Ein fotografisches Portrait des Fußballers Meier.

Vom Phlegmatiker zum Fußballgott: Seinen Legendenstatus musste sich Alex Meier bei Eintracht Frankfurt hart erarbeiten. Treue, Bescheidenheit und eine außergewöhnliche Klasse hievten ihn in den Eintracht-Olymp - und auf Rang eins der besten 20 Eintracht-Spieler dieses Jahrtausends.

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zum Video hr-Reporter Naß über Alex Meier

Naß über Meier
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Und dann, gegen Ende eines schnöden Bundesligaspiels gegen den Hamburger SV, explodiert die Frankfurter Arena. Einige Minuten zuvor ist Alex Meier eingewechselt worden. Der gealterte Fußballgott hat die gesamte Saison 2017/18 verletzt verpasst, nun neigen sich seine 14 Jahre bei der Eintracht dem Ende zu. Einen neuen Vertrag bekommt er nicht, diese drei Minuten des letzten Saison-Heimspiels werden sein Abschied sein, das Ende einer Ära, durch das Meier in seiner typischen Meier-Art hindurchschlurft. Dann ein letzter Konter, eine Flanke segelt butterweich in den Strafraum, 50.000 Menschen halten den Atem an. Und Meier macht, was er immer gemacht hat: Er schiebt den Ball mit der Innenseite ins Tor.

Der Jubel über dieses Happy End von Treffer ist so ohrenbetäubend, von so tiefer, ehrlicher Freude über dieses Hollywod-artige Schleifchen, das sich in diesem Moment um Meiers Karriere zieht, dass niemand, der dabei war, es je vergessen wird. Die Frankfurter Fans liegen sich in den Armen, als wären sie gerade Meister geworden; nicht wenige weinen. "Es war so unglaublich laut. Das war der blanke Wahnsinn. Im Nachhinein gibt es eigentlich keinen schöneren Abschied als diesen", sagt Meier 2020 rückblickend der Frankfurter Rundschau.

Nicht unbedingt Liebe auf den ersten Blick

Dabei war die Beziehung Alex Meier – Eintracht Frankfurt nicht eben Liebe auf den ersten Blick. Der lange Kerl, den Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen in der Lüneburger Heide aufgetan hatte, brachte eine Menge Talent mit, das war schnell zu erkennen. Und doch schien es oft, als machte er zu wenig daraus, als übertrüge er seine stille, zurückhaltende Art abseits des Platzes zu häufig auch auf das Feld.

Seine Tore, und das sind stets viele, macht er mit dem Innenrist. In vielen anderen Situationen wünscht man ihm den Spann. Meier ist einer jener Spieler, denen das Effe-artige abgeht, der Wille zum Ellbogen. Mit einer kleinen Prise davon hätte Meiers Karriere ihn wohl in andere Sphären geführt.

Meier bleibt auch beim Abstieg

So aber wird der Mittelklasseklub Eintracht Frankfurt zur Heimat eines Fußballers, der rein vom Potential eigentlich überqualifiziert ist. Zunächst schmerzt es die Fans oft, dass gerade der offensichtlich Hochbegabte zu selten zeigt, was er kann. In den arg bleiernen späten Funkel-Jahren macht ihn das zeitweise zum Sündenbock, "Köhler, Meier, Funkel raus" schallt es immer mal wieder von den Rängen.

Und Meier? Macht einfach weiter, trifft wie eh und je, mit der Innenseite ins lange Eck, und bleibt auch dann, als die Eintracht 2011 überraschend absteigt. Ein Wendepunkt: So wie der Gang in die Zweitklassigkeit für den gesamten Klub einen kathartischen Effekt hat, so wichtig ist er für Meiers persönliche Entwicklung.

Der erste Torschützenkönig seit Yeboah

Der neue Trainer Armin Veh macht den stillen Meier zum Kapitän, eine Geste, mit der er ihn quasi dazu zwingt, sein Potential auszuschöpfen. Und Meier, auf halber Strecke seiner Karriere angekommen, liefert, schießt die Eintracht erst zurück in Liga eins, dann in den Europa-Cup, dann sich selbst zum Torschützenkönig. Das hatte zuletzt Anthony Yeboah geschafft.

Treue, Bescheidenheit und eine außergewöhnliche Klasse: Im Herbst seines Fußballerlebens findet endlich auch emotional zusammen, was zusammen gehört, und die Fans heben Meier auf den Thron eines Fußballgottes. "Er trifft mit dem Fuß, er trifft mit dem Kopf, er trifft wie er will, sogar mit dem Zopf", schallt es durchs Waldstadion, am Ende stehen 137 Tore in 397 Spielen für seine Eintracht. Statistiken, die einer Legende würdig sind.

"Ich bin ja einfach so geblieben, wie ich immer war", sagt Meier, dessen Name in Frankfurt ohne den geschrienen Zusatz "FUSSBALLGOTT" nicht mehr denkbar ist. "Ich bin kein Star, ich bin Alex." Genau deswegen wird er in Frankfurt geliebt.

Experten-Punkte: 491

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So läuft das Bewertungssystem

Für unsere Serie "Die besten 20 Eintracht-Spieler des Jahrtausends" haben wir 25 Experten nach ihren Top 20 gefragt. Dabei waren Mitglieder der hr-Sportredaktion, Kollegen von Zeitungen wie der Frankfurter Rundschau, der Bild, dem Kicker und der FAZ sowie Fan-Blogger und prominente SGE-Anhänger wie Henni Nachtsheim. Für Rang eins gab es 20 Punkte, für Rang zwei 19 und so weiter. Am Ende haben wir alle Punkte zusammengezählt und kamen so auf das finale Ranking.

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Ihre Kommentare Wer sind Ihre 20 besten Eintracht-Spieler der letzten 20 Jahre?

184 Kommentare

  • Russ

  • AMFG ist auch meine Nr. 1. Ich war erstaunt, dass das im Heimspiel am Montag nicht immer rüber kam.
    Was ich nie verstanden habe - und auch den Verantwortlichen (z.B. Bobic) übel nehme, dass man ihn im Grunde genommen abserviert hat. Er hätte einfach noch mal eingesetzt werden müssen. Auch im Pokal-Endspiel.
    Noch eine Anmerkung: Charakterlich auch ganz vorne muss Gacinovic stehen. Unvergessen und für immer im Herzen sein Lauf zum 3:1!!!

  • Gute Liste ! Was hier wieder Leute schreiben! Wusste gar nicht, dass Uwe Bein und Bernd Hölzenbein 2000 noch gespielt haben - der letzten 20 Jahre bedeutet 2000-2020! Maaaaaan!!!!

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