die Saison fertig spielen."

Für Dost wäre es die Chance, seiner persönlich so unglücklich verlaufende Saison einen positiven Anstrich zu verpassen. Natürlich fehle ihm durch die lange Pause das Gefühl der Sicherheit. Doch gerade deshalb brennt der Stürmer auf weitere Einsätze: "Ich würde im Mai gerne wieder losballern." Sieben Pflichtspieltore stehen bislang auf seinem Konto, zuletzt traf Dost beim Sieg in Hoffenheim.

Europa-League-Plätze im Blickfeld

Obwohl die Frankfurter mit 28 Punkten einen Platz im Niemandsland der Tabelle belegen, geht der Blick von Dost noch nach oben in Richtung Schalke 04, das mit 36 Zählern Rang sechs belegt. Er formuliert ehrgeizige Ziele: "Ich will, dass wir jedes Spiel gewinnen und dass wir noch die Europa League erreichen."

Im Gegensatz zur Konkurrenz hat die Eintracht noch ein Nachholspiel gegen Werder Bremen zu bestreiten, zudem besteht im DFB-Pokal-Halbfinale beim FC Bayern München die (vergleichsweise geringe) Chance, ins Endspiel einzuziehen.

Dost wehrt sich gegen die Bewertung "Profiteur"

Dost will in diesem Endspurt liefern und seine eigene Bewertung – er gibt sich bislang eine "Schulnote drei" – verbessern. Zweifel an seinem Körper habe er keine, das Selbstvertrauen ist trotz aller Rückschläge vorhanden: "Ich muss weiter vorausschauen. Ihr wollt nicht wissen, wie viel Lust ich auf Fußball habe." Dost sei "beschwerdefrei" und in rund zwei Wochen auch spielfit. Obwohl er sich durch die Unterbrechung länger auf sein Comeback vorbereiten darf, sieht er sich nicht als "Profiteur" der dramatischen Lage: "Dieser Ansatz gefällt mir nicht." Richtig so: Denn Gewinner gibt es in dieser Pandemie nicht!