Eintracht-Spieler Alex Schur mit den Fans

Vorkämpfer, Integrationsfigur, Aufstiegsheld: Alexander Schur hat es in die Top Ten unseres Experten-Rankings "Die besten 20 Eintracht-Spieler des Jahrtausends" geschafft. Neben seiner Heimat Frankfurt wird sein Name für immer mit einer weiteren Stadt verknüpft sein.

Videobeitrag

Video

zum Video hr-Reporter Schmitt über Alex Schur

Schmitt Lieblingsprofi
Ende des Videobeitrags

Reutlingen: 115.000 Einwohner, knapp 40 Kilometer südlich von Stuttgart und ansonsten nicht gerade der Nabel der Welt. Als eine von nur zwei deutschen Großstädten verfügt die Kommune über keinen direkten Autobahnanschluss (Freunde des unnützen Wissens: die zweite ist Solingen). Der mit Abstand größte Club der Stadt ist der örtliche Ableger des Deutschen Alpenvereins mit rund 11.000 Mitgliedern - immerhin rühmt sich Reutlingen als das "Tor zur Schwäbischen Alb".

Bei Alexander Schur steht Reutlingen für das Tor zum ewigen Heldenstatus. Es gibt wohl keinen Eintracht-Anhänger, der beim Namen Schur nicht an diesen einen, legendären Moment denkt, der den Hessen am 25. Mai 2003 den Aufstieg in die Bundesliga beschert: Dritte und letzte Minute der Nachspielzeit, die Eintracht braucht im Fernduell mit Mainz 05 nach einem wilden Spielverlauf gegen eben jenen SSV Reutlingen unbedingt noch einen Treffer. Die Flanke kommt von links in den Strafraum und Alexander Schur ist mit dem Kopf zur Stelle. 6:3, Abpfiff, Aufstieg, Ekstase auf der WM-Arena-Baustelle Waldstadion.

Den Adler im Herzen

Alexander Schur

Es ist eine dieser fußballerischen Kitsch-Geschichten, dass sich ausgerechnet der waschechte Frankfurter Bub an diesem Sonntagnachmittag in den Kreis der Clubikonen katapultiert. Doch er hat es verdient. 251 Mal hält der im Stadtteil Bockenheim aufgewachsene Schur zwischen 1995 und 2006 im wahrsten Sinne des Wortes seine Knochen für die Eintracht hin. Nicht selten ist es mausgrauer Zweitliga-Alltag, doch Schur trägt den Adler so sehr im Herzen, dass an einen Abschied für ihn nicht zu denken ist.

Dabei hat der Defensivspezialist durchaus Qualitäten, die ihn auch für andere Vereine interessant machen würden. Beileibe kein Künstler am Ball, dafür aber ein grundsolider und zuverlässiger Arbeiter. Einer, der den Zweikampf nicht scheut und immer wieder seinen Torriecher unter Beweis stellt. Mit seiner Kopfballstärke ist Schur gerade bei Standards eine Waffe. 23 Tore und 17 Vorlagen können sich sehen lassen. Auch im nicht minder prestigeträchtigen Bundesliga-Endspurt 1999, der im 5:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern gipfelt, ebnet er mit Toren gegen Hamburg und Dortmund den Weg zum späteren Wunder.

Im Konzert der Großen

Schur entwickelt sich in den Jahren immer mehr zur Integrationsfigur und Führungspersönlichkeit. Mit seiner bodenständigen, uneitlen Art wird der gelernte Bankkaufmann von Fans, Teamkameraden und Trainern gleichermaßen geschätzt. Mehrere Jahre trägt er die Kapitänsbinde seines Herzensvereins, bis ihn ein Kreuzbandriss im April 2005 letztlich ausbremst. Erst ein Jahr später absolviert "Schui", der zu diesem Zeitpunkt bereits seinen eigenen Eintracht-Fanclub hat, seine letzten beiden Profipartien.

Als "Säule der Eintracht" wird Schur schließlich im Jahr 2013 an der Seite von Größen wie Jürgen Grabowski, Charly Körbel oder Anthony Yeboah in einer Fan-Abstimmung in die inoffizielle "Hall of Fame" der Frankfurter gewählt. Sein Konterfei prangt seither in der U-Bahn-Station am Willy-Brandt-Platz.

Unerfüllte Hoffnung

Auch leibhaftig ist Schur der Eintracht natürlich treu geblieben. Mit Stationen als Jugendtrainer, Nachwuchsleiter und Marketing-Mitarbeiter ist er dem Club bis heute eng verbunden. Selbst ein Angebot als Chefcoach von Zweitligist Arminia Bielefeld lehnt Schur im März 2017 für einen Verbleib in seiner Heimat ab. Einzig seine Hoffnung auf eine Bewährungschance als Trainer der Eintracht-Profis hat sich bisher nicht erfüllt.

In Reutlingen kann man sich seit dem Treffer von Alexander Schur übrigens wieder voll und ganz aufs Wandern konzentrieren. Der 25. Mai 2003 besiegelte den Abstieg und war das bis dato letzte Profispiel des SSV, der heute in der Oberliga Baden-Württemberg zu Hause ist. So hat jede Heldengeschichte eben auch ihren tragischen Verlierer.

Experten-Punkte: 233

Weitere Informationen

So läuft das Bewertungssystem

Für unsere Serie "Die besten 20 Eintracht-Spieler des Jahrtausends" haben wir 25 Experten nach ihren Top 20 gefragt. Dabei waren Mitglieder der hr-Sportredaktion, Kollegen von Zeitungen wie der Frankfurter Rundschau, der Bild, dem Kicker und der FAZ sowie Fan-Blogger und prominente SGE-Anhänger wie Henni Nachtsheim. Für Rang eins gab es 20 Punkte, für Rang zwei 19 und so weiter. Am Ende haben wir alle Punkte zusammengezählt und kamen so auf das finale Ranking.

Ende der weiteren Informationen

Ihre Kommentare Wer sind Ihre 20 besten Eintracht-Spieler der letzten 20 Jahre?

184 Kommentare

  • Russ

  • AMFG ist auch meine Nr. 1. Ich war erstaunt, dass das im Heimspiel am Montag nicht immer rüber kam.
    Was ich nie verstanden habe - und auch den Verantwortlichen (z.B. Bobic) übel nehme, dass man ihn im Grunde genommen abserviert hat. Er hätte einfach noch mal eingesetzt werden müssen. Auch im Pokal-Endspiel.
    Noch eine Anmerkung: Charakterlich auch ganz vorne muss Gacinovic stehen. Unvergessen und für immer im Herzen sein Lauf zum 3:1!!!

  • Gute Liste ! Was hier wieder Leute schreiben! Wusste gar nicht, dass Uwe Bein und Bernd Hölzenbein 2000 noch gespielt haben - der letzten 20 Jahre bedeutet 2000-2020! Maaaaaan!!!!

Alle Kommentare laden