Eintracht-Stürmer Haller jubelt

Bei seiner Ankunft schien Sébastien Haller ein klassischer Stoßstürmer zu sein. Schnell stellte sich heraus: Er ist viel mehr als das. Und damit unser Rang vier der besten 20 Eintracht-Spieler dieses Jahrtausends.

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Hofmeister zu Haller
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In seinem letzten internationalen Auftritt für Eintracht Frankfurt hätte sich Sébastien Haller unsterblich machen können. Nach wochenlanger Verletzungspause wurde der französische Stürmer im Europa-League-Halbfinale beim FC Chelsea kurz vor der Verlängerung eingewechselt und hatte dann gleich zweimal den Siegtreffer auf dem Fuß. Am Torhüter kam Haller beide Male vorbei, zwei Rettungsaktionen auf der Linie verhinderten jedoch den Frankfurter Finaleinzug.

Wenige Minuten später schied die Eintracht aus, wenige Wochen später wechselte Haller in die Stadt der damaligen Niederlage zu West Ham United. Einen Spieler wie ihn sucht man seitdem bei der Eintracht und in der ganzen Bundesliga vergeblich.

Keine Liebe auf den ersten Blick

Zugegeben: Es war keine Liebe auf den ersten Blick, als Haller im Sommer 2017 vom FC Utrecht zur Eintracht wechselte. Ein bulliger, junger Angreifer mit durchschnittlicher Torquote in einer unterdurchschnittlichen Liga. Dazu eine Körpersprache, die zwischen lässig und lustlos schwankte, gepaart mit eher zurückhaltenden Auftritten auf dem Trainingsplatz und am Mikrofon.

Während der zeitgleich verpflichtete Kevin-Prince Boateng mit markigen Sprüchen und Dicke-Hose-Auftritten schnell die Herzen von Fans und Stadt eroberte, wirkte der junge Familienvater Haller im Vergleich dazu eher spießig. Ein Leisetreter inmitten einer Horde Bad Boys. Ein durchgestylter Vorzeigeprofi mit Designerbrille vor einer Fankurve mit Jogginghosen und Bauchtauschen. Konnte das gutgehen? Und wie.

Eleganz, Coolness, Technik, Übersicht

Im Gegensatz zu Draufgängern wie Ante Rebic oder Luka Jovic, mit denen Haller in seinem zweiten Jahr zur Büffelherde verschmolz und halb Europa das Fürchten lehrte, verkörperte Haller Eigenschaften, die es so nur sehr selten zu bestaunen gibt: Eleganz, Coolness, Technik, Übersicht und eine Ballannahme, die einen Platz im Eintracht-Museum verdient hätte. Viel Kunst, ganz viel Gefühl, ganz wenig Arbeit. So wirkte Hallers Spielweise.

Rebic, Jovic, vorher Boateng, später auch Filip Kostic sorgten und sorgen mit ihrer Hau-drauf-Art zwar für erhöhten Adrenalinausstoß bei den Fans. Ohne Haller, das zeigten vor allem die Spiele ohne hin, fehlte aber die Balance. Haller machte das Spiel der Eintracht sehenswerter und seine Mitspieler besser. Ein Spielmacher im Körper eines Angreifers.

Der Ball war Hallers bester Freund

Zwar erzielte auch er Tore per Seitfallzieher, in bester Jan-Aage-Fjörtoft-Manier mit einem kurzen Übersteiger vor dem Torschuss oder besonders gerne in letzter Sekunde. Insgesamt waren es am Ende 33 in 77 Spielen. Die großen Haller-Momente waren aber die, wenn er lange Bälle mit Oberschenkel, Brust oder sonstigen Körperteilen scheinbar mühelos vom Himmel pflückte und im genau richtigen Moment weiterleitete. Der Ball, so schien es, war Hallers bester Freund. Gemeinsam konnten sie alles erreichen.

Nur an jenem 9. Mai an der Stamford Bridge, da klappte das nicht. Der Traum vom Finale und der Champions League platzte, Haller entschied sich mangels Perspektive für das große Geld und verabschiedete sich in Richtung London. In Frankfurt wird er seit seinem Abgang schmerzlich vermisst.

Experten-Punkte: 427

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So läuft das Bewertungssystem

Für unsere Serie "Die besten 20 Eintracht-Spieler des Jahrtausends" haben wir 25 Experten nach ihren Top 20 gefragt. Dabei waren Mitglieder der hr-Sportredaktion, Kollegen von Zeitungen wie der Frankfurter Rundschau, der Bild, dem Kicker und der FAZ sowie Fan-Blogger und prominente SGE-Anhänger wie Henni Nachtsheim. Für Rang eins gab es 20 Punkte, für Rang zwei 19 und so weiter. Am Ende haben wir alle Punkte zusammengezählt und kamen so auf das finale Ranking.

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Ihre Kommentare Wer sind Ihre 20 besten Eintracht-Spieler der letzten 20 Jahre?

184 Kommentare

  • Russ

  • AMFG ist auch meine Nr. 1. Ich war erstaunt, dass das im Heimspiel am Montag nicht immer rüber kam.
    Was ich nie verstanden habe - und auch den Verantwortlichen (z.B. Bobic) übel nehme, dass man ihn im Grunde genommen abserviert hat. Er hätte einfach noch mal eingesetzt werden müssen. Auch im Pokal-Endspiel.
    Noch eine Anmerkung: Charakterlich auch ganz vorne muss Gacinovic stehen. Unvergessen und für immer im Herzen sein Lauf zum 3:1!!!

  • Gute Liste ! Was hier wieder Leute schreiben! Wusste gar nicht, dass Uwe Bein und Bernd Hölzenbein 2000 noch gespielt haben - der letzten 20 Jahre bedeutet 2000-2020! Maaaaaan!!!!

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